Sonntag, 16. Oktober 2016

Samhain Geflüster....


Kurz vor der Ahnenzeit fangen die Nebel an zu flüstern, die Wassergräben an zu wispern und die Pforten zur Anderswelt öffnen sich langsam knarrend. Dahinter stehen sie, all jene, die sich entschlossen haben, uns zu besuchen. Mit ihrem Rat und leisen Schritten stehen sie uns für ein paar Tage zur Seite, beseelen unsere Umgebung mit ihrer Anwesenheit…Besonders gerne mögen sie Hirsebrei, Milch Haselnüsse und Honig. Leere Pfannen und Töpfe dürfen in dieser Zeit nicht auf dem Herd stehen bleiben und auch Rechen, Messer oder Gabel dürfen nicht verkehrt herumliegen. Denn die Seelen könnten daran Schaden nehmen, sagte man. 
Man war in diesen Tagen besonders achtsam, nett zueinander, kochte und deckte für die Verstorbenen mit und schaute das das Haus sauber und besonders aufgeräumt war. Die Seelen sollten an nichts „anstoßen“ – „ Anstoß nehmen“. Nichts schlechtes sollte gesagt werden, nichts Böses getan werden und kein Streit ausgelöst. Sonst kämen sie nicht wieder, die Ahnen.
Dieser Ahnenkult war ein rein positiver Austausch der verschiedenen Welten, bis das Christentum es dämonisierte und Ängste vor den Verstorbenen zu schüren begann…
 
Wer in den Nächten rund um das Totenfest unterwegs war, der verkleidetet sich am besten selbst gleich als solcher, dann wurde er in der Totenwelt nicht auffallen, so der späte und verchristliche Aber-Glaube. Daher stammten dann im Laufe der Zeit die gruseligen Verkleidungen zum heutigen Halloween.  


 














  

Und tatsächlich ist man sich auch heute in dieser Zeit nie so ganz sicher, wenn wir so einen einsamen Weg entlanggehen, ob da nicht unter der nächsten Laterne ein Verstorbener nach seiner Familie Ausschau hält oder auf uns wartet…vielleicht eine verirrte Seele die einfach nur eine neue Bleibe für diese Zeit sucht???  Wer weiß….

Mit Hilfe der Ahnen kann man gut Orakeln. Paare legten Haselnüsse in den Kamin, brennen sie ruhig weg, so steht ihre Beziehung unter dem Schutz der Ahnengeister. Zerplatzen diese, so ist Streit und ein Ungleichgewicht in der Partnerschaft vorprogrammiert. Das und andere „schlichte“ Orakel waren in dieser Zeit von Relevanz. 

Man musste nicht zum Familien Grab, denn die Toten kamen ja von selbst, es sei denn man wollte sie locken, so stellte man Lichtlein auf, Seelenlichter, auf das Grab, in die Fenster. Damit sollten den Ahnen der Weg in das Zuhause geleuchtet werden. Sie wurden freundlich empfangen.


Allerdings gab es im heidnischen Totenkult auch die Angst vor den sogenannten „Wiedergängern“ , Gespenster , wie wir heute sagen würden, Untote. Die eben nicht erst die Anderswelt aufsuchten, sondern sofort bei den Lebenden bleiben wollten oder nicht verstanden, dass sie nun tot waren und gehen mussten. 

Das fanden unsere Vorfahren so gar nicht lustig, denn sie wussten, dass solche Energien die Lebenden „bedrohen“ konnten, sie brachten Unglück und Krankheiten über die Familie, wenn sie blieben. 


Der November ist die dunkelste Jahreszeit, bis zum Dezember werden die Tage merklich kürzer und düster. In der Hektik der Städte, der ewigen Lichtquellen, fällt es heute nur noch den Aufmerksamen Menschen auf, aber unsere Ahnen, wie auch die hiesige Landbevölkerung bemerken das immer noch. Nie ist es auch so still, wie in dieser Jahreszeit. 

Eng verbunden mit den heidnischen Totenkulten der vielen Stämme unsere Ahnen, war auch der Martinstag. Christianisiert zwar, aber auch er lässt sich dem nahen Samhain Ritualen zuordnen. In dieser Zeit brachten man in jedes Haus ein mit Wachholder und Eichenlaub umringten Birkenreis, das bis zum kommenden Frühjahr über der Tür seinen Platz fand. Im kommenden Frühjahr, wurde es benutzt, um das Vieh aus dem Stall zu treiben.


An manchen Orten wurden sogenannte Martinsfeuer entzündet. Man verbrannte damit das alte Jahr und erinnerte an die alten heidnischen Reinigungsrituale. In das Feuer kamen sehr oft die alten Erntekörbe und altes Stroh als Symbol das die Erntezeit nun vorbei war und alles nun zur Ruhe gebettet wurde. Aus diesen Martinsfeuern sollen sich die heutigen Lichter Umzüge entwickelt haben. Die Verbindung zu dem Halloween Brauchtum der Iren ist hier ziemlich auffällig.


Natürlich gehörte zu all dem ein großes Ess-und Trinkgelage dazu. Dabei ist es (wie üblich bei diesen Festen und Ritualen) ziemlich hoch hergegangen, so das im Jahre 585 die Kirchensynode dieses Fest verbot. Das rituelle Schlachten der „Gans“ , die später „Martins Gans“ genannt wurde und auch der Schweine gehörte zu diesem Tag dazu. Denn die Gans war das Opfertier des Germanischen Gottes Wodan, gewürzt mit der Macht Wurz, dem Beifuß eine kraftgebende Kultspeise. 

Auch gehörte es zum Ahnenfest, das Herdfeuer zu um schreiten, denn er war das Zentrum des Hauses und sitz der Ahnen. Er war Versammlungsplatz und heiligster Ort des Hofes. Hier war der Ort der Gottesverehrung und hier wurden Opferzeremonien abgehalten. Die Bewohner des Hauses /hofes umtanzten dreimal den Herd/ das Herdfeuer. 

Noch heute tun wir dies als alte Erinnerungen bei unseren Ahnenritualen oder auch wenn wir die alten Kultplätze aufsuchen, da die meisten von uns keine offene Herdstelle im Haus mehr haben. 
 Mein Ahnenaltar befindet sich in der
"Zwischenwelt des Hauses" . 
Zwischen draussen und drinnen, 
zwischen Zauberwerkstatt und Flur,
 zwischen obere Etage und Deele, 
zwischen Küche und Flur... 
Quellen : Wolf Dieter Storl, die Pflanzen der Kelten
Rudi Beiser, Kraft und Magie der Heilpfanzen
 

Kommentare:

  1. Das ist sehr informativ. Kann ich als Info sehr gut gebrauchen. Vielen Dank, liebe MINERVA

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  2. Danke für deinen sehr lehrreichen Beitrag über die Ahnenzeit! Jedes Jahr ist Samhaim sehr mystisch umd intensiv, die Grenzen zur Anderswelt verschwimmen, am deutlichsten zu erfühlen in der Natur an den jeweiligen Kraftorten. Liebe Minerva, zu deiner Beschreibung über Ahnen, die sogenannten Untoten oder diejenigen, die nicht von der Menschenwelt loslassen wollen und Unheil verbreiten können, was tust du in solch einem Fall, was hilft da wirksam?? Sei lieb gegrüsst!

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