Donnerstag, 23. Januar 2014

Erdverbundenheit in Goelogie und Geschichte....



Ich habe mich immer schon für die Geologie und die Geschichte meiner alten Heimat interessiert. Nun auch für die meiner neuen Heimat. Wie viele andere Zauberfrauen bin ich sehr Erdverbunden, auch deswegen  der Meinung, dass es wichtig ist, sich auf dem Boden auszukennen, den wir Heimat nennen, um seine Sprache zu verstehen.Es ist wie mit einem Menschen den man ganz langsam kenenlernen will....und meiner Meinung nach, sollte jede Frau, die sich "Hexe" nennt, sich mit der Geschichte und der Erdgeschichte ihrer Umgebung gut auskennen.

Ich wohne auf Deutschland größter Halbinsel. Ursprünglich gab es festes Land bis zur Doggerbank. Dann nahm das Meer nach Erhöhung des Meeresspiegels, Besitz davon.
Man sagt hier, dass wir im Grunde zu einer Art Todeszone gehören, was richtig unheimlich klingt.

Gemeint ist aber damit, dass wir in der Mitte einer Meeresbucht, in der alles hätte ertrinken müssen, leben. Allein in die Küstenrandzone, ergossen sich unendliche Mengen von Schlamm, der einst viel höheren Mittelgebirge. Auf diesem „Schlamm“ dem Marschboden, da wohnen wir, darauf steht Nordenham und auch Wilhelmshaven, das sinnreich auch "Schlicktown" genannt wird. Was ich als Zugezogene einen richtig Witzigen Ausdruck finde. Dieser Boden ist äußerst fruchtbar. Und wenn wir nur tief genug graben, finden sich Versteinerungen, beispielsweise eine Unzahl von Heifischzähnen!

Noch etwas hat der Marschboden zu bieten: Methangas! Geht man in der Dämmerung hinaus und stochert ein wenig in den nahen Gräben, kann man es entzünden. Wir haben es ausprobiert und nach einigen Versuchen auch tatsächlich geschafft!

Wir befinden uns, was die Erde unter unseren Füßen angeht, in einer Waagesituation:  vordringendes Meer gegen vordringendes Land. Das gab schon oft dramatische Spannungen und Zwischenfälle in den letzten Jahrtausenden. Wir beobachten ein Wechselspiel der zwei Elemente von Erde und Wasser.
Ich denke, es ist nicht unbedingt " ein Kampf "dieser Elemente, sondern der natürliche Lauf der Dinge. Aber der Mensch greift in diesen "natürlichen Kampf" der Elemente ein.

Nach altem Glauben und den alten Sagen ist so eine verheerende Sturmflut ein göttliches Strafgericht für ein sündhaftes, sorgloses Menschengeschlecht. Auch der Moderne Mensch hier oben, vergisst nicht die Vergangenheit und wird immer  wieder an die Gefahren erinnert, die dieser Halbinsel drohen könnten. Der letzte Sturm Xaxer hat uns eindringlich gezeigt, wie klein der Mensch gegen die Macht der Naturgewalt sein kann.

Da kommt die große Frag auf: 
kommt die Flut des Jahrhunderts und bringt uns alle um?
Seit Jahren wird vom Staat und den Wasserverbänden sehr viel für den Küstenschutz getan. Auch sind die Geologen der Meinung, dass über globale Klimaschwankungen durchaus eine Periode des Stillstandes im Schmelzen des Polareises möglich ist, wie schon dreimal in den vergangenen 12 000 Jahren. Aber der eindeutige Trend geht zum Ansteigen des Meeresspiegels, der allein mit den Schmelzwassern des Grönlandeises um 6,7 Meter ansteigen würde.

