Samstag, 14. Dezember 2013

Naturgeister ..

Ich sah gestern einen Indianer, der einen Baum umarmte  und von dem Geist im Baum sprach...niemand der Umherstehenden  hat gelacht, niemand fand daran etwas „komisch“ oder gar „esoterisch“. Nein, ein Indianer der darf das. Das hat nichts mit Esoterik zu tun, das ist deren ihre Kultur, hörte ich von einem der Anwesenden…

Wenn ich über  Naturgeistern referiere  oder einen Baum berühre, gar ein Ritual zur Ehrung abhalte, dann  löst das in Deutschland häufig ein abschätziges Lachen aus. Jemand des einen Baum umarmt, der von Naturgeistern spricht??! Das ist ja albern...Kinderkram, Märchenwelten…

Wenn Besucher das Bettchen hinter unserem Kamin in der Zauberwerkstatt sehen, nach den Keksen und dem Honig , die  dort stehen, fragen, dann erkläre ich, das ich auf einen Hausgeist warte , damit dieser hinter dem Ofen Platz nehmen kann, wie es schon vor  Jahrhunderten Brauch war. 
 
Meine Besucher schauen etwas irritiert drein. Sie wissen nicht, ob ich das jetzt wirklich ernst meine…In Schweden oder Finnland, ist das immer noch Tradition, da würde niemand über unsere Anstrengungen lachen, so einen Schutzgeist ins Haus zu holen. 
Wir in Deutschland sind so weit weg von unseren alten Bräuchen, wie der Mars von der Sonne. Wer kennt denn noch die Heinzelmännchen? Na, das sind doch „nur“ Märchen...(wobei die Mär eher einer Überlieferung gleicht und nichts mit Erfindung zu tun hat)....

Bei den Uhrvölker auf der ganzen Welt hat jeder Baum, jedes Mensch, jedes Tier und jeder andere Gegenstand seinen eigenen Geist, seinen „Spirit“.

Es ist eine unsichtbare Existenz. Für diese Existenz gibt es diese Beschützenden Wesen.   Bei unsren Vorfahren war das auch so, sie wussten dass es  Naturgeister gibt, die aus dieser „Unsichtbarkeit“ heraustreten können, wenn sie denn wollen. 

Es sind aber keineswegs diese gemalten und zu Kitsch verkommenden Elchen und Feenwesen, wie wir sie heute in vielen Büchern finden. In den Augen unsere Vorfahren war die Natur von diesen Geistern belebt, die Elben genannt wurden. Nicht Elfen! Das ist eine viel spätere Bezeichnung, und erst in der Romantik entstanden.

Jeder Baum, jeder Bach und jeder Berg wurde von Wesen beseelt und geheiligt, die eng mit deren Schicksalen verknüpft waren und denen nicht nur die bäuerliche Gesellschaft mit Ehrfurcht begegnete. So war es bis weit in die heutige Zeit Brauch (etwa bis Ende des 18.Jhr) einen frei im Feld oder am Waldrand stehenden Holunderbusch zu grüßen und den Hut zu ziehen. Frauen verneigten sie dreimal vor diesem, bevor sie ihren Weg fortsetzten.

In unserer Sprache haben sich bis heute Bezeichnungen für Landschaften und auch sonst einige Begriffe erhalten, deren Elbischer  Ursprung sehr deutlich ist. Wie die Alp-en, die schwäbische Alp, der Neck-ar, die Elb-e. Der Necker ist von dem Neck einem Wassergeist abgeleitet, so wie die Elbe von den Elben.
Sowie das Wort Necken oder auch der Alp-Traum. Des Weiteren das Heimchen, einen Herdgeist, der hinter dem Ofen wohnt, oder die Windsbraut, einer Waldelbin, die auf dem Wind reitet.

Das grobe schwarze Roggenbrot wird in meiner Heimat Westfalen Pumpernickel genannt, nach einem kleinen dicken Hausgeist. Oder die heute so bekannten und leckeren Brownies aus England,  auch sie haben ihren Namen von den dortigen Hausgeistern bekommen.

Und der allseits bekannte und beliebte Polterabend vor der Hochzeitsnacht, entstand aus dem alten Brauch, sich vor jenem Quälgeist zu schützen, der die Brautleute durch Zwicken und Zwacken in ihrer Hochzeitsnacht stört um sie am Beischlaf zu hindern. Aus selbigen Grund, wird die Braut noch heute von ihren Freunden entführt, und ist so vor den Nachstellungen der Elben gesichert.

