Freitag, 29. November 2013

Die Zeit der Frauen....




Es gab einmal eine Zeit, da lernten die Töchter von den Müttern, die Sonnanläufe und die Mondumgänge zu errechnen. Sie lernten, die Sterne zu erkennen um sich an ihnen zu orientieren. 

Dort in den Höhlen der Mütter ,entschlüsselten wir die Sprache der Sterne, die Gesetzte der Erde und den Tanz der großen Göttin selbst. Wir feierten dieses Gleichgewicht aus Zeit, Raum und Sippen, Säen, Ernten, Leben und Tod.

Als aus Höhlen Dörfer wurden, stand in jedem Haus eine Altar der Göttin und wir vergruben unsere Toten unter unseren Schlafstätten, damit das Oben und Unten im Gleichgewicht  bliebe, denn sie segnen unsere Ernte, helfen uns  bei der Geburt  der Kinder und führen die Geschicke der Sippe. Denn ihre Wiederkehr geschieht durch den Körper der Frau. Unter unseren Füßen wurden die Ahnen begraben, dass wir sie niemals vergessen. 

Dann kamen andere, deren Männer sich zu Häuptlingen aufschwangen und die nicht Demut bewiesen vor der Mutter aller. Sie traten die Frauen mit Füßen und ihre Kinder trugen Männernamen, nicht den Sippennamen der Frauen. Und wir lernten, dass unsere Art zu leben, nicht selbstverständlich war. Doch noch erinnerte man sich an die Göttin und wir lehrten unsere Kinder ihre Gesetzte zu achten, anzuwenden beim Häuserbau, Jagen, fischen, Gräben ziehen und Felder bestellen.   

Wir feierten die junge Frau, die Rote Blut Zeit und die Alte wenn es soweit war. Wir ehrten das Jahresrad mit seinem ewigen Wachsen und vergehen, deuten die Zeichen von Geborenwerden, Wachsen, Sterben, wie den Frühling und den Winter. 

Aber die Stämme der Männer verachteten uns dafür, verachteten dass wir frei unsere Liebhaber wählten und dass unsere Sippe von Frau zu Frau weiter gegeben wurde.  Sie verachteten uns dafür, dass wir Weissagten und Gleich dem der Männer unsere Meinung am Feuer zählte, ja sogar geschätzt wurde.


Sie bespuckten die Statuen der Mutter Göttin, plünderten unsere Dörfer, töteten unsere Männer und verschleppten und vergewaltigen unsere Frauen. Die Kinder versklavten sie rücksichtslos. Und immer mehr von ihnen kamen über die Meere und aus den Steppen zu uns, in das Mutterland.
Wir lernten zu schweigen und reichten nur noch des Nachts am Feuer  unsere Sippe, die Worte der Göttin weiter an unsere Töchter und wieder deren Töchter. 

Wir verschlüsselten unsere alten Geschichten, die ihr heute als Märchen kennt. Es ist die Zeit, da haben viele Männer verlernt, vor der Göttin zu knien und viele Frauen kennen ihre eigene Urmutter nicht mehr. Aber sie war nie ganz verschwunden, denn in unserem Märchen und Sagen, lebt sie weiter.

Ihre Steinsetzungen, in Stein geritzte Zeichen, ihre Statuen und ihre Malereien flüstern noch von einer Zeit, in der Mutter Natur heilig war und jedes Vergehen eines Einzelnen, an ihr, eine Sünde des ganzen Stammes bedeutete. Frauen geachtet wurden für ihr Wissen und gleichsetzt mit der Weisheit der Mutter Erde, denn nur sie gebiert und wird immer wieder fruchtbar, wie die Frau selbst. 
 


(Auszüge und freie Zusammenfassung aus den Tafeln der Meave/Magliane Samasow)

Kommentare:

  1. Sehr schöne Worte und irgendwie lösten sie in mir auch Traurigkeit aus. Traurigkeit über das was in unserer Vergangenheit verloren ging. Traurigkeit, weil es bei vielem tatsächlich niemanden mehr gibt , der sich erinnert.
    Deine Quellenangabe hat mich neugierig gemacht. Das Buch " die Tafeln der Meave " würde ich gerne lesen. Mal sehen, ob es zu mir findet . Liebe Grüße, die Sammlerin

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    1. du kannst es ganz günstig gebraucht erwerben, ich habe es als abschluss geschenk einer schülerin erhalten, die mir sagte, sie musste beim lesen immer wieder an mich denken. es gibt kein größeres kompliment für mich, als diese aussage. das buch ist sehr gut.

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