Donnerstag, 27. April 2017

Begegnung mit einem Ort der Kraft.....


Langsam wandere ich über den Wiesenpfad zwischen weiten Feldern dahin. Die Sonne scheint, aber der kalte Wind hinterlässt nur eine Ahnung von Frühling. Am Rande des Moores halte ich an, orientiere ich mich und überlege kurz, ob ich mir die fast 9 km durch das Moor zutrauen soll. Ich entscheide mich für die kürzere Wegstrecke von 5 km, das reicht, denn wer weiß, ob das Wetter hält.


Die Sonne steht hoch, es ist Mittag, genau 12 Uhr, während ich meinen Weg auf dem schmalen Wiesenweg weiterwandere. Hinter mir, höre ich Kinderstimmen.  Leicht geht es bergauf, so dass ich zurücksehen kann und die Familie mit Kindern erkenne, die nun zum Moor Weg abbiegt. Frisch umgepflügte Felder voller Feld und Feuersteine liegen rechts und links des kleinen Weges, der auf ein Waldstück zuzugehen scheint. 


Warmer Tannenwald empfängt mich und ich bemerke, wie sehr ich den Wald vermisse, trotz meines zauberhaften Wohnortes, mitten in der Natur, vermisse ich den Wald, denn er hat mich immer sehr geprägt. 

Aber jetzt stehe ich mittendrin und ich atme tief ein.
Während ich kurz dastehe, entdecke ich einige Hügelgräber. Sie ziehen mich magisch an und so betrachte ich eines nach dem anderen achtsam. 

Fast wie in einer Runde liegen sie da und sie sind, trotz ihres Alters von fast 5000 Jahren, immer noch ziemlich hoch. Dann sehe ich, fast in ihrer Mitte, einen großen Findling aus der Erde ragen. Sicher war er einmal viel größer, aber die Jahre haben ihn in den Moorigen Untergrund gedrückt. Ein Sonnenstrahl scheint auf ihn. Es ist wie eine Einladung an mich, wie eine Botschaft der Geister.

So mache ich ein wenig Pause, genieße das Zwitschern der Vögel und das Rauschen der Bäume. Ich räuchere für die Ahnen, bitte um ihren Segen und hinterlasse ein paar Opfergaben dort. Eigentlich möchte ich eine meiner Göttinnen Figuren dort lassen, aber etwas sagt mir, ich solle sie für einen anderen Ort aufheben. Und das tue ich. Ich trete wieder auf den kleinen Pfad und wandere am Waldrand weiter. 



Der Weg macht eine kleine Biegung und geht weiter über Felder, wieder auf einen kleinen Wald zu. Schon als ich auf ihn zugehe, sehe ich hinter der ersten Baumreihe einen hohen Wall aufragen und frage mich gleich, ob ich dahinter wieder Hügelgräber finden werde, denn mir ist klar, ich muss da in jedem Fall hin.

Und so folge ich einem kleinen Trampelpfad, der kaum zu sehen ist und nach ein paar Schritten stehe ich oben auf dem Erdwall, auf dem  kein Baum steht.


Ich hatte mit Wald und Hügelgräbern gerechnet, aber was ich jetzt sehe, haut mich fast aus den Schuhen. Ich stehe auf einem Erdwall,  vor mir, eher unter mir, breitet sich eine fast kreisrunde, unerwachsene Ebene aus, die komplett von diesem Wall umschlossen wird. Nur mir gegenüber erkenne ich eine Einkerbung, ein Durchlass im Wall. Ein Sonnentor?! 



Mich hält nichts mehr und ich gehe langsam den Wall nach unten. Ich bemerke das der Boden Sandig wird, immer noch liegen hier und da Feuersteine. Die Bewachsung scheint Heidekraut zu sein und ich beschließe zumindest in die Mitte dieser Anlage zu gehen. Dann entdecke ich einen Steinhaufen von aufgeschichteten größeren Feuersteinen, er liegt nicht ganz in der Mitte der Ebene.



Sofort habe ich das Gefühl von Verbundenheit und sogar der Wind scheint weniger zu werden. Ich setze mich auf den Boden zum Steinhaufen. Schmücke diesen mit meinen mitgebrachten Blumen aus dem Garten und lege meine Göttin so darauf, so dass sie vom Wall aus nicht sofort erkennbar ist. Ich packe mein Räucherwerk aus und fange an mit Salbei zu räuchern aber schnell bemerke ich aber, das die Geister hier nichts damit anfangen können und so zünde ich meine Räucherkohle an und verbrenne mein mitgebrachtes Fichtenharz. Ahhhh...scheinen sie zu rufen....das kennen wir! Und ich fühle fast, wie von allen Seiten etwas auf mich zu kommt....

Ich sitze einfach da, auf dem Boden und schließe die Augen, lausche dem Wind und fühle die warme Sonne auf dem Gesicht. Ich lege meine Hände auf den Boden, ziehe meine Schuhe und Strümpfe aus und nehme so Kontakt auf….



Etwas zieht mich hinunter, ganz tief. Eine Kraft, ich bemerke, wie ich analysiert werde, wer ich bin, wo ich herkomme….es ist nicht unangenehm, nein gar nicht. Ich fühle mich verwurzelt und sehr wohl. Dann, ohne Vorwarnung geht es umgekehrt, ich fühle regelrecht wie sich alles im Kreise dreht, von mir ausgeht und den Wall umschließt um schließlich, wie eine Spirale nach oben fließt…ein Energieschub, pure Kraft, Freude, Liebe, Dankbarkeit, Verwurzelung.und ebbt langsam und sanft wieder ab. 

Ich sehe Menschen mit Fackeln auf dem Wall wandern, eine Spirale aus Fackeln und Feuern in der Mitte dieses Ortes, höre leise Gesänge und Gebete. Sehe die Sonne aufgehen, zwischen dem Einschnitt im Wall…..
Dann berührt mich eine Hand kalt an der Wange…nein, es war nur der Wind, der mich in die reale Welt trägt. Ich sitze an dem Steinhaufen, das Räucherwerk brennt nicht mehr und es wird nun Zeit weiter zu gehen, denn ein paar Kilometer muss ich noch laufen. 


Hier könnte ich mir trommeln vorstellen, eine Spirale mit meinen Frauen, ein Ritual…..einfach ein Wahnsinns Ort! Uralt und sehr, sehr mächtig! Ich glaube ich soll mit meinen Frauen wiederkommen, ja das scheint so. Ich ziehe langsam meine Schuhe wieder an und stehe auf, was mir ziemlich schwerfällt. Seltsam erdig ist es hier und sehr verbunden fühle ich mich. Ich verspreche wiederzukommen und zu trommeln und schon fühle ich mich wie beschwingt. 



Dieses magische Gefühl trägt mich den Weg weiter, unterwegs entdecke ich noch einige Findlinge und Gräber, mache mich aber auf zum Parkplatz, da die Zeit schon weit fortgeschritten ist. Noch den ganzen Tag, wie auch einen weiteren, hält diese Energie des Ortes mich gefangen und ich habe das Gefühl, dieser Platz hat mir eine Menge Kraft gegeben. Es war eine wundervolle Erfahrung und wieder einmal ein Blick in eine andere Zeit…..



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