Montag, 11. November 2013

Landleben…die kleine Hexe und das Land...




Ich denke wir leben nicht auf dem Land, nein, wir leben mit ihm. Atmen ein mit ihm und aus.
Bei Flut ist es windiger als bei Ebbe und das Meer ist der Puls dieses Landes. Wenn es regnet, dann kann man es im Haus riechen und wenn es Stürmt, dann kriecht der Wind durch die Ritzen und pfeift sein Lied. Die Eule im Baum lässt ihren Ruf ertönen, sobald die Mondin am Himmel erscheint und die Sterne schimmern. Selbst die sehen hier anders aus, wirkt der Himmel klarer, der Horizont weiter und die Sonnenuntergänge intensiver denn je. 

Nein, hier gibt es keine Fabrik, keine Abgase und vor allem; hier gibt es  diese Stille! Aber ganz oft ist es auch laut, denn wenn der Wind mit den Bäumen spielt und die vielen Seevögel und Greifvögel sich auf den umliegenden Marschen tummeln, dann kann auch Natur ganz schön laut werden.
Hier in Butjadingen, auch die grüne Halbinsel genannt, herrscht ein erfrischend mildes Klima und es gibt viele Zeugnisse der frühen Siedlungsgeschichte. 


Wenn aus den viele Entwässerungsgräben (hier werden sie Zuggräben genannt, da sie be -und entwässern) im Morgengrauen oder am Abend die Nebelschleier aufsteigen, dann ist es leicht an Moorgeister und Wasserfrauen zu glauben. Ich weiß das es sie gibt . Aber wer das bestätig haben will, der  weiß spätestens nach ein paar Tagen hier, das man nicht alleine ist.

Dies Land wurde vom Menschen geschaffen aber hat seine eigentliche Wildheit und das Atmen nie verlernt. Hier auf dieser Halbinsel gibt es keine Autobahn, wird es auch niemals geben! Keine
Großstadtlärmereien und eigentlich viele ent-stresste Menschen, die sich gegenseitig meist in Ruhe lassen.

Die Letzen Monate hier an der Küste waren wie ein großes Abendteuer, das gelebt werden will. Unsere ganz persönliche Herausforderung mit dem Land einig zu werden um auf ihn und mit ihm zu leben. In einer Art Dorf haben wir ja schon gelebt, den Berghofen war ja nichts anders. Es war auch nicht Großstadt, eher ländlich.

So zu leben, wie wir das jetzt tun, das ist für mich fast schon: leben in der Wildnis. Natürlich nicht wirklich, aber fast. …Ein kleines bisschen…Lebensabendteuer..

Ich kann jedem nur raten, der vielleicht einmal nach Finnland, Schweden oder Kanada auswandern will, es vorher an einem abgelegen Ort an der Küste Butjadingen oder meinetwegen auch woanders, zu versuchen. Klar, gibt es da noch Unterschiede zur realen Wildnis, keine Frage.

 Ich habe es trotz aller Abgeschiedenheit  dennoch so gut, das ich locker in einer Viertelstunde (langsam) mit dem Rad beim nächsten Supermarkt bin und wenn mir alles auf die Decke fallen sollte, gibt es die nächste Kleinstadt in etwa 25 Minuten, die nächste Großstadt in etwa 40 Minuten. Und das Wichtigste: Der Allgemeinmedziner, wie auch der Heilpraktiker sind hier mit dem Rad kaum 15 Minuten weit entfernt, mit dem Auto ein Katzensprung.

Das sähe natürlich in einer „echten“  Wildnis ganz anders aus, schon klar. Für mich ist es eine kleine Wildnis, war ich es doch gewohnt das überall um mich herum Häuser standen, Autos fuhren, Menschen gingen.. 
Reiheneigenheim Kulissen, Siedlungen....

Teilweise kann um den Hof herum gespenstische Ruhe herrschen…oh wie genial! Und ganz oft bleibe ich einfach stehen, verweile in der arbeit oder beim Zeitung hinein holen ...und genieße...dieses magische Stille....


Natürlich fällt jetzt jedes Auto und jeder Trecker auf, der am Hof vorbei fährt und manchmal kann man das Licht nun vom Nachbarn rüber scheinen sehen, weil die Bäume keine Blätter mehr haben. 

