Samstag, 23. Juli 2016

München weint...





Nordseeküste…verdammt weit weg von München…oder etwa nicht?!

Nicht wenn die Tochter beim Toll Wood Festival ist, das nur ein paar Hundert Meter von dem Amoklauf entfernt liegt , dann ist München aufeinmal emotional sehr nahe! Und man erst einmal gar nicht weiß, was passiert und passiert ist. Nachrichten überschlagen sich gestern. Ich bekam um kurz vor 18 Uhr eine Nachricht meiner Tochter:..."Mama wir sind OK sind im Festival Zelt, Tommy spielt gleich…"


Bis dahin wussten wir nichts, hatten keinerlei Nachrichten gehört…wir schalteten N24 an und wurden von den Nachrichten und Bildern fast erschlagen. 

Angst machte sich breit, große Angst. Im Festzelt spielt Thomas Krappweis, angespannte Stimmung, viele schauen auf ihr Handy, ich war nicht dabei, aber meine Tochter steht in diesem Moment  mit uns im engen Whats App Kontakt. 


Er spielt ein Friedenslied verkehrt durch seine Energie die er in dieses Lied hineinbringt (ich sehe es später bei Facebook) die Situation, die Leute werden ruhiger und bleiben im Zelt, es kommen sogar noch mehr hinzu. Dazwischen werden die Nachrichten beunruhigender, es wird von Terror berichtet, von flüchtigen Tätern und auch von der Frage, was tun beim Toll Wood Festival? 


Dann schreibt meine Tochter: „…Mama ich hab Angst, ich will nach Hause….“

(ich hoffe das ich das in meinem Leben NIE wieder lesen muss) ich bin mehr als 7 Autostunden entfernt und wir überlegen eine Weile was wir tun sollen. 


Dann sehen wir ein, dort, sind sie einigermaßen sicher, niemand kommt dort rein aber auch nicht raus. Alles ist abgeriegelt und die dortige Security ist in Alarmbereitschaft. Wir können nur warten.

In München wird der Notstand ausgerufen , alles abgeriegelt, nichts geht mehr…für mich ein furchtbares Gefühl. Du kannst nur noch warten, das es vorbei ist.


Tommy Krappweis auf der Bühne, erkennt die angespannte Situation, denn nur ein paar Minuten später erhalte ich folgende Nachricht von ihr: 

….Mama, der Tommy hat mich auf die Bühne geholt, ich hab mit ihm zusammen gesungen…“ 
und ihre Angst ist um Stufen weniger. Sie lacht sogar! 
Noch heute könnte ich ihn dafür einfach nur festdrücken! Er versucht die Stimmung so gut wie möglich zu halten und es gelingt ihm und seiner Band, wie er später auf Facebook schreibt.


Wir erklären ihr, sie solle dortbleiben, solange wie möglich, nirgendwo ist es im Augenblick sicherer. Aber dennoch bleibt die Angst. Zwischendurch steht bei uns das Telefon nicht still und auch Whats App nicht. 

Alle Bekannten, Verwandten, Freunde Fragen wie und ob sie helfen können…auch bei Facebook hat jeder einen guten Tipp parat, bieten sich wildfremde Menschen an zu helfen! Aber ich würde niemanden gefährden wollen und so bleiben die beiden Mädels da wo sie sind. 


Dann, plötzlich, geht alles ganz schnell, kurz vor der Evakuierung mach Tommy eine Ansage von der Bühne, fragt die etwa 300 Besucher ob jemand den beiden jungen Frauen helfen kann…und es kann! 

Eine Frau meldet sich, fährt sie zum Campingplatz, niemand weiß, ob sie dort rein können. Sie holen ihre Sachen und dürfen etwa 40 km von München entfernt in ihrer Wohnung die Nacht verbringen. Geschützt und warm. 


Heute ist klar, es war ein Einzeltäter, ohne politischen Hintergrund. Es ist ein trauriger Tag in München. Die Kinder wollen bleiben, wollen das Erlebte mit guten Bildern verarbeiten, wollen versuchen einigermaßen normal ein paar Tage in München zu verbringen, sich nicht unterkriegen lassen. 


Erst war ich entsetzt über diese Entscheidung aber jetzt, nach und nach ist das in Ordnung und sogar gut. Sich nicht einschüchtern lassen. Vielleicht ist das gerade für die Verarbeitung dieses Ereignisses gut.

Weiter leben…leider gilt dies nicht für alle. Meine Gedanken und Tränen gelten nun den Müttern und Vätern der Opfer, die so jung waren und den übrigen Angehörigen….


es hätte auch mein Kind sein können, wäre sie nicht beim Festival gewesen oder hätte der Täter eine andere Zeit gewählt….


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