Freitag, 4. Juli 2014

Nordsee Tradition: Die Korngeister…




 Die Korngeister…
…haben je nach Region viele Namen: Roggenmuhme, Kornmuhme,  Kornmann, Kornvater, Kornmutter, Kornjungfer, Kornkind Getreidemann, Kornengel,   Sichelweib  Bilwis   Langtüttin, Zitzenweib,  Roggenwolf, Kornhund, Kornkatze, Roggentrude, Habergeiß



Die Bezeichnung „Korngeist“,  ist ein Sammelbegriff für Natur Wesen, Elementargeister, die sich im Kornfeld oder anderen Pflanzungen wie Flachs usw. aufhalten. Angewendet wurde diese Bezeichnung "Korngeist", häufiger in den Küstenregionen, als im Binnenland. 


Ihren Ursprung haben Korngeister in früheren Vegetationsgöttern agrarisch orientierter Völker. Im Lauf der Zeit verschwand jedoch die ursprüngliche Bedeutung dieser Götter und sie wurden dämonisiert. Sie dienten nun als Schreckgestalt und wurden dazu verwendet Kinder vom Betreten und damit Zerstören der reifenden Felder abzuhalten. Ähnlich den Wassergeistern, die früher hierzulande sehr verehrt wurden, bis auch sie nur noch dazu dienten, Kinder von den Gräben und Sielen fernzuhalten, um sie vor dem Ertrinken zu bewahren. In Butjadingen ist es der Wassergeist der/die Metje, der noch sehr lebendig ist.


Die Anwesenheit eines Korngeistes wird im Wogen des Korns gesehen und findet sich auch in Redensarten wie "Die Kornmutter ist im Feld" wieder. 

Neben dieser indirekten Erscheinungsform von Korngeistern, gibt es auch wesentlich konkretere Vorstellungen über ihre Gestalt. Diese reichen von menschlicher bis zu tierischer Gestalt und können sowohl männlich als auch weiblich sein. Wie es bei Naturgeistern, Naturwesen so überliefert ist.



Bei der Ernte wurden bis in die Neuzeit häufig die letzten Ähren zu einer Gestalt (häufig auch die Kornmuhme etc. zusammengebunden und verblieben auf dem Feld.  Hierbei  dürfte es sich an eine Opfergaben für Naturgeister/ Götter gehandelt  haben. Bis in das 19 Jh. wurde diese Tradition noch sehr gepflegt. In der Moderne ist dies, auch auf Grund der großen Maschinen ganz verloren gegangen. Natürlich gab es diese und andere „Lughnasad Ernte Bräuche „ überall in Europa.


Für die Nordsee Küste habe ich folgende Überlieferung eines Korngeistzaubers gefunden: 


Man nehme vom nahen Felde Ären, binde diese zu einem Kornmännlein, mit den Konten, mache 3x3. Und rezitiere dabei einen Schutzzauberspruch/Segensspruch: 
( Anmerkung : Gut es war ein Gebet, weil es in der Christlichen mittelalterlichen  Überlieferung dann doch eher um die Vertreibung dieser Wesen ging)  
Aber "wir" möchten sie ja nun nicht vertreiben, somit habe ich einfach einen neuen Zauberspruch gesponnen:


"Körnmännlein – Kornweibelein

Bring Segen mir herein.

Dies Haus steht dir auf.

Möge dein Schaden nicht sein. "


Dann hänge den Korngeist an jede Eingangstüte, Tore und Scheunentüren. 
Nun wissen die Korngeister, wenn die Ernte kommt, das in diesem Haus eine gute Frau wohnt, die die alten Bräuche noch kundig ist. 
 ( ..und bleiben fern??! Nein wohl eher nicht) also:
Sie werden Zuflucht in deinem  Hause finden und das Haus ein Jahr und einen Tag lang mit Wohlstand und Glück segnen, bis das Korn wieder auf den Feldern so hoch ist, das sie dort wieder zurück finden.

*Hierbei handelt es sich um eine Art "Fetisch Zauber" könnte man meinen, wir laden den Elementaren Geist ein, in der Kornmutter zu wohnen, bis er wieder weiterziehen kann/will. *


Anleitung Korngeist/Kornmutter:

Binde einen großen Strauß mit Ähren zusammen, nun zwei etwas dünnere. Siehe Foto
Der dickere Strauß bildet Hals und Kopf, wogegen die zwei anderen die Arme sind.
Lege sie nun so hin, dass du in etwa weist, wie du sie binden musst. Knicke dabei die Arme links und rechts jeweils, damit der untere Teil den Rock bilden kann. Siehe Foto.
Ein bisschen Geschick benötigst du, damit alles beim Binden optisch gut aussieht, aber das ist kein Problem. Ich habe es ja auch geschafft und mit jeder Kornmutter wurde es ein bisschen besser. 

Während ich sie mit dem Naturband umspanne, singe ich meinen Zauberspruch und binde und knote den Zauber mit hinein. Denke immer daran, gut wäre, wenn du 3x3 Knoten knüpfen könntest.
Das binden der Ähren hat für mich immer etwas sehr meditatives. Es geht einfacher wenn man immer in einem X das Band webt und ein Stück vom anderen Ende übrig lässt, um diese dann miteinander zu verknoten. Die Korngeister kommen jetzt kurz vor der ersten Ernte zum Einsatz. Hänge sie an alle Eingangs/Ausgangstüren. 
 


Eine besonders schön gelungene Kornmutter kommt bei mir auf den Altar:
So, meine Korngeister dürfen nun gerne bei uns einziehen!!!

Kommentare:

  1. Wie wunderbar! Das werde ich gleich ausprobieren, denn neben unserem Haus wächst es und wogt und duftet so herrlich. Ich mag solche Dinge sehr.

    Liebe Grüße,
    Sandra

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  2. Vielen Dank für den schönen Artikel - unser Korn ist noch nicht hoch genug... wir binden hier gerne Kornräder - aber erst kurz vor der Erntezeit. bb Isabeau

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  3. Da mach ich mich auch ans Werk. Deine Korngeister schauen wunderbar aus. Liebe Grüsse

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  4. Vielen Dank für die liebe Anleitung.

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  5. Vielen Dank für den schönen Artikel, ich habe dazu noch eine etwas andere Frage: Kannst du vielleicht mal etwas über Knoten-Rituale schreiben? Das fände ich sehr spannend!
    Gruß
    Silke

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