Dienstag, 9. Mai 2017

Ausflug zu Rühlemanns Kräuter und Duftpflanzen…



Was Stonehenge für die einen, ist Rühlemanns für die Kräuterhexen, habe ich manchmal so das Gefühl.
Viele kennen und lieben diese Kräuterrei, die wohl einer der ersten war, die sich auf einheimische wie auch auf außergewöhnliche Pflanzen und Kräutlein spezialisiert hatte und schon von Anfang an auf den Online Handel gesetzt hat. 


Fast gleichzeitig mit meinem ersten Online Shop, ging Rühlemanns auch an den Start. Ich kenne Rühlemanns seit etwa 20 Jahren. Also seit ihren und auch meinen Anfängen. Das verbindet...irgendwie..
 
Ich glaube, ich hatte die Adresse in einem Fachbuch oder Gartenbuch gelesen und einen Katalog erhalten. Einen Online Shop, wie es ihn heute gibt, gab es damals nicht. Ich erinnere mich, meine ersten Pflanzen für drinnen waren keine Einheimischen, sondern Aloe , Mentholpflanze , Zimmerknoblauch, Traumkraut. Für draußen bestellte ich die Gundelrebe, Jaohanniskraut, Hauswurz, Waldmeister, die ich damals überhaupt nicht kannte. Heute finde ich sie blind…

Ich muss sagen, ich bin von den Pflanzenlieferungen nie enttäuscht worden, habe aber auch immer zeitig im Februar bestellt, um dann etwa zwischen April und Mai meine Kräutlein zu erhalten. Gut, wer Küchenkräuter haben möchte, muss nicht bei Rühlemanns bestellen, aber wer außergewöhnliches (nicht nur) zum Kochen und würzen sucht, wird dort mehr als fündig. 

Ich habe mich auf meinem Weg zur heutigen schamanischen Kräuterkundigen ja schon früh mit den einheimischen und fast vergessenen Pflanzen beschäftigt. Da ich am Anfang meines Weges eine ziemliche Abneigung gegen alles was christlich eingeschleppt wurde, hatte, so habe ich mich schnell von den Mönchskräutern aus dem Klostergarten, wie Lavendel, Thymian, Basilikum und wie sie so alle heißen, abgewendet.

Nach zwanzig Jahren meiner Reise, habe ich mich diesen „harmlosen“ christianisieren Kräutern von der Fensterbank wieder angenähert und verwende sie natürlich gerne und oft zum Kochen. Ich liebe Basilikum und auch Lavendel.


Und in meinem großen Zaubergarten gibt es natürlich die bekannten „Küchenkräuter“. Sie eignen sich für den normalen und „unhexischen“ Alltag wunderbar, auch für Seminare mit Kindern, da sie sehr harmlos sind, im Gegensatz zu unseren heidnischen Pflanzen des vorchristlichen. Auf die habe ich mich spezialisiert und die liebe ich sehr.

Da war ich bei Rühlemanns natürlich genau richtig, durch den damaligen Katalog und meine Bestellungen, damals für den Balkon und für Töpfe, habe ich viel lernen können.

Mein Wunsch war, immer mal direkt bei Rühlemanns zu kaufen, sich alles anzusehen und einfach zu stöbern, zu schnuppern, auf sich wirken zu lassen. Vom Ruhrgebiet damals, war es uns einfach zu weit, aber jetzt wohne ich etwa gut eine Stunde entfernt.
So besuchte ich am Montag diesen wunderbaren Kraut und Pflanzenhandel in Hostete bei Bremen.


Ich muss sagen, ich war ein wenig überfordert, als ich in das große Gläserne Gewächshaus trat, wie gut, das kaum Leute da waren. Am Eingang steht eine große Tafel, wo welche Pflanzen zu finden sind, eingeteilt von A-z und in den Außen und Innenbereich.
Klar war, dass die Pflanzen die ich suchte, im Außenbereich waren. Ab dorthin, durch eine große Gläserne Schiebetüre. 


Und erst mal musste ich stehen bleiben. Pflanzen soweit das Auge reichte! Wahnsinn. Aber nach kurzem Umschauen bemerkte ich, dass das Verkaufsareal gar nicht so groß war, man konnte in den Versand und die Aufzucht sehen.  Auch drinnen ist das so, der Verkauf ist kleiner als ich eigentlich gedacht hatte. Dennoch finden sich natürlich alle Pflanzen und die hilfsbereiten Mitarbeiter gehen einen gerne zur Hand. Man merkt, das wohl etwa 80 % über den Versandhandel geht, wer genau weiß, welche Kräutlein er will, der ist auch über die Bestellung online gut aufgehoben. 



