Donnerstag, 3. März 2016

Vor drei Jahren: Eine kleine Rückschau

Dank Facebook kann man nichts mehr vergessen, wird dran erinnert, was im letzten Jahr gepostet wurde, im vorletzten, vor drei Jahren…
Aber auch ohne Facebook wüsste ich das natürlich. Denn am 1. März vor genau drei Jahren schlossen wir den Hexenladen nach 10 Jahren. Ein Jubiläum und Abschied gleichermaßen. Aber es war ja eher ein Neuanfang und kein Abschied für immer. 

Und tatsächlich begleiten mich alle der früheren Clanfrauen auch heute noch und es sind welche hinzugekommen, die früher „nur“ Kundinnen waren. Auch sonst haben mich Menschen bis heute besucht, die ich aus meinem Hexenladen kannte. Und manche, die fast vergessen waren, sind wiedergekommen, haben einen Neuanfang gesucht und gefunden, wie zwei meiner ehemaligen Schülerinnen beispielsweise. 

Die Zeit bleibt nicht stehen und so steht das junge Paar von damals, heute  als Eltern und verheiratet vor mir und die Bürokauffrau, die so unglücklich im Hexenladen stand, arbeitet heute auf einem Gnadenhof und lebt mit einer Frau sehr glücklich zusammen….

Einige sind ihrer Bestimmung und ihrem Herzen gefolgt, vielleicht auch ein bisschen durch mich und die Gespräche mit mir ,die im Laden gerne geführt wurden. Immer habe ich versucht die Menschen zu motivieren, ihrem eigenen Herzweg zu folgen und das kann manchmal schmerzlich sein. 

In den zehn Jahren habe ich so viel erlebt, gesehen und gelernt. Über Menschen, aber auch über Esoterik, Spiritualität und Schamanismus. Bin so vielen Menschen begegnet, die ich bis heute nicht vergessen habe. Es war immer eine Balance zwischen Lachen und Weinen, zwischen Kopfschütteln und Berufung. Und immer nah am Menschen, ganz nahe! 

Und wenn ich das hier so schreibe, freue ich mich wieder auf den Sommer, denn ich vermisse den Verkauf nahe am Menschen total. Überhaupt diese ungeheure Vielfalt an Menschen und deren Geschichten. Das hat mich immer Fasziniert; die Geschichte hinter jedem Einzelnen von Euch.

Meine Erinnerungen sind voller guter und intensiver Momente. Oder Skurieler, wie die Frau eines Fußballprofis aus Italien, die etwa einmal im halben Jahr in den Laden kam und so eine Art Bodyguard dabei hatte. Sie konnte kein Wort Deutsch und zeigte immer auf das, was ihr gefiel. Immer ein Großeinkauf. 

Ich kann mich an anonyme Anrufe und Droh Briefe erinnern, eine Pornosammlung im Briefkasten und eine Knotenmagie an der Hausecke…auch das gehörte dazu, der Neid, die Angst und Ablehnung anderer. Stalker und Menschen die versuchten durch böses Gerede uns zu schaden. Aber nicht einmal habe ich mich gefürchtet. Aber der Anfang war schwer, gerade wenn man drei kleine Kinder hat und schauen muss, dass man auch Essen auf dem Tisch bekommt. Das war schon oft eine Herausforderung. 

Es gab viele wundervolle Menschen, die mir immer zur Seite standen. Manche sehr lange und bis heute, manche nur einen kurzen Moment….

Ich kann mich an die Schulkinder erinnern, die fast jeden Mittag nach der Schule kleine Edelsteine kauften, anstatt Süßigkeiten. Ich sah einige Erwachsen werden in den zehn Jahren. Ich kümmerte mich darum, mit dem Jugendamt der Stadt Schwerte zusammen eine „Burg“ zu werden, für Kinder die auf ihrem Schulweg belästigt werden, um ihnen zu helfen. 

Ich diskutierte mit dem Sektenbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland und wurde ins Theater nach Essen eingeladen um dort über Mythen, Magie und Hexen heute zu referieren.
Der  hiesige Archäologe sprach mit mir und ich wurde als „Moderne Hexe“  ins Stadtgeschichtsbuch aufgenommen. Ich dachte ich schau nicht richtig. 

Im großen Bildband des Ruhrgebietes von 2010 ist der Hexenladen und meine Arbeit abgebildet worden. Und nach Münster zum Skulptur Projekte wurde ich geladen, wo ich 2007 vor etwa 150 Leute referierte und später eine schamanisch-künstlerische Arbeiten vorstellte. Eine leitende Künstlerin aus Belgien hatte mich vorgeschlagen Seit dem nenne ich mich  „Künstlerin“.

Heute weiß ich nicht mehr, wie mich all diese Menschen gefunden haben, aber das ist auch nicht wichtig. All diese Erfahrung trage ich in mir und mit mir. Es gibt Kunden die werde ich nie vergessen, weil sie auf lange Jahre mir ans Herz gewachsen waren. Und es sind auch Freundschaften daraus entstanden und einige halten bis heute an. Der Übergang zum Hexenhof blieb nicht ohne Opfer, nicht jede Freundschaft hat das überlebt. Oder besser gesagt, sollte es wohl nicht überdauern.

Die Zusammenarbeit mit der Pagan Federation kommt mir in den Sinn, die großen Treffen in Witten, Homburch und Westhofen. Da kamen immer allerlei Leute zusammen. Oder die schönen Mittelaltermärke im Dortmunder Zoo, das Kaiserstarassenfest  oder auf dem  Wuckenhof  viele nette Leute haben wir dadurch kennenlernen dürfen. Aber das war nur eine nette Abwechslung zum Geschäftsalltag, richtig dort eintauchen wollte ich nie. Aber auch nie nur „verkaufen“ .


