Freitag, 9. März 2018

1000 Kilometer bis zum Meer…

Drei ist eine heilige Zahl. Drei ist die magische Zahl. Drei ist die Zahl der Göttin. Drei Kindern gebar ich ( 27 Jahre, 23 Jahre , 20 Jahre ) und das dritte und jüngste habe ich nun ziehen lassen müssen, weil es an der Zeit war. 
 
Schon bei meinem Sohn fiel es mir  damals nicht leicht, ihn im Ruhrgebiet zu lassen, als wir vor 5 Jahren umzogen. Bei unserem "Nesthäkchen", ist es eine Herausforderung, weil München nicht eben ums Eck ist. Es sind über 1000 km bis zu uns, zur Nordsee.

Eine tolle WG mit lieben Mitbewohnerinnen, eine Ausbildung die sie sich so lange gewünscht hat und die sicherlich ihresgleichen sucht, lockte sie ins ferne Bayern. Sie ist Azubi bei Bumm Film, eine Firma von Tommy Krappweis, der mit Bernd das Brot und RTL Samstagnacht bekannt wurde. Zusätzlich ist der ein Multitalent, seinerzeit Musiker und Bücherschreiber, sprich Autor von Mara und der Feuerbringer und einigen anderen Werken.


Hexen Tochter auf der Bühne mit Tommy Krappweis
Allein der Film hat damals eigentlich alles in Bewegung gebracht. Seltsam ist manchmal gar kein Ausdruck. Wie das Schicksal so seine eigenen Wege geht....und ich bin echt stolz auf ihren Mut, ihren eigenen Weg zu gehen.

Aber zum eigentlichen Thema zurück:
Recht kurzfristig konnte sie also ihre Ausbildung dort beginnen und wir uns ein Umzugsunternehmen nicht leisten. Ihre weniges Hab und Gut , so beschlossen wir, das liesse sich auch in einen Leih LKW selbst nach Bayern bringen....
 
Es war ein Road Trip nach München, genau 1047 km hin und einen Tag später wieder 1047 zurück. Hin fuhren wir mit einem Leih LKW von Sixt.  Zurück dann mit der Deutschen ( Bummel) Bahn. 
Wir starteten bei blauen Himmel und Sonnenschein unsere Fahrt, Richtung Ruhrgebiet, mit dem Tagesziel Westerwald. Und kamen am frühen Abend dort an.

Glücklicherweise gewährte uns eine längjährige Hexen und Clan-Schwester  in ihrem Haus eine Übernachtung. Ich freute mich, auch ihre neue Heimat einmal kurz kennenzulernen. So verging der Abend schnell und wir waren auch ziemlich müde.

Als wir am nächsten Morgen, ganz in der Frühe aufstanden, da schneite es aus einem Wolkenverhangenen Himmel. Wir beeilten uns, noch einigermaßen schnell aus dem Westerwald herauszukommen. Aber das gestaltete sich schon bei der Abfahrt ziemlich schwierig, denn die Straßen waren glatt und nicht geräumt. So krochen wir mit 40 kmh über die Landstraßen, mehr als eine Stunde bis zur nächsten Autobahn. 

Unsere Tochter folgte uns ,mit ihrem alten Auto, als Fahranfänger eine große Belastung und für uns einige Stunden der Anspannung. Über Funkgeräte waren wir glücklicherweise verbunden, so dass ich sie ab und an beruhigen konnte, oder kleine Ratschläge gab, so gut es eben ging, auf der glatten Stecke nicht anzuhalten.Zu groß das Risiko, nicht mehr voranzukommen.
Denn im Gegenverkehr sahen wir viele querstehende Autos und blockierende LKWs, aber wir hatte die guten Geister mit uns und erreichten ohne solch ein Hinderniss die Autobahn.
Wir waren erst einmal erleichtert. Vom ständigen Schneetreiben und immer ein Blick auf das Navi, ob wir noch richtig sind, ganz zu schweigen.


Dennoch, der Nervenkrieg war nicht vorbei, denn auch die Autobahn Richtung Frankfurt, war verschneit und der Verkehr stockte mal um mal. Aber wir fuhren.  Langsam mit 60 über die Autobahn. Endlich, nach gefühlten Stunden hörte der Schnee auf und es wurde nass und die Bahn war vor  Baden Würtenberg dann frei. Wir machten erst einmal Pause. Heißer Kakao, Kaffee, Brötchen…ausatmen. 
Die Anspannung aus den Knochen lassen. 

Es wäre alles halb so schlimm gewesen, hätte meine Tochter nicht ihr Auto mitgenommen. Aber nun gut, wir mussten weiter. Die nächsten Stunden waren entspannter, wir machten Späße über so manchen Autofahrer, Nummernschilder oder Namen von irgendwas…zwischendurch mal ein fremder Funkspruch dazwischen, der für Lacher sorgte. 

Kurz vor München machten wir nochmals Pause, Fast Food bei Mc D. hatte sich unsere Tochter jetzt verdient. Es fing wieder an zu schneien und wir sahen zu, das wir schnell weiterkamen. Kurz hinter München fuhren wir dann entlich ab aber der Schnee hatte schon wieder die Straßen weis berieselt, blieb viel zu schnell liegen.  Es wurde wieder glatt. Und das Navi war unzuverlässig.

Es  lenkte uns falsch und wir mussten erst wieder alles neu einstellen. Der Schnee wurde mehr und die Straßen waren dann nur noch glatt , kein Steufahrzeug . Und das Navi steuerte uns über Feld und in einen Wald. Langsam wurde es wieder heikel und schon fuhren wir in eine tiefe Senke und kamen nur mit ganz viel Mühe den Berg mit dem Sixt Auto wieder rauf. Ich stellte mir in dem Moment ganz viele gute Geister vor, die unseren LKW anschoben und tatsächlich kamen wir ganz langsam den Berg hoch! 
Man hätte nebenher gehen können, ich konnte deutlich spüren, wie die Räder durchdrehten und der Wagen sich querstellte, aber da waren wir oben...puhhh...

