Sonntag, 11. Oktober 2015

Wassergeister und Heimatkundliches...


Manchmal…vor allem in der Zeit der Geister, der Dunklen Zeit, habe ich das Gefühl, ich höre einen leisen Gesang. Er kommt aus den Tiefen der Gräben oder weht mit dem Nebel über den Deich. 

Ganz leise, wie ein Hauch einer Musik, leise Klänge. Und wenn ich im Sturm direkt am Meer stehe, dann habe ich auch manchmal das Gefühl das Meer könnte singen…

Gesang und Musik stammt nach dem alten Glaube der Germanen aus dem Wasser, das das Spiegelbild des Totenreiches darstellt. Wen wundert es da, das gerade um Samhain das Gefühl in mir wachgerufen wird, alles um mich herum würde in einer Einheit miteinander singen. 
Schutzsymbole auf dem Giebel eines Hauses nahe Ovelgönne/Wesermarsch
Die Schamanischen Zaubersänger unsere Vorfahren, die als Heilmagier, Wasserzauberinnen oder Wettermacherinnen galten, hatten ihre geheimen Gesänge und Zaubersprüche direkt von den Wassergeistern. Ja, sie verstanden sogar ihre Sprache und orakelten im Raunen und rauschen der Winde und Stürme. 


In alten Überlieferungen finden wir, dass die Wassergeister mit ihren Gesängen Menschen zu sich rufen konnten, ja beeinflussen und sogar töteten. Wer diese Macht besaß konnte Menschen wir Tiere in seinen Bann ziehen, wie der Rattenfänger von Hameln, beispielsweise. 

Spielmänner bekamen ihre Musik von den Wasserwesen, sagte man, ihnen ward die Zauberkunde des Gesanges gegeben worden....
Jetzt erschließt sich dieser Straßenname in der Nähe von Nordenham mir ganz anders...
Damit die Wassergeister, die wohl viele Jahrhunderte vorher eher Wassergottheiten waren, nicht nach Menschlichen Opfern verlangten, gab man ihnen an besonderen Tagen wie an den Sonnenwenden oder zu Samhain,  Tiere, die von schwarzer Farbe sein mussten. Schwarze Hühner wurden beispielsweise in den Elbquellen geopfert um den Elbgeist zu beschwichtigen. 
Wir sind von allen Seiten auf dem Hof von Wasser und Weiden umgeben...
Wir finden Opfer Handlungen von schwarzen Lämmern und schwarzen Katzen. Jahrhunderte vorher brachten die Zauberinnen und Zauberer ihr eigenes Blut den Wassergöttern dar. In dem sie sich in den Finger stachen und drei Tropfen Blut ins Wasser gaben. Es musste ein bestimmter Finger der linken Hand sein, das war vorgeschrieben.


Brachte die Schamanin mit einem geeignetem Zauberlied dieses Opfer dar, so kam nach einer Weile der Flussgeist, um ihr auf drei Fragen , drei Antworten zu geben. Danach verschwand er. Diese rituelle Handlung konnte / oder musste die Zauberin drei Mal im Jahr vollziehen. Immer zu bestimmten Zeiten, den hohen Zeiten der Geister. Sie konnte aber wählen, denn der Nöck, der Wassergeist hatte noch eine andere Gabe für die Hexe.

Ein sogenanntes „Geisterholz“. Das ist Holz, welches auf Troll Hügeln, Opfer oder Hinrichtungsplätzen oder an Kultplätzen wächst. 
Geopfert werden heute meist Blüten, Milch, Honig und Räucherwerk....


„…Auffällig dabei, dass es sich um Holz handelte, das eine starke Beziehung zur Totenwelt oder zum Wasser hatte…“( Danckert 1979)

Sowieso haben das Wasser und die Musik aus keltischer Sicht, viel miteinander zu tun. Ein Wassergeist, der in Flüssen und Meeren zu Hause ist, ist der Meergott Manannan Mc Lir, der sich in Gestalt eines Spielmannes zeigt. 

Wo seine Füße den Boden berühren, entstehen Pfützen und er trägt drei biegsame Speere aus Stechpalmenholz bei sich. Nach alter Überlieferung geben sich Geister und Götter nur dem Achtsamen Menschen durch besondere Zeichen zu erkennen.