Die Natur der Antike war von diesen Naturgeistern derart erfüllt, das die Gesamtheit, aller sich bewegender Lebewesen bis heute mit Fauna benannt, stammt ursprünglich vom Faunus ab, einem Feldgeist. Auch das Wort „Genius“ oder „Genie“ bezeichnete ursprünglich einmal einen Naturgeist.

Diese Naturgeister, fast in Vergessenheit geraten und in Gegenden, wo es zu viele Menschen gibt, sind sie nicht mehr zu erreichen, sind aber auf dem Land immer noch all Gegenwärtig. In der Stadt oder in einem Bereich wo viele Häuser stehen, finden wir sie nicht. Auch dort, wo die Glocken der Kirchen noch zu hören sind, lehnen sie es ab, lange zu bleiben.

Die Beziehungen zwischen Menschen und Naturgeistern waren in vergangenen Zeiten durchaus nachbarschaftlich. Die  Bauern, wussten das das Gedeihen der Ernte von den Feld , Wasser und Baumgeistern abhing und das das Wohl der Hausbewohner ja sogar der Güte der Lebensmittel und Getränke von den Hausgeistern abhing. Deswegen wurde für sie das Korn auf dem Feld übrig gelassen, die Scheune nie ganz geleert oder die Plätzchen nicht abgezählt. Buck die Bauersfrau einen Apfelkuchen, gab sie immer einen Teil davon der Frau im Holler Busch, damit sie ihre Kindlein beschütze.

Die Bergleute in den Stollen ,die eine gefährliche Arbeit
 zu verrichten hatten, opferten immer die ersten drei Schlucke ihres Wassers und die ersten drei Brotkrumen der Hämmerlinge (daher kommt das Wort Hammer) , Berggeister, unter deren Schutz die Bergleute sich stellten.

Und die Seemänner vertrauten sich und ihr Schiff dem Klaubauter an, deren Geist in der Galionsfigur wohnte. Diese Geister waren nicht gut und nicht böse. Es kam auf die Art der Beziehung zu ihnen an. Wenn die Natur geehrt wurde und ihre Wesen geachtet, dann hatte man nichts zu befürchten.

Und die Menschen erkannten den Wert dieser Wesen und erkannten, dass auch die Geister hin und wieder Schutz und Hilfe von ihnen benötigten. Daher schnitze der Holzfäller drei Kreuze in den Baumstumpf auf seinem Revier, um den Waldfräulein zu helfen, den Salinger Frauen, die Zuflucht vor dem Wilden Mann suchten, der diese verfolgte. Oder die Hausfrau den Wasserhahn tropfen lies und die Knödel im Topf nicht nachzählte, damit das kleine Moosweibchen mit den nötigen Lebensmitteln versorgen konnte. 



Brachte jemand in den Raunächten Efeu, Misteln und Tannenzweige in das Haus, so konnten die Waldelben sich darin verstecken und den Winter so mit überleben. Das Haus war mit ihrem Besuch geschützt, die Bewohner mussten nicht hungern oder gar Angst vor Blitz oder Feuer haben.
Zur gleichen Zeit kehrte auch der Feldgeist des Knecht Ruprecht ein, ein uralter Begleiter der Mutter Göttin, um die Kinder zu segnen und zu belohnen.

Wen wundert es da, das unsere Pflanzen nur von Namen der Naturgeister wimmeln: Eller, Elder , Frau Ellhorn für den Holunder, Elfenmütz fuer den Fingerhut, Alderbaum für die Schwarzpappel, das Johanniskraut hieß Alfblut, die Küchenschelle Wildmannskraut,oder das Nachtschatten Gewächs Alpranke.

In vielen Jahren habe ich mich mit Naturgeistern beschäftigt, weil sie alle samt zur heidnischen Sichtweise unsere Vorfahr-innen gehörten und durch das Christentum in das Reich der Fabel abgestempelt wurden. Es ist schwierig Naturgeistern so zu begegnen, das man eben nicht das Gefühl hat, sich getäuscht zu haben. Auch deswegen war mein Drang so weit in die Stille und Natur zu ziehen so groß. Ich wollte keinen kleinen Schatten vorbei gehuscht erleben oder weiter in Bücher darüber nachlesen und auch das Esoterische Gequatsche über Naturgeister, Feen und Elfen  hat mich schon genervt. Ich wollte sie direkt und unmittelbar erleben. Sie sind hier so gegenwärtig, das sich ein darüber spekulieren ob sie tatsächlich da sind, hier erübrigt hat.

In den Übergangszeiten zwischen Herbst und Winter, ziehen alles Lebewesen in ihre Winterquartiere, die Zugvögel fliegen über das Land, das Eichhörnchen sammelt für den Winter. Dann ziehen die Naturgeister über das Land, in Nebel gehüllt oder reiten auf den Winden.