Glücklicherweise folgte unsere Tochter einigermaßen sicher. Im Dorf verfuhren wir uns nochmals, suchten das Haus und kamen im Schneegestöber am späten Nachmittag dann endlich an. Ich glaube uns allen zitterten gänzlich die Knie. Meinem Mann auch. Wir hatten ein solches Glück nicht stehengeblieben zu sein. Denn es war wirklich zwischenzeitlich ganz nahe dran gewesen.

Ich war so froh, dass wir diesen Trip alle wohlbehalten geschafft hatten, denn ich kann euch leider gar nicht sagen, was das für eine Anspannung ist, wenn du in einer Umgebung fährst, die du nicht kennst, die Stassen arschglatt und hinter dir einen Fahranfänger, denn du zusätzlich noch beruhigen musst.

Die zwei Mitbewohnerinnen unsere Tochter begrüßten uns sehr herzlich und halfen wo sie konnten, die Kisten und Kästen hinaufzutragen. Auch wollten sie am Abend kochen und wir konnten die Nacht über dort schlafen. Die Wohnung war warm, sauber, ordentlich und schön eingerichtet. Zum Wohlfühlen. Warm und Kuschelig. 

Auch unsere Tochter war sehr beruhigt und der Stress viel dann so nach und nach von uns allen ab, während wir beschäftigt waren, alles aufzubauen und einzuräumen.
Leider mussten wir am anderen Morgen wieder ganz in der Frühe ausstehen, da wir den Sixt LKW in München abgeben mussten, um danach mit dem Zug die Heimreise anzutreten. 

Und wir waren sehr froh, nicht mehr weiter Auto fahren zu müssen, denn es schneite wieder. Der Abschied war natürlich tränenreich, aber auch beruhigend, denn ich wusste sie gut aufgehoben. Sie ist 20 und muss nun ihre ganz eigenen Erfahrungen machen. Ich habe davor großen Respekt, denn ich hätte mich das früher nicht getraut. 

Wir fuhren durch die Nobelgegend von München, dort wo einiges an Prominenz wohnt. Wurde uns jedenfalls erzählt und tatsächlich stand dort eine große Villa nach der anderen. Davor dicke Autos, meist in schwarz, davor wiederrum Zäune oder gar hohe Mauern. Kameras, Überwachung Monitore, Alarmanlagen…. Nein, so möchte ich echt nicht leben. Hinter hohen Mauern oder Zäunen.
Aber ich bin da ja eh ein Mensch, der so gut wie nie abschließt und sogar immer einen Zettel in die Küche legt, mit dem Hinweis, der werte Gast, möge sich gerne einen Kaffe machen und sich davon überzeugen, dass wir keine Gegenstände von Wert für ihn haben. Er möge bitte nichts kaputt machen. Mit einem schönen Gruß. 

Aber bei uns ist ja auch nichts von Wert, warum dann abschließen?! Ich lebe lieber so. Ich muss nichts sichern, weil ich auch nichts habe. Und nichts versteckten, denn es gibt nichts, was ich verstecken müsste. Wertgegenstände sind für mich meine Bücher, meine Göttinnen Figuren, Karten. 
Tv, Computer uns sowas ist bei uns nichts Wertvolles, da wir keine neuste Technik besitzen und selbst die Ware im Laden lässt sich nur an Liebhaber und Wissende verkaufen, lohnt nicht…
Aber ich schweife ab....
 
Wir gaben das Auto ohne weitere Probleme ab und saßen nach einer kurzen Verspätung im ICE Richtung Hannover, wo wir Umsteigen sollten, Richtung Bremen. Der ICE war voll und der Großraumwagen recht unbequem. So fuhren wir einige Stunden in dem ich zwischenzeitlich kurz einschlief oder einfach die Landschaft draussen genoss. Eigentlich wollte ich lesen, aber meine Augen waren einfach viel zu müde dazu. Der ICE kam mit ein wenig Verspätung, wie kann es auch anders sein, in Hannover an.

In Hannover hatten wir erst Angst den Anschluss nicht zu bekommen aber glücklicherweise hatte auch dieser Zug Verspätung, die noch getoppt wurde, weil er kurz hinter dem Bahnhof abermals stehen blieb, der Antriebswagen war defekt. 

So dauert es eine Weile bis es weiterging. Aber alles kein Vergleich zu dem Road Trip durch den Schnee mit dem Auto. Mit ein wenig Verzug kamen wir dann ein paar Stunden später, am Hauptbahnhof Bremen an, wo wir von meinen Eltern wiederrum, abgeholt wurden.  Mal eben über 2000 km durch Deutschland in nur zweieinhalb Tagen. Was eine Fahrt! 
 
Tommy und die Hexenmama im Sommer 2017

Wir haben uns fest vorgenommen, unsere Jüngste im kommendem Herbst oder Winter in Strasslach zu besuchen, vielleicht zwei oder drei Tage. Mehr ist Geldlich, wie auch Organisatorisch nicht drin. 

Das Haus ist jetzt ruhig, niemand mehr, der Schlagzeug oder Gitarre spielt, der mit seiner Band den oberen Stock besetzt oder einfach laut Musik hört. Niemand mehr der spät in der Nacht , kurz bescheid sagt, das er wieder da ist oder quer durchs Haus ruft....

Ein neuer Abschnitt beginnt, für sie und für uns als Eltern...