Es bestimmten immer die  erdgeschichtliche Vorgänge unsere kleine Landesgeschichte der Rüstringer Friesen und der Bewohner Butjadingens. 
Und deshalbt zeigt die  Siedlungsgeschichte Butjadingens  viele Züge der Anpassung an diese starke und wilde Natur dieses Landes. Wie eigenartig und interessant sind die vielen Wurten, die künstlich aufgeworfenen Erdhügeln.

Es befindet sich ein kleines Dorf darauf oder oft nur ein Haus. Sie wurden schon tausend Jahre vor Christi Geburt bewohnt und immer wieder neu besiedelt. So sind sie eine Schatzkammer für den Archäologen. Man macht dort immer noch  bedeutende Funde an Keramiken. Die Feststellung von Hausgrundrissen gibt wichtige Hinweise. Heute kann man schon aus einem Mosaik von Funden ein Gesamtbild bekommen und daraus Rückschlüsse auf die gesellschaftliche Ordnung, die Agrarverfassung und das kultische Leben in der Vorzeit gewinnen. 
Butjadingen hat etwa 500 Wurten. Zur Landesgeschichte gehört auch die Geschichte der Landesherrschaft. Sie ist  bemerkenswert, weil  es in Butjadingen  Jahrhunderte lang keinen Landesherren gab. Rüstringen bewahrte sich die legendäre friesische Freiheit am längsten. “Liiwer düüdj as slååw - Lieber tot als Sklave”: Auf den gelb-rot-blauen Flaggen, die vor vielen Häusern zwischen Eider und dänischer Grenze flattern kann man’s lesen: Die Friesen sind ein unabhängiges Volk.

Vier Schlachten wurden dafür geschlagen, nur eine war siegreich.
Ich las von der Schlacht bei Hartwarden, der Schlacht bei Coldewärf, der Schlacht bei Waddens, der Schlacht bei Langwarden. Aber die freien  Friesen waren auch nicht ganz schuldlos. Sie überfielen Handelsschiffe, wenn sie infolge von Sturmfluten in Not geraten waren. Dann war nämlich nicht nur das Land verwüstet, auch Viehseuchen breiteten sich aus.

Die Wurten nannten ich schon als Teil der Siedlungs- und Vorgeschichte. Aber ich achte sehr   auf die heute unbewohnten grünen Kuppen im Lande, meist sind es die Reste alter Deiche, die unvermutet mitten im Butjadinger Lande vorkommen oder verlassene Wurten. 
Eigentlich wundert es mich nicht mehr, das der Düker Weg, dort wo der Hof steht, den Archäologen bis heute Rätsel aufgibt. Es ist hier eine bekannte Erscheinung, das es entlang den Prielen ein hohes steiles, auf der anderen Seite aber dann ein flaches Ufer gibt. Diese Geländeform entsteht durch die meist, westlichen Winde, welch das Meer ständig an das Ostufer drücken, wodurch die Priele sich dann langsam ostwärts verlagern. Bei unserem Düker Zuggraben, der neben dem Düker Weg entlangläuft, ist die aber umgekehrt!

Bei uns ist das südwestliche Ufer wesentlich höher als das nordöstlichste. Das kann nicht Natürliches Werk sein, sondern muss mit der Landgewinnung zu tun haben, meinen die Archäologen. Also ein Deich!
Also ist der Düker Weg ein alter Binnendeich.  Welche Funktion dieser Deich aber hatte, darauf findet man keine Antwort. Mit einiger Sicherheit war aber der Düker zuggraben einst ein natürliches Gewässer, dessen Laufrichtung ursprünglich zur Küste ging.

Ihr seht, diese Begegnungen und Nachforschungen in der eigenen Umwelt sind wichtig für mich,  und man bekommt dabei eine Beziehung zu der Örtlichkeit oder der Landschaft.

1 Kommentar:

  1. Das hört sich alles sehr spannend an! Ich liebe solche Geschichten und archäologische Untersuchungen-alles was mit der alten Geschichte zu tun hat.
    Danke fürs teilhaben lassen.
    Angelika

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