Donnerstag, 22. Oktober 2015

Ausflug in die Künstlerkolonie….



Das erste Mal träumte ich vor etwas mehr als drei Jahren von einem kleinen Ort, in dem es ganz viele unterschiedliche Künstler gab. Dieser Traum, den ich träumte spielte aber nicht in der Gegenwart. Die Frauen, die dort mit Sonnenschirmen und großen Hüten durch die Straßen schlenderten, um die Werke der Künstler zu bewundern, waren im Stil des 19 Jahrhunderts gekleidet. Ich maß  dem Traum eigentlich keine besondere Bedeutung bei, es war ein schöner und sehr bunter Traum, eine andere Zeit, eine andere Welt…

Einige Zeit später sah ich im NDR einen Bericht über Worpswede (ich will es immer WORBS Wede schreiben, warum auch immer) und war wie magische angezogen. Dieser Ort kam mir vertraut vor und machte mich so neugierig mehr zu sehen und zu erfahren.
Dann aber rückte das in den Hintergrund, erst seit einiger Zeit wurde das Bedürfnis größer, diesen Küstenort zu besuchen. Nicht mal ganz eine Stunde von uns weg liegt das damalige Bauerndorf und so machten wir uns gestern auf den Weg dorthin….

Geschichtlicher Hintergrund:

Im 1218 beginnt die urkundlich nachweisbare Geschichte des Bauerndorfes Worpswede. Die ursprüngliche Ansiedlung  am Nordhang des Weyerberges bestand aus acht Hofstellen. Der Name Worpswede, der im Laufe der Zeit in veränderter Schreibweise erscheint, bedeutet „Hügel im Wald“ („Worp“ =  Hügel und „Wede“ = Wald).

Der auf dem Weyerberg gelegene Ort blieb zu Beginn ein von Mooren umgebener, abgeschiedener Siedlungsflecken. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg übernahm der Landgraf Friedrich von Hessen-Eschwege für treu geleistete Dienste von der schwedischen Königen Christine das Kloster Osterholz mit den zugehörigen Gütern. 

Carl Otto Ferdinand Stolte übernahm 1854 ein Geschäft in der heutigen Findorffstraße. Ihm wurde dann 1868 das Amt des Worpsweder Ortsvorstehers übertragen. Eines der sechs Kinder, die Tochter Sophie Emilie Stolte, lernte bei ihrer Tante in Düsseldorf den jungen Kunststudenten Fritz Mackensen kennen. „Mimi“ Stolte lud den 18jährigen Maler ein, in das damals noch unbekannte Dorf zu kommen. Am 13. September 1884 traf er in Worpswede ein.
Meine Anmerkung dazu: 

»Malweiber« oder »Malhühner« wurden malende Frauen damals abschätzig genannt, man kann sich vorstellen, unter welchen Einschränkungen und Vorurteilen Frauen in der Männerdomäne zu leiden hatten. Bis zum Jahr 1919 war Frauen der Besuch einer staatlichen Akademie versagt, und so waren sie gezwungen, sich entweder an einem Kunstverein anzumelden, was wohl auch ziemlich „belächelt „ wurde oder aber bei einem männlichen Kollegen Privatunterricht zu nehmen, was nicht jede bezahlen konnte. Da vor allem die Gegend in und um Worpswede viele Künstler anzog, traf man hier auch auf eben jene Malerinnen an, die ihr Glück dort versuchten, um in „Künstlerischer Freiheit „ leben zu können.

1889 gilt als Beginn der Künstlerkolonie Worpswede, denn da beschlossen die Künstler Fritz Mackensen, Otto Modersohn und Hans am Ende, in dem Ort Worpswede und in der Landschaft des Teufelsmoores zu arbeiten und zu wohnen.
Als 1895 die Werke der „Künstlervereinigung Worpswede“ in der Bremer Kunsthalle und anschließend im München gezeigt wurden, bestand die Gruppe der sogenannten „Gründergeneration“ aus fünf Männlichen Künstlern.

In den folgenden Jahren kamen immer mehr Künster/innen in das kleine Dorf. Und viele waren fasziniert von der einzigartigen Atmosphäre dieser Landschaft. Und wohl auch von der Freiheit sich als Künster/in „ ausleben „ zu können.
Das  Künstlerdorfes umfasste in seiner über hundertjährigen Geschichte ein breites Spektrum am kreativen Menschen wie Maler, Zeichner, Grafiker, Bildhauer. Schriftsteller, Kunsthandwerker, Architekten, Gartenarchitekten, Fotografen, Designer. Sie alle haben mit ihren Werken den Namen „Worpswede“ in die Welt getragen. 

Das zum Namen und zur Entstehung dieses „kreativen und verwunschenen Ortes“….
leider kann ich das so für mich nicht bestätigen. Sicherlich, für jemanden, der sich für Kunst und Kunstgeschichte Interessiert ein „Muss,“ keine Frage. Alleine die vielen Ausstellungen können einem Stundenlang faszinieren. 

Aber ich hatte andere sehr persönliche Erwartungen an diesen Ort und ganz andere Bilder im Kopf. Von einem verträumten, ruhigen, ja wahrlich malerischen und vor allem bunten Örtchen, an dem man an jeder Ecke einen Laden findet, der ganz individuelles anbietet. Und der den kreativen Gedanken an jeder Hausecke wiederspiegelt….