Meine Sammlung an Zeitungsartikeln der hiesigen Presse und auch der bunten Frauenblättchen, wie "Für sie" oder "Frau im Bild" oder "Laura", ist enorm. Und ich hab mit dem Fernsehen und den unterschiedlichsten Sendern viel erleben dürfen, unter anderem Maite Kelly kennengelernt. 

Ja eine schöne und intensive Zeit war das. Aber auch sehr anstrengend. Ich bereue nichts und auch wenn es Fehler gab, so habe ich draus in jedem Fall lernen dürfen. Und an die intensiven Begegnungen, die zusätzlich noch außerhalb des Geschäftes stattfanden, erinnere ich mich noch heute gerne. Auch wenn es Begegnungen gab, die sehr geschmerzt haben, weil im Nachhinein nur genommen wurde und nichts gegeben. Heute habe ich gelernt, nicht immer alles so persönlich zu nehmen.

Rege erinnere ich mich noch an die Anfänge meiner Vollmondverkäufe, die waren später fast schon legendär!

Angefangen als Hexenstammtisch bzw. Hexentreffen entwickelte sich das Ganze dann zu kleinen Events am Vollmond. Ohne oder nur mit spärlicher Beleuchtung konnte man bei Tee und Knabbereien gemütlich zusammen sitzen oder shoppen. Manchmal gab es auch Lesungen oder Musik. Es war oft „proppenvoll“, auch wegen meiner Angebote an diesem Tag und weil das Ambiente einfach magisch war. Manchmal gab es auch Abende die zogen sich hin, weil kaum jemand da war.


Es gab mit den Jahren viele Neider, weil viele überhaupt nicht damit rechneten, dass wir so lange überleben, sagten uns schon tot, noch bevor wir überhaupt geöffnet hatten. Naja, genau wie heute halt. Es gab Gerüchte die so lächerlich waren aber bewusst immer wieder gestreut wurden. Wie, Männer wären im Laden unerwünscht oder, ich würde über jeden Kunden herziehen. Dabei war ich und bin ich immer froh, über jeden der Interesse zeigt und mich besucht. 


Ich bot Kräuter und Geschichtsführungen durch den Wald an. Für Schulen kostenlos und auch für meine Räucherwanderung sammelte ich Spenden, die ich an die Geschichtswerkstatt weitergab. Schließlich wollte ich mit meiner Familiengeschichte kein Geld machen. Die vielen kostenlosen Beratungsgespräche und Lebensberatungen im Laden, würde ich heute wohl nicht mehr so machen.

Für meine schamanischen arbeiten kamen die Leute zu mir nach Hause, dort hatte ich meine Göttinnen Höhle zum Arbeiten im Haus. Ab und zu hatte ich dann auch Kunden vor der Haustüre stehen. Manchmal kam ich mir vor, wie ein Arzt im Notdienst. Nun, irgendwie ist da ja auch was dran. Ein wenig seltsam kam ich mir vor, als nach einem TV Bericht zwei Frauen im Rewe hinter mir her liefen um zu schauen, was ich denn einkaufe und ich mit ein wenig wie ein Promi vorkam, der beobachtet wird. Ein gutes hatte es, ich wurde im Wald immer in Ruhe gelassen, weil jeder mich kannte und wusste wer ich war. 

Aber all das bestärkte uns nur, in unserem Traum mit und in der Natur zu leben und alle das, was damals wie  Puzzleteile irgendwo verteilt auf dem Tisch liegt, zusammenzufügen, zu einer Einheit.
Und auch das haben wir dann geschafft. Und obwohl der Winter lang war, das Geld wieder einmal knapp, haben wir alle Rechnung bezahlen können und gerade eben habe ich wieder ein Kräuterseminar für eine Therapiegruppe entgegengenommen, ein Handfasting im Herbst und eine schamanische Begleitung im Mai. Ich habe schon immer mehr gewollt, als einfach nur verkaufen und das habe ich, haben wir geschafft und erschaffen noch weiter unseren ganz eigenen Ort, unsere Insel hier. 
Obwohl ich meine Kinder und Enkel vermisse und manchmal natürlich den ein oder anderen von Euch, so würde ich doch nichts ändern wollen. Es lebt sich an der Küste, hier direkt und unmittelbar in der Natur leichter. Alleine durch die starken Spirits hier an diesem Ort lerne ich jeden Tag dazu und kann dies auch weitergeben. Weitergeben in meinen Künstlerischen Werken, Produkten und meiner Arbeit mit den Menschen! 
Denn was wäre ich ohne Euch...

Den Herzweg zu gehen, war für mich immer das wichtigste um auch anderen helfen zu können, ihren eigenen zu finden….

Kommentare:

  1. Du lebst wirklich an einem wunderschönen Fleckchen.Ich kenne deine Geschickte nur zu gut.Ich selber bin ja vor vielen Jahren von Essen hier hoch gezogen.
    Neider die gibt es immer wieder im Leben gerade wenn man anders ist.
    Vielleicht schaffe ich es ja irgendwann noch einmal zu dir zu kommen.

    Liebste Grüße
    Nicole

    AntwortenLöschen
  2. Herzliche Glückwünsche zum Jahrestag des Hexenhofes - und auch zu den anderen - aus dem Rheinland

    Beltane

    AntwortenLöschen