Sonntag, 11. August 2013

Die Maisgöttin...

Rund um den unseren Hof erstrecken sich Maisfelder. 
 
Auf der anderen Seite vom kleinen Siel  wächst er, ganz lange schon sehen wir ihn beim Wachsen zu. 

Es hat länger gedauert, bis ich begriff, dass der Mais nicht männlich, sondern weiblich ist. Langezeit habe ich den Mais keine Beachtung geschenkt, aber plötzlich war sie, die Maisgöttin in meinen Bewusstsein und nahm mich gefangen. Sie ist die Erdenmutter selbst und vielen Völkern heilig. 

Wenn ich an ihr vorbeigehe und der Wind durch ihr Haar rauscht, dann kann ich Geschichten vernehmen, Geschichten von einem anderen Volk...
Wir haben sie von ihrem Kontinent gerissen, oder wollte sie etwa gehen, um neues auszuprobieren?! Wer weiß das schon, es ist aber Zeit, sie zu ehren, sie gehört jetzt schließlich auch zu uns. 

Mais ist hier eine Einwandere Pflanze und hat eine neue Heimat nun schon länger  in unseren Breiten gefunden. Als Kind kannte ich den Mais nur aus dem Urlaub, den wir in Tirol verbrachten.   



Jetzt ist die Maisgöttin auch hier angekommen. Zeit sich mit ihr einmal näher zu beschäftigen:


Zu Mabon geben wir sie zurück  in die Erde, als Zeichen für die Wiederkehr der Fruchtbarkeit und dafür das der Gott und sterben muss, damit neues Leben entstehen kann. 

Maisgöttin oder Mais Frau wird sie bei den nordamerikanischen Indianern genannt. 

Die Cherokee sehen in ihr die erste Frau.  Denn als das „Schöpferische,“ (auch Geist oder Spirit genannt ) den Mann erschaffen hatte, bemerkte „ es " , das dieser Mann einsam war und aus dem Herzen des träumenden Mannes wuchs eine Maispflanze, die sich in eine wunderschöne Frau verwandelte. 

Sie lehrte den Mann aus Mais Brot und andere wichtige Nahrungsmittel herzustellen.  



Bei den Pawnee wird die Maisgötton Uti Hiata genannt. Nach einer Flut pflanzte der Himmelsvater Maispflanzen an. Aus ihnen einstiegen die ersten Menschen. Er schickte die Maisgöttin auf die Erde hinunter damit sie  als Hebamme bei der Geburt der vielen Menschen half. Bis sie aber jemanden fand, wanderte sie lange über die Erden. Schließlich wurde sie entdeckt, gefangen genommen und unter der Erde versteckt. 

Dort tat sich Uti Hiata mit den Erdbewohnern zusammen, mit Hilfe von einigen Tieren  gruben  sie sich an die Oberfläche durch. Sie half also den Menschen auf die Erde zu kommen.
Die Maisgöttin lehrte von nun an die Menschen die Geheimnisse des Lebens, der Magie, des Ackerbaus und der spirituellen Rituale. Als sie sicher war, dass die Menschen nun in Wohlstand und ohne Hunger leben konnten, verließ Uti Hiata wieder die Erde.


Bei den Irokesen gibt es diese Legende: Als die Menschen hungerten und nur von gesammelten Beeren und gejagtem Wild lebten, geschah es, dass eine alte Indianerfrau an einem Fluss einen eigenartigen Zauber Gesang hörte. „Schön und fein, fein und schön, sind die Felder, wo ich wachse, wo ich   blühe!“ 



In der Mitte des Flusses sah die Alte Frau  einen riesigen Biber, der ein wunderschönes Mädchen trug. Dieses Mädchen sprang zu ihr in das   Kanu und beide ruderten an Land. Kaum an Land schickte die junge Frau die Alte ins Dorf zurück und sagte ihr, sie solle am nächsten Morgen nochmal an das Ufer gehen.
Die alte Frau tat wie ihr geheißen und kam am kommenden Morgen an den Fluss. Dort fand sie an der Stelle, an der sie am Vortag das Mädchen abgesetzt hatte, einen Maiskolben. Die Alte nahm den Maiskolben und trug ihn zu ihrem Wigwam.