Fahrten werden gut organisiert, damit keine Zeit und vor allem kein Benzin umsonst vergeudet wird, Töchterchen fährt meist mit dem Rad zur Schule, dazu benötigt sie etwa 15 Minuten. Der Wind ist hier oben beständiger Begleiter und auch die Dunkelheit.  Hier gibt es ausschließlich in den kleinen Dörfern, wie direkt in Tossens, Straßenbeleuchtung, sonst nicht. Auch das ist Land. 

Weites Land. Offenes Land. 
Kein Blick bleibt an Häusern mehr hängen.


So in dieser Form kannte ich vorher eben nicht.  Und sind wir mal ehrlich, das können auch die wenigstens, so wohnen. Mittlerweile ist es mir sehr bewusst geworden, wie sehr man sich selbst genügen muss, damit man auf Dauer so einsam leben kann. Nicht jede könnte das und will das auch. Wir lieben es jeden Tag aufs Neue. 
Ohne gute Taschenlampe ist auf dem Hof nach 17 Uhr nichts mehr draußen zu machen.  Und dir wird mächtig bewusst, was das wohl noch vor 100 Jahren bedeutet hat. Für mich ist das ein wenig zurückzukommen zum Ursprünglichen, wenn auch nur andeutungsweise. Hier herrscht aber immer noch  eine andere Zeit. 


Natürlich ist es auch  in den kleinen Dörfern wieder anders, findet Dörfliches Leben statt, Gemeinschaften und eben das übliche…wer das möchte, kann auch das haben. Es ist schön, sich selbst zu genügen und wir genießen dann umso mehr die Besuche von Freunden. 

Wenn ich dieser Tage am Abend über das Grundstück gehe oder über die kleine Straße am Haus, dann nehme ich ausschließlich Geräusche von Tieren war, das Plätschern wenn etwas ins Wasser gleitet, der Käuzchen oder die Eule, die Fledermäuse oder den Schrei eines anderen Nachtvogels. Das Rascheln des Igels oder das Fiepen des Fuchses, das warnende Klopfen des Feldhasen oder das leise Schnauben der Rehe, die ich gestört habe. 

Hier ist nichts, außer meinem Mann und meiner Tochter und mir. Ab und zu  ein Spaziergänger der sich allerdings nur im hellen hierher verirrt. .
.
Für mich als „praktizierende“ wurde es immer schwieriger , dieser Sehnsucht nach der Einsamkeit, nach Natur und irgendwie auch nach einer gewissen „Freiheit“ nachzukommen, dort wo ich wohnte. Jetzt kann ich das. Nur wenn ich einen Schritt nach draußen trete, bin ich schon mittendrin in ALLEM….

Ich betrieb in alles Regelmäßigkeit „Landflucht“ hinaus in die Wälder. Das ist aber über die Dauer von Jahrzehnten dann doch etwas anstrengend und reichte mir bzw. uns dann nicht mehr aus.  


In dieserTradition der alten weisen Frauen, die sich bewusst für die Einsamkeit entschieden, weil sie in einer Höhle oder einer Hütte, weit ab von den Dörfern wohnten, sehe ich mich. 
Hier lerne ich meine Wahrnehmungen noch zu verschärfen, die innere Stimme noch viel mehr zu hören und die Spirits in meine Wirklichkeit zu holen.  
 
Und wenn die Windin singt, dann singe ich mit …

Kommentare:

  1. Ich kann dich gut verstehen!
    Schön das sdu da bist!

    LG Wegwarte

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  2. Wie sehr sehne ich mich nach dieser Stille...

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  3. Ich könnte das glaub ich auch... Es klingt traumhaft...

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  4. Auf der einen seite möchte ich das auch,
    auf der anderen seite nicht,
    ich brauch auch ruhe ,einsamkeit,stille,
    aber ich brauch auch die Stadt..
    Ich hab euch ja schon mal besucht es ist Traumhaft schön bei euch,
    ich komme auch gerne wieder aber ob ich auch so leben könnte evtl. in ein paar jahren wer weiß...
    Lg simone

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