Dieser Wassergott soll schlecht gelaunte Menschen durch die Musik erheitern, Kranke heilen,  und schlaflose zum schlafen bringen…


Nach Glaube der Germanen bestehen Himmel und Erde aus dem Wasser und alles Wasser aus einem Fluss oder einer Quelle, dem „Urspring“. Es ist also von Natur aus heilig. Wasser ist Leben. Mit Wasser lässt sich vieles an Zauberwerk tun. 

So gibt es eine Aufzeichnung eines alten Brauches, in dem ein Holzfass mit Wasser aus einer Quelle mit kleinen Tonkügelchen gemischt und „besungen“. Danach wurden die Felder mit dem geweihten Zauberwasser besprengt. Das geschah mit Birkenreisig oder anderen „Zauber-Buschen“.

alter heidnischer Brunnen in der nähe von Iserlohn /NRW

Auch im Mär der Frau Holle, sitzt ein Mädchen am Brunnen singt und spinnt. Dabei sticht sie sich in den Finger, es blutet! und lässt die Spindel in den Brunnen fallen. Somit muss sie in das Hollenreich um die Spindel wieder zu holen. Eine alte Kulthandlung eines Initiations oder Opfer Rituals.
(Goldmarie-Pechmarie)

Spätestens im 5. Jahrhundert n. Chr. hörten die öffentlichen Opferkulte auf, im privaten lebten sie noch länger fort. Christliche Missionare und Geistliche ereiferten sich immer wieder gegen die heidnischen Gebräuche an Quellen und Brunnen. 
Wunschbrunnen in Bremerhaven

So entstanden zahllose heilige und Heil Brünnlein, an denen kleine Wallfahrtskirchen gebaut wurden, somit wurde die heidnische Verehrung nach und nach durch eine christliche Überlieferung ersetzt. 

Die alten heidnischen Vorstellungen lebten aber durch die dünne draufgesetzte Schicht einer vermeintlichen Christlichen Sage weiter. Christliche Madonnen Figuren oder Heiligen Figuren ersetzten die alten heidnischen Naturgottheiten. 

Auch wenn wir heute noch Geld in einen Brunnen werfen, ist das ein tief in uns drin verwurzeltes heidnisches Ritual.. 
Viele alte Brunnen gehen auf ehemalige Heidnische „heilige“ Quellen und Orte zurück. So auch ein Brunnen in Blexen von dem folgendes Berichtet wird:


(Seltsamer weise befindet sich in der Nähe von diesem Ort, auch der Hügel der Göttin Jedute, ich berichtete in einem früheren Eintrag darüber, es lässt sich somit viel Spekulieren über eine Heilquell und einen Ort für Kulthandlungen, einen Kulthügel nicht weit davon entfernt)
Die Quelle galt bis ins Mittelalter als wunderkräftig und war Ziel von Wallfahrten. Im Mittelalter gehörte der Ort Blexen zur Erzdiözese Münster und war Ort des Sendgerichts und einer der vier Rüstringer Gaukirchen.
Während der Herrschaft der Häuptlinge (um 1360 bis 1418) wurde die Blexer Kirche zum Schutz vor bremisch-oldenburgischen Kriegszügen in eine Häuptlingsburg umgebaut und mit Wall und Graben befestigt. Die Kirche wird 1419 von den Bremern erobert und zerstört. Die Kirche wurde zuletzt im Jahr 2008 restauriert. Damals hieß Blexen  Pleccateshem (Heim der Blitze) und war durch einen Fluss getrennt vom Festland.   
   

Der Blexer Turm soll älter als die Kirche und von drei alten Jungfern zum Zeichen für die Seefahrer gebaut worden sein. Die drei Jungfern liegen auf dem heiligen Wiem, einem kleinen dreieckigen, abgeschossenen Stück Landes zwischen Einswarden und Grebswarden, grade vor dem Wege, welcher von Blexen kommt, begraben. 
Seltsam wie sehr mich das an die drei Nornen erinnert?? 

Der heutige Brunnen , die damalige Quelle, auf dem Gebiet des heutigen Friedhofes, könnte also schon viel älter sein, also schon aus vorchristlicher Zeit.   

Gerade in vor-christlichen Siedlungen spielten Brunnen mit lebenswichtigen Trinkwasser, eine gewichtige Rolle. Als wichtigster Teil einer Siedlung erforderten Quelleinfassungen und Brunnen ohnehin, denn somit sorgte man für ihren Schutz und die Reinhaltung des Wassers. Vieleichtg war es so oder man/n wollte damit eher die Quell Verehrung eindämmen...


