Mittwoch, 18. Dezember 2013

Ein Vollmondritual

Eigentlich wollte ich endlich wieder die Vollmondin ehren, hatte ich das nun schon länger nicht mehr intensiv begangenen. Gut, zum Vollmond zu räuchern oder eine Kerze auf dem Altar zu entzünden ist ja auch schon eine magische Handlung. Aber mir reichte das jetzt-heute- in diesem Augeblich einfach nicht.


So nahm ich mir fest vor, im Zauberzimmer den Kamin anzuheizen, ihn hatte ich dann auch am Nachmittag entzündet, damit ich am Abend trommeln konnte, ein Vollmond Trommeln. Hatte ich gedacht.

Draußen wurde es dunkel und langsam bahnte sich Mutter Mond ihren Weg durch die Wolken. Aber ein weißer Nebelbehang trübte den Blick. Bevor ich mich in mein Zauberzimmer zurückziehen wollte, musste ich noch einmal in den Hof Laden, um etwas zu holen.


Im Flur fiel mein Blick durch die Glastür in den Garten. Ich sah, das mein Mann im Seminar Haus Licht angelassen hatte, es strahlte direkt auf unseren kleinen Teich. Dann sah ich sie. Zwei Rehe standen dort, mir direkt gegenüber. Nur durch die Glastür getrennt. 
Ohne den Schein des Lichtes, hätte ich sie wohl kaum bemerken können.
Sie erschraken genauso wie ich. Und natürlich suchten sie schnell das Weite. Ich stand da, mit offenem Mund. Aber die Botschaft war allzu deutlich. Ich sollte nach draußen, ich konnte mich diesem inneren Drang nicht erwehren.

Also zog ich mich an, Gummistiefel,  Jacke, Räucherwerk, Kerzen und die Rassel. Für meine Trommel war es definitiv viel zu feucht. Trommeln konnte ich auch ein andersmal.

Als ich in den Garten trat, war es nicht kalt. Windstill war es auch. Und so ließen sich die Kerzen ohne Probleme am Altar der Göttin entzünden.  Milchig warf die Mondin ihr fahles Licht. Ich nahm meine Rassel und das Räuchwerk und fing an zu singen.


Ich ehre die Kraft von Mutter Erde
ich fühle sie, mit jedem Schritt
meine Liebe spürt ihren Herzschlag
mein eignes Herz schlägt mit...
Hejahejaheja heja heja
Hejahejaheja heja hejaaa...
So wanderte ich  langsam über unser Grundstück. Blieb an den Ecken stehen, verbeugte mich dreimal in die jeweiligen Himmelrichtungen und blies den Rauch in die Ebene.

An meinem Lieblingsplatz, der alten Linde, war es besonders mystisch. Der Nebel kroch langsam auf mich zu, über die Weite der Felder, während es aussah, als ob sich darin das weiße Licht der Mondin widerspiegelte.  Der Nebel schien leicht zu leuchten. Fasziniert stand ich da.

Langsam ging ich weiter, während ich bestimmt unzählige Male über einen der vielen Maulwurfshügel stolperte. 
Das Eingangstor wurde geräuchert, dann ging es weiter, immer im Uhrzeigersinn um das Haus. Dann stand ich an einer Seite des Grundstückes, genau der Mondin gegenüber.  Ich verbeugte mich ehrfürchtig dreimal vor ihr. Umrundetet dann das Tipi und war wieder am Göttinnen Altar angekommen. Meinem Ausgangspunkt.

Ich bemerkte wie eine unglaubliche Kraft in mich strömt und ein Gefühl von Zufriedenheit trat ein, genau richtig gehandelt zu haben, nach draußen zu gehen. Wieder einmal wurde mir der Unterschied bewusst, was es heißt, einfach mitten in den Elementaren zu sein. Die Kraft der magischen Handlung draußen und den Unterschied zu drinnen. 

Es bedarf keiner großspurigen Rituale oder gar Anrufungen, keiner speziellen Kleidung. All das sind nur Äußerlichkeiten.

Ich zog keinen Kreis, ich sprach keine großen Worte oder Gebete...das war überhaupt nicht notwendig! Schließlich weiß sie, wie es in mir aussieht, sie ist ein Teil von mir. Mit meinem Chant sang ich alle Sorgen und alle dunklen Gedanken  weg. Ich ließ sie mit dem Nebel davon ziehen.

Aus der Dunkelheit heraus sah ich das  strahlen des Göttinnen Altares, darüber die  helle Mondin. Dieser Anblick war so unsagbar kraftvoll. Kein Mensch der stören würde und sowieso niemand, der ungefragt hier stände, allein das zu Wissen,  sich diesem  geschütztem Raum, mitten in der Natur bewusst zu sein..Ich wurde mir dessen in diesem Augenblick erst bewusst, allein dafür stand ich hier draußen!

Als ich wieder hinein kam, war ich erfüllt mit der Mondkraft. Auf dem Sofa sitzend betrachtete ich sie noch eine Weile, so lange, bis ich sie nicht mehr sehen konnte. Erfüllt von ihrem Licht, nahm ich mir nun vor, jetzt wieder regelmäßig meine Mondrituale draußen abzuhalten....

1 Kommentar:

  1. Hallo Minerva,

    ähnlich wie du, habe ich auch vorgestern den zunehmenden Mond beim Joggen ganz besonders intensiv wahrgenommen. Ich hatte mir dann auch vorgenommen, mein Vollmondritual dieses Mal mit extra großer Sorgfalt auszuführen. Gut, hier war es gestern leider bewölkt, erst nach dem Ritual bekam ich die Mondin zu sehen. Ich ließ im Hintergrund eine CD von Enya laufen und tanzte für die Göttin, wie ich es eigentlich zu fast jedem Vollmond tue, aber tatsächlich war auch bei mir gestern der Tanz deutlich schöner, aussagekräftiger und vor allem länger als sonst. Die innere Zufriedenheit nach dem Ritual war dieses Mal so groß, dass ich später fast gar nich einschlafen konnte und hält sogar noch heute an. Und auch wenn der Mond heute schon wieder abnimmt, der Himmel ist klar und gleich gehe ich wieder joggen... :-) LG Anne

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