Montag, 24. Oktober 2016

Die Nebel sind da...


Es ziehen wieder die Nebel über das Land am Meer.
Mit dem Nebel kommen die Zugvögel, die Gänse und Kraniche.
Mit ihnen geht nun der Sommer und die helle Zeit....


Uhren zurück drehen.
Nebel aufsteigen sehen.
Die Ahninnen Decke vorbereiten.
Warten auf die Geister.
Wahrnehmungen verschieben sich... 
Schwellenzeit...

Die Türen zur Anderswelt sind schon einen Spalt geöffnet. Im Nebel verschleiern sich die Sinne...was ist hier echt? Was Real? Schatten tanzen um die Bäume, steigen aus den Gräben herauf...

Ich atme tief ein, nehme den Geruch von Wasser, Moor und Salz war. Ich atme aus und mit diesem Atem lasse ich alle Sorgen in den Nebel ziehen. Mögen sie kommen, all die Ahnen, wir werden ihnen den Weg leuchten. Wie in jedem Jahr!

Ich sehe die kleinen Nebelinseln heute morgen und erfreue mich am Wechsel der Jahreszeiten, so unmittelbar und einfach mittendrin zu sein, das ist ein wundervolles Geschenk hier zu leben. 

Dennoch sind die Wahrnehmungen viel intensiver mit den Jahren geworden. Ich fühle, rieche, sehe und höre genau, wenn die Welten der Menschen und der der Geistwesen sich wieder vereinigen. Ich bin ein Samhain Kind, in dieser Nacht wurde ich geboren. Nie bin ich näher an den Geistern und Göttern, als im November.....

Vieles kann ich mir heute, im Alter von fast 46 , erklären, was ich als Kind und Jugendliche nicht einordnen konnte. Vieles sehe ich heute, fühle ich und spüre ich, wovon ich gedacht hätte, das ich das nie könnte, als ich vor 20 Jahren diesen Weg begonnen habe zu gehen. Seit September gebe ich dieses Erfahrungen auch an eine kleine ausgewählte Gruppe von Menschen weiter.
Das heidnische Jahr neigt sich seinem Ende- Stillstand-Loslassen.
Das ist gut so, es war ein anstrengendes Jahr für uns, aber es gab auch viele Gute Dinge. 

Loslassen-abgeben-ziehen lassen....Platz für neues schaffen. 
Pläne schmieden....aber erst einmal folg im Monat der Toten der eigene Rückzug , ohne dem, kann nichts neues geboren werden....

Kalt wird es und die feuchte Kälte zieht nun überall hinein. Der Kamin im Atelier ist wieder gefordert und am Abend sind die Heizungen nun auch wieder an. Ich sitze in der Zauberwerkstatt, höre leise Stimmen, mal ein lachen, mal ein wispern...schaue nach. Draussen, drinnen. Nichts...

Wieder sind sie da, wieder weg, wieder da...kein Mensch ist draussen! Niemand rund um den Hof...

Gestern gehe ich durch den lagen Flur und rieche Nikotin. Tabak Rauch....und ein Hauch von Bier..., einer meiner Großväter hat wohl mal nachgeschaut, was ich so tu?!....Einbildung? Am nächsten Tag um die gleiche Uhrzeit ist der Geruch wieder da. 
Nur für eine kurze Weile...
Aha...die Tore öffenen sich....

Mit dem Nebel tauchen die alten Geschichten wieder auf, Geschichten von Wassergeistern, Kobolden und Fabelwesen. Sagen und Mythen werde wieder lebendig. Familien Geschichten und Erinnerungen werden ausgetauscht. Gruselgeschichten und Märchen werden des Abends am Feuer erzählt.....

Erst gestern habe ich mit meinen Schülern im Ahnenhaus gesessen und über den Totenkult der heidnischen Stämme gesprochen, über die Verehrung der Ahnen und die Angst vor Wiedergängern...es ist auch wichtig , das in dieser Zeit auch die alten Geschichten weitergegeben werden, nur so bleiben sie in unsere Kultur lebendig. 

Bei Tee und Räuchern sassen wir zusammen und wir sprachen über Wurzeln, alte Traditionen und Ahnenverherung, über Samhain Rituale und Geister....

Kerzen stehen seit einigen Tagen wieder  in den Fenstern und unsere Hausgeist ist jetzt viel matrieller geworden. Nein, er ist immer da, meist Tagsüber, nicht zur "Geisterstunde", wie in Gruselgeschichten. Ihn sieht man eher auf dem Hof und manch ein Gast hat ihn schon für einen Angestellten gehalten...

Das Seminarhaus wird für unsere Gäste nun vorbereitet, sie reisen am Wochenende aus dem Ruhrgebiet an. Wir werden einige alte Plätze zusammen besuchen, die Ahnen damit ehren. Und selbst können wir sehr viel dadurch lernen. Es ist immer ein eher unterbewusster Austausch von Wissen, an diesen alten Stätten...wie passend, das Montag und Dienstag der Hof geschlossen bleibt.
Der Höhepunkt wird unser Samhain Ritual Montag Abend sein, an dem ich die Ahnen rufen werde , damit ein jeder seine Botschaften erhalten kann. Ich freue mich darauf, aber gleichzeitig weis ich nie, was mich erwartet. 

Das ist kein einfaches Ritual, eines der dunkelsten und schwierigsten. Passt man nicht auf, ist nachlässig, kann so manches Missgeschick passieren und ist es auch schon. Einige meiner Hexenschwestern haben es selbst miterlebt. Angst ist da unangebracht, aber Respekt habe ich vor diese Art von Arbeit sehr.

Schön ist das genau bei dieser Arbeit mein Partner gelernt hat, mich zu unterstüzen. Er ist ein großer Schutzfaktor, wie ein Wächter für mich. Er ist immer noch ein recht rationaler Mann, aber mit den vielen Jahren weis er um die andere Seite, er hat selbst das ein oder andere erlebt. Er ist mein Fels und meine Erdung. Wir sind da schon ein gutes Team und das seit 30 Jahren.

Die Sonne steht nun schon tief am Nachmittag, kurz nach 17 Uhr dämmert es langsam. Ich genieße nun die letzten paar Tage, bis die Ahnen mich rufen und die Geister kommen werden....
"..bald...bald ...." flüstern sie....


Euch eine segensreiche Vor-Samhain Zeit!

Kommentare:

  1. Hallo liebe Minerva,
    ich nicke beim Lesen Deines wunderbaren Beitrages nur und denke: JA! ES ist eine heilige Zeit, wenn die Ahnen anklopfen und alle(s) mehr in sich geht. Auch ich habe das Gefühl, dass die Empfindungen und Wahrnehmungen mit den Jahren immer stärker werden. Auch bei mir war es recht belebt dieses Jahr und ich genieße "meinen Oktober" wie ich ihn nenne, da ich nun endlich etwas zur Ruhe komme. Und auch ich bin ein Kind des Nebelung, und freue mich jedes Jahr riesig auf die Nebel, den erdigen geruch, die verwesenden Blätter überall..... Hach.
    Hab weiterhin eine gute Zeit, ich lese so gerne hier! Genieße das Wochenende und das Seelenfest, die Ahnenzeit.
    Dunkelbunte Grüße aus dem Bergischen
    Beltane

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  2. Hallo meine Liebe, es freut mich immer sehr, wenn ich weis, wer hier so mitliest. Ich wünsche dir auch eine gesegnete Zeit. Alles liebe!

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