Etwa zu Ostern /Ostara am 21. März , wenn das Eis wich, feierte man die Brunnenfeste zu ehren der Quellgöttin oder Muttergottheit. Brunnen wurde gereinigt und mit Bändern und Blumengaben geschmückt. Aber an gefahrvollen Tagen, wie den Rauhnächten, bei Sonnen oder Mondfinsternissen deckte man mit Platten die Brunnen zu. Dies geschah in der frühen Christianisierung, als die Menschen plötzlich Angst vor den Wassergeistern bekamen. 


Die Sage von dem Blexer Brunnen:

Als er einst in Blexen der Erzbischof Willebadus verweilte, klagten ihm die Einwohner ihre Not, daß sie weit und breit kein Trinkwasser hätten, und baten ihn, er möge helfen, wenn er könne.

Willehadus hörte sie an und versprach, er wolle tun, was in seiner Macht sei. Als er das nächste Mal wieder dort war, sagte er „Kinder, ich habe an Euch gedacht und euch in fernen Landen einen Brunnen gekauft."



Die Einwohner waren darüber wenig froh und dachten „was kann uns der Brunnen nützen?" Willehadus aber hatte ihre Gedanken wohl erraten. Er hielt ihnen eine Predigt über den Text: „der Glaube kann Berge versetzen" : dann ergriff er seinen Stab und stieß ihn in die Erde, und siehe da, ein reiner wohlschmeckender Quell kam hervor, wie er unter dem Namen Willehadibrunnen noch jetzt zu Blexen im Pfarrgarten vorhanden ist, der beste, ja einzige in der ganzen Umgegend.


(erinnert mich stark an die unterschiedlichsten Brunnen Sagen…mal wieder ein Zeichen dafür, das wohl das Christentum alte heidnische Stätten einfach mit einer netten Geschichte übertüncht, auch  bei dieser Geschichte von Chalice Well in England:

Einer Legende nach verbarg der hl. Josef von Arimathäa den Kelch mit dem Blut Christi an dieser Stelle, woraufhin die Quelle entsprang. Der zweiten Legende nach wusch Josef den Gral im Quellwasser, woraufhin sich dieses rötlich färbte.Dem Wasser wird eine Heilwirkung nachgesagt.


Archäologische Untersuchungen haben nachgewiesen, dass seit rund 2.000 Jahren Menschen in der Nähe der Kelchquelle leben. Heute gehört die Chalice Well zu den bekanntesten und meist besuchten Quellen Großbritanniens. 

Ich denke das wird bei den meisten der alten (Heil-) Quellen und Brunnen sehr ähnlich sein.




Hier mal ein Auszug aus „Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg“  von L.Strackerjahn 1867 über den Ort Blexen:


..."Am Ausflusse der Weser erhob sich aus dem viergeteilten Strome eine Düne, eine heilige Stätte. Pleccateshem (Blexen) genannt des Blitzes Heimat der Sitz des Donnergottes. „Wohl“, sagten die Bekehrten. die Stätte ist heilig,"  und bauten dort eine Kirche, die sie dem heiligen Hippolyt weihten „So kommet und betet und dienet dem Gotte. dessen Heiligthum hier gegründet ist." Und die Menge kam schwankenden und zweifelnden Geistes, aber sie kam, und die Gestalten Donars und des neuen Gottes verschwammen ihnen in einander. 


„Hier," so mochten sich später die zum Gottesdienste herbeiwallenden Friesen erzählen, "hier hat vor Zeiten der Donnergott gewohnt, der stärkste unter den Göttern, der mit gewaltiger Hand seine Keule schwang, dass seine und unsere Feinde zerschmettert zu Boden sanken." -  Was ihr erzählt, ist wahr" entgegneten die Priester, „aber ihr irret euch darin, daß ihr meint, Donar sei es gewesen; Hippolyt, der heilige Patron unserer Kirche, war es, der eure Feinde mit der Keule zu Boden schlug, daß ihrer nur einer entrann, um der übrigen Schicksal zu verkündigen"   


Bei der Kirche von Blexen ist ein Brunnen voll reinen süßen Wassers, der einzige seiner Art in der ganzen Umgegend. „ Den Brunnen, „ sagten die Umwohner in heidnischer Erinnerung, hat uns Donar geschenkt. Über die Wolken fuhr er daher und warf seinen Speer, den Blitz, und wo der Speer die Wolken traf, öffnete er sie, daß der erquickende Regen herabgoß, und wo der Speer die Erde traf, öffnete er sie, daß der reiche Quell sprudelnd hervordrang. 