Dort hängte sie ihn über ihr Feuer. Im Traum erschien ihr die junge Frau und bat sie: „Es ist mir zu heiß über deinem Feuer! Aber nimm mich und pflanze meine Samen in die Erde!“ 


Die alte Frau pflanzte den Mais. Nachts erschien ihr erneut das Mädchen und sprach: „Ich bin der Mais. Ich bin gekommen um euch alle zu ernähren. Kümmert euch gut um mich! Wenn ich reif bin, sammelt mich ein und mahlt Mehl aus mir. Backt Brot aus meinem Mehl und esst mich! Teilt mich großzügig mit den anderen Menschen. Ich werde euch stark machen!“ 


Die Alte  tat dann genau wie die junge Frau es ihr  gesagt hatte. Im Herbst erntete sie den Mais und gab den Familien von den Maiskörnern für die Aussaat. Die Familien waren glücklich, sie aßen das Brot gemeinsam und tanzten und sangen zu Ehren der Maisgöttin, die ihre Weisheit mit ihnen geteilt hatte. 


Da hörten sie noch einmal die Stimme der Maisgöttin über das Wasser schallen, aber sie war sehr traurig: „Passt  auf die gute Erde auf, die mich ernährt! Ich bin die Frucht der Erde! Ich leide! Verschwendet mich nicht, vergiftet mich nicht!“ Die alte Frau begann zu weinen, denn sie sah die Zukunft und  sagte:


„Der Mais ist heilig und alles was wächst ist heilig! Ich warne euch, es wird eine Zeit kommen, in der die Söhne unserer Söhne das vergessen. Dann werden Hunger und Leid auf die Erde zurückkehren. Es wird nicht enden, bis  deren Enkelkinder diese Lektion erneut lernen werden – die Lektion, die wert ist, dass man sich an sie erinnert: wie man die Erde lieben und respektieren soll!“ 


Es gab  noch weitere  Maisgöttinnen, die jung und schön waren: 

Chicomecóatl (Sieben Schlangen oder sieben Maiskolben) war die wichtigste von allen und wachte über die Ernten.

 Xilonen war die „Mutter des zarten Maises“. 


Es gibt noch viele weitere indianische Legenden über die Maisgöttin. Interessant ist eine Variante, in der die Maisjungfrau von dem Herren des Winters entführt und eingesperrt wird. Ähnlich der Demeter-Legende, lässt  der Wintergott  sie wieder frei, nach einem Kampf mit dem Sommergott. 

Helligkeit gegen Dunkelheit.  Aber es kann niemand siegen und so setzten sich  beide Götter schließlich zusammen und beschließen, dass sie den Sommer auf der Erde die Partnerin des Sommergott ist und  den Winter versteckt unter der Erde  als Frau des Wintergottes.
 
Und wie so oft, wenn man sich mit Dingen auseinandersetzt, die man vorher nicht kennt, erkennt man plötzlich in den Mythen Verbindungen. Plötzlich war sie mir sehr nahe, die Maisgöttin, eben noch so weit entfernt, ist sie nun ein Teil meiner Naturverehrung geworden, Teil meiner Parten - Göttinnen. 

Ich fragte sie um Erlaubnis, und sie gab sie mir. Ich durfte ein wenig von Ihrem Körper mit nach Hause nehmen und nun thront sie auf meinem Altar und im Wohnbereich und strahlt ihre ganz eigene Kraft aus…


Kommentare:

  1. Danke für die vielen schönen Mais-Legenden :) Frau Mais geistert auch schon länger in meinem Geist umher seit ich mich näher mit den Indianern Süd- und Nordamerikas beschäftige. Für mich sind Maiskolben seitdem heilig und ich bereite sie mit besonders viel Liebe und Ehre zu.

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  2. Ich liebe Mais. Ich esse gerne Mais (in sämtlichen Variationen) und vor allem schwelge ich im Anblick von wogenden Maisfeldern. Irgendwie sind die Pflanzen so herrlich anzuschauen. In der Tat habe ich diese Pflanze unbewußt auch seit jeher als weibliche Energie angesehen. Eine fröhliche Erntezeit weiterhin )o(

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