Gefunden habe ich eine „Flaniermeile“ ,in dem Busse herangekarrt werden, durch die Autos fahren und jedes dritte Haus ein Caffee oder Bistro beinhaltet. Die Waren der paar kleinen Geschäfte erinnern mich zum großen Teil an meine eigenen Großhändler (ich hab das ein oder andere wiedererkannt) und ruhe??! Ganz im Gegenteil. Die unterhalb herlaufende Hauptstraße konnte man hören und sogar riechen. Einen Hof mit „Italienischen Möbeln“, was mich ein wenig irritierte, der hatte aber schöne blaue Türen…

Natürlich waren manche Höfe und Häuschen nett zurecht gemacht, aber „Künstler-Häuser“ stelle ich mir anders vor. Vieles wirkte schon seit Jahren reperatierungs bedürftig, beim näheren betrachten. Schrie nach einem oder gleich mehreren Handwerkern, denn schiefe Antennen auf dem Dach oder ein fehlender neuer Anstrich hat wohl wenig mit Kunst zu tun. Auf mich wirkte alles etwas konstruiert und bieder-konservativ. Es tut mir im Herzen weh, so etwas zu schreiben. Wirklich. Selbst das eigentlich ganz niedliche Blaue Tee Haus, welches leider leer steht, hat seine Schönheit ziemlch eingebüsst...

Und auch die „bunten Toilettendeckel“ aus dem Baumarkt, auf dem Öffentlichen WC, wirkten etwas deplatziert. Die haben nicht annähernd an Kunst erinnert…
Die sogenannte „Flaniermeile“ in dem alten Künstler-Ortskern“ war voller Blätter und hier und da sogar ein bisschen Müll auf dem Weg. Das bin ich gar nicht mehr gewöhnt. Wenn man hier in Butjadingen durch die Dörfer fährt, ist spätestens am Mittag alles wie „ aufgeräumt“…das kam noch dazu. Und ein recht schöner Herbsttag wie gestern hätte alles ja nicht schmuddelig wirken lassen müssen.


Aber wenigstens machten die bunten Blätter, alles ein wenig bunter…dazu kamen dann noch ein paar Häuser, die leer stehen und vor sich hin gammeln. In dem Moment habe ich gemerkt, dass dieser Ort seine Seele schon vor Zeiten verrohren hat,  beim Anblick der älteren Leute der drei Busse aus Lippstadt wurde mir klar, dass dieser Ort scheinbar nur noch von seinem Namen lebt. Seltsam skurril war das.
In einem kleinen BIO Bistro an der unteren Hauptstraße bestellten wir uns dann Milchkaffee und Moorkuchen. Wirklich lecker, leider war alles laut und die Straße stank nach Abgasen.

Ich hätte mir einen Ort gewünscht, in dem die Autos auf Parklätzen draußen bleiben müssen, in dem jede Fassade die Kunst wiederspiegelt und jedes Haus seine eigene Seele auch verkörpert. Jeder Laden einen anderen Künstler/in beherbergt und keine „schöner Wohnen Läden“  mit zugekaufter Ware. Nett war eine Bonbon Manufaktur und eine Chokolaterie, wobei ich das auch nicht mit einem Künstlerdorf in Verbindung bringen würde…

Beim Sitzen im Bistro  sprach ich die nette Dame neben mit am Tisch an und fragte sie, ob sie Einheimische wäre. Nein, erwiderte sie, sie wäre hier ein paar Tage auf Urlaub hier. Ich erzählte ihr, das ich enttäuscht sei und den Spirit hier suche und ob sie ihn gefunden hätte. Schließlich war sie ja schon länger vor Ort und wie ich sah, hatte sie ein Fahrrad dabei.
Sie schüttelte ein wenig traurig mit ihrem Kopf, also war ich mit meinem Gefühl nicht ganz alleine. „ Nein, ich habe auch mehr erwartet, aber vielleicht kommt noch was, bei den Führungen und Workshops, die ich noch besuchen werde…“ sagte sie. 

 Wir wünschten ihr viel Glück dabei und machten uns langsam wieder auf den Weg.
Nette Bauernhausfassaden und schnuckelige Gärtchen, die finden sich schließlich auch woanders. 
Ich weiß nicht, was ich gedacht, gehofft , erwartet hatte…vielleicht gibt es diesen Geist ja noch , vielleicht war es die falsche Jahreszeit, aber im Sommer , wenn noch mehr los ist, ist es doch auch lauter und hektischer…?? Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, verträumt geht eben anders. Aber vielleicht lag oder liegt es auch ganz einfach nur an mir und meiner Wahrnehmung der Dinge….wer weiß.

Einen kurzen Moment, beim alten Rathaus, da war es leise, schien es einen Hauch von Ruhe und Verträumtheit zu bekommen….nur einen kurzen Moment…
Und die ältere Dame, die vor mir mit kurzem Höschen, pinkfarbener Strumpfhose, Franzosenhut, hohen  Schwarzgeschnürten Lederstiefeln und totem Tier als Weste herlief, die hat es auch nicht besser aussehen lassen…..ihr Anblick brachte es für mich auf den Punkt .."gekünstelt"...

Ich würde mich freuen, wenn ich einen Hauch dieses alten Kunstgeistes bei meinem nächsten Besuch finden würde, denn so schnell gebe ich nicht auf. Ich werde vielleicht noch einmal im Frühjahr wieder kommen, aber dann mal das Gegenüberliegende „Neu Helgoland“ besuchen.
Dort soll man sich noch ein wenig von dem Charakter der alten Maler und was sie an dem Ort gefunden haben, vorstellen können. Hatte mir die Dame im Bistro gesagt. Schauen wir mal. Jeder hat schließlich eine zweite Chance verdient….
Übrigens habe ich heute Nacht schon wieder von Worpswede geträumt und dort sah es ganz anders aus…








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