Auch diesen Brunnen hat Donars Speer geöffnet." — „Nicht Donars Speer, „ belehrten die Priester, „hat diesen Quell hervorgerufen, sondern Willehad, der heilige Erzbischof, der eure Väter zuerst mit dem klaren Strome des Evangeliums labte hat ihnen auch diesen Quell irdischen Wassers entspringen lassen und nicht mit einem Speere, sondern mit seinem friedlichen Hirtenstabe hat er dies Wunder vollbracht."  


Nicht alles, was sich die Heiden von ihrer Götterwelt erzählten konnten oder wollten die Priester des Christenthums auf den Gott und die Heilligen ihrer Religion übertragen. Also entkleideten sie die Götter ihrer liebenswürdigen Eigenschaften und machten sie zu Teufeln, Gespenstern und Hexen. 

Donars Farbe, die rothe, ward die Farbe des Teufels, sein rotherBart bezeichnet nach dem heutigen Sprichwort des Teufels Art, sein feuriges Haupthaar ward zum Abscheu, ein Zeichen der Tücke und des Verraths, ein Merkmal des Judas Jscharioth...
 
....Wieder andere heidnische Vorstellungen erschienen unschuldig und wurden geduldet. Gottes, Christi und der Heiligen Ansehen litt nicht darunter, wenn die Gemeinde an Zwerge glaubte und mit ihnen einen freundschaftlichen Verkehr zu unterhalten meinte, wenn sie an Seemenschen glaubte, die sich mitunter auf der Oberfläche des Meeres zeigten, sonst aber unten in der Tiefe ein dem menschlichen ähnliches Leben führten. ....



 Noch was "unheimliches" zum Kichenbau dort:


..."Weil die Mauern der Kirche immer wieder einstürzten, wären die Blexer auf die Idee gekommen, bei den Lehern (Bewohner des heutigen Stadtteils Bremerhaven-Lehe auf der gegenüberliegenden Weserseite) ein Kind zu kaufen und es dann als Menschenopfer lebendig in der Baugrube zu begraben. 


Als sie dies getan hatten und die Mauern nicht mehr einstürzten, sei , so die Erzählung, der Heilige Hippolyt des Weges gekommen und habe den Fluch des Himmels über die Leher herbeigerufen, weil sie ein unschuldiges Kind an die Blexer verkauft haben. 
Da die Blexer nun fürchteten, die Kirche würde wegen des Fluches einstürzen, ergriffen sie den Hippolyt und mauerten ihn in die Kirche ein. Nur eine kleine Öffnung lies man ihm, damit er Speis und Trank erhalten konnte, die ihm zwei Tauben brachten. Die Blexer Kirche blieb stehen - aber die Leher hatten fortan unter dem Fluch des hl. Hyppolyth zu leiden: sie brannten regelmäßig ab oder wurden von feindseligen Nachbarn und Seeräubern überfallen, die wiederum ihre Überfälle mit dem Fluch des Hippolyts rechtfertigten: die Leher hätten es nicht anders verdient.



Die dem Hl. Hyppolyt geweihte Kirche ist bis zur Reformation ein Wallfahrtsort gewesen. Als man sie in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts sanierte und restaurierte fand man doch tatsächlich das in der Sage erwähnte Grab im Chor der Kirche...."
Natürlich habe ich diesen Brunnen besucht und mir den Ort genau angesehen, wie Friedhöfe so sind, besitzt dieser eine besondere Aura. Seltsamerweise fiel mir die Ähnlichkeit mit einem alten Thinkplatz in der nähe von Dortmund ein, der auch als Friedhof genutzt wurde. 

Ich frage mich schon, warum ist das so? Zufall? Ein Ort mit einer wichtigen Verehrung zu Donar und den drei Jungfern, also den Nornen, also ein Thinkplatz, wurde später zu einem Friedhof. Vieleicht wolltte man die Kraft des Ortes, seine Aura so brechen....man kann nur Vermuten.

Ich lies den Wassergeistern meine Gaben dort und nahm mir ein wenig dieses "heiligen Wassers" mit nach Hause. Ich erfreue mich daran, wieder einen sehr interssanten und uralten Platz für mich entdeckt zu haben.

  









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