Ansonsten kann man sich gut berauschen lassen, zu jeder Pflanze steht eine ausführliche Beschreibung, die Düfte, gerade im Innenbereich, sind einfach toll. Nicht so gut ist die Sache mit den Preisen gelöst. Das man Vorort 10% weniger als im Katalog bezahlt, ist erfreulich, aber an den Pflanzen selbst, sind wohl aus organisatorischen Gründen, keine Preise. Diese gestalten sich in Preisklassen von 1-29(?) so etwa. Es ist umständlich, immer im beiliegenden Heft nachzuschlagen oder nachzusehen, denn es gibt keine Preistafeln.
So kann man leider auch schnell den Überblick darüber verlieren, was man ausgibt. Auch deswegen habe ich weniger eingekauft, als geldlich geplant.


Ich bin froh, das ich Tollkirschen gefunden habe, oder den Wacholder, ein ganz wichtige Ahnenpflanze und den Hirschzungenfarn. Dieser heimische Heilfarn wird schon seit Jahrhunderten vielfältig verwendet: Innerlich sind Wurzelstock und Wedel auswurffördernd und hustenlindernd, sowie gegen Lebererkrankungen und als harntreibendes Mittel. Äußerlich - als Umschlag - hilft es bei der Heilung von Verbrennungen und Hautentzündungen. Oder den Bergfenchel, es ist eine heimische Staude aber selten anzutreffen und steht daher auf der roten Liste. Also sehr wichtig. 

Natürlich dürfen die Pflanzen der Salzwiesen nicht fehlen, wie etwa die Salzmelde. In Deutschland soll es noch ein paar Wildbestände geben. Die Blätter können roh oder gekocht gegessen werden, sie haben einen leicht salzigen Geschmack. In Holland und England wurden früher die jungen Blätter in Salzlauge eingelegt gegessen. Man hat wohl auch  eine blutzuckersenkende Wirkung bei Diabetes 2 festgestellt, welche vermutlich auf den hohen Chromgehalt zurückzuführen ist. Auch mein geliebter Küstenbeifuß, den ich nun schon einige Jahre in einer Schale ziehe und der jetzt schon recht groß geworden ist, hat noch einmal für den Garten Zuwachs bekommen. Demnächst werde ich mich mal an de Queller heranwagen. Den gibt es bei Rühlemanns auch zu kaufen. 

Das Mutterkraut, oder auch das Hexenkraut ist in meinem Einkaufswagen gelandet, wie auch Heilzirst oder die Apotheker Rose, wohl die teuerste Pflanze in meinem Wagen, aber lohnenswert. Der süße und fruchtige, unverwechselbare Rosenduft gehört wohl zu den beliebtesten Düften überhaupt. Ihren Namen bekam diese Rose, weil alle Teile dieser Rose für medizinische Zwecke genutzt wurden. Schon im 13ten Jahrhundert wurden Rosenblütenblätter dieser Art in bedeutendem Umfang geerntet, und waren Handelsgut für Apotheker, die sie für die unterschiedlichsten Heilzwecke einsetzten.
Wie auch bei anderen Rosenarten eignet sich die entzündungshemmende und zusammenziehende Wirkung ihrer Inhaltsstoffe zur Bereitung von Salben für rissige oder entzündete Haut. Außer dem lustvollen Schnuppern an den Rosenblüten gibt es noch viele andere Möglichkeiten, das köstliche Rosenaroma zu genießen, z.B. als Rosenkonfitüre, Rosenzucker, Rosenessig, Rosenöl, Rosentee, Rosengelee, Rosenwasser oder Rosenbutter.
Das Hexenkraut, an dem konnte ich auch nicht vorbei für meinen Garten, auch schon wegen dem Namen. Es wächst immer noch in unseren Wäldern, man muss es eben nur kennen.

Es wird seit alter Zeit für Zauber und Gegenzauber verwendet. Das Kraut ist mit der Nachtkerze verwandt und völlig ungiftig, soll aber bei Verwendung durch Frauen tatsächlich eine starke, charismatische Wirkung entfalten. Im Osten Deutschlands wurde früher das Kraut als Schutz gegen Behexung im Viehstall aufgehängt. Vermutlich daher der Name Hexenkraut, weil die stacheligen Früchte so leicht am Gewand hängen blieben. Aber viel mehr weiß ich darüber ( noch) nicht…



Wie das so ist mit meinen Pflanzenkindern, wir müssen uns nun erst einmal in Ruhe kennenlernen. Es ist schön, sie in den Garten auszupflanzen, ein wenig „Freiheit“ und nicht in Kästen, Kübeln oder Töpfen, wie ich sie früher hatte. Ich kann mir nun schon richtig vorstellen, zwischen ihnen zu laufen oder zu sitzen, sie auf mich wirken zu lassen und ihre Botschaft zu lauschen…..



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