Unsere Ahnen wussten das, sie wussten, dass die Naturgeister in der Zeit zu Samhain und zu Beltane in langen Zügen über das Land ziehen, zu ihren Winterquartieren oder zu ihren Sommerlagern. In den Uralten Überlieferungen gilt es als besonders gefährlich, diesen Zügen zu begegnen oder sie gar zu stören.

Unsere Vorfahren feierten nicht umsonst die großen Naturfeste. Und nicht umsonst zog Xaxer jetzt über das Land an der Küste. Wenn die meisten Menschen, die Naturgeister nicht achten, dann holen sie sich eben das, was sie brauchen. Dann wirbeln sie eben alles durcheinander, bis auch der kleinste Mann begriffen hat, dass sie sich nicht zähmen lassen und schon gar nicht wollen.

Es ist die Zeit, in der Frau Holle mit ihrer Wilden Kinderschaar über die Häuser zieht und schaut, wer wohl für ihre Seelchen die besten Eltern sind (daher der Zucker auf der Fensterbank) oder Odin mit seinem Wilden Heer. Beide kommen mit den Stürmen daher, die besänftigt werden wollen, in Falle von Frau Holle mit Süßigkeiten oder Odins Meute mit Met oder Bier.

Das Thema der Naturgeister ist umfassend und füllt ganze Bücher. Sie sind aber keineswegs diese Geflügelten und nur träumerisch schönen Seelen, wie sie gerne von Esoterikern dargestellt werden. Wer das meint, hat vielleicht eine sehr ausgeprägte Phantasie, aber einen Naturgeist noch nie gesehen. 

Hier sind sie allgegenwärtig und demnächst (mindestens) einmal einen Vortrag von mir wert! Sie gehören zu unsere Geschichte und unseren Wurzeln...

Kommentare:

  1. Einen wundervollen Beitrag hast du geschrieben.
    Gleich ging mir durch den Kopf: Wie soll ich in der Großstadt Naturgeister sehen, oder erleben?
    Gerne würde ich wieder aufs Land ziehen, aber manchmal kann man nicht so wie man will.
    Es wäre wunderbar dort yu leben, wo das alles selbstverständlich ist.

    LG
    Elsbeth

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  2. Die Schwäbische Alb schreibt man ja sogar mit B. Da bist Du mit der Abstammung von den Elben noch näher. Ich wünsche Dir eine gute Zeit dort weit im Norden.
    Liebe Grüße von Marie

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  3. Einfach wunderbar geschrieben. Das bringt mich auf die Idee vielleicht bald selbst mal einen Artikel dazu zu schreiben. Ein sehr inspirierendes Thema. :)

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  4. Liebe Minerva
    es ist nicht so das deine Besucher darüber irritiert drein schauen weil sie nicht wirklich wissen ob du es ernst meinst oder sie gerade ein wenig foppen möchtest, sie lachen auch nicht über deinen versuch einen Schutzgeist mit Keksen und Honig zu locken damit er hinter deinem Ofen wohnt.
    Nein ! Deine Besucher lauschen deiner Geschichte und Verstehen den Sinn von Keks und Honig, sie sehen deinen Wunder schönen Holzofen hinter dem viel platz für den Schutzgeist ist und in deinen Besuchern wächst die Sehnsucht die damit verbunden ist ganz heimlich auch bei sich zu Hause so einen wundersamen Platz zu schaffen. Doch die meisten deiner Besucher werden keinen so schönen Holzofen zu hause haben. Sondern eine Heizung, nun formt sich vor dem Geistigen Augen deiner Besucher – die Heizung die zu hause an der Wand hängt und um die Schwierigkeit noch zu erhöhen - hinter der Heizung sind höchstens 8 cm Abstand zur Wand. Verstehst du nun warum deine Besucher nun irritiert drein schauen. Nun muss dir klar sein das jeder Besucher damit beschäftigt ist das Bild was er vor sich sieht – Holzofen, Keks, Honig und was da noch so liebevoll von dir aufgebaut wurde, in das Bild vor seinem Geistigen Augen, der Heizung unterzubringen. Nun beginnt der dramatische versuch zwischen Heizung und Wand also der 8cm einen kuscheligen Raum zu schaffen mit Bettchen, Keks, Honig und allem anderen, für einen eigenen Hausgeist.
    Liebe Minerva kein Besucher lacht über deine Anstrengungen wie du versuchst einen Schutzgeist in dein Haus zu locken. Sie lachen über ihre eigenen Anstrengungen.
    lg Sille Schwarz

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