Mittwoch, 13. März 2013

Leerer Raum...




Ich sehe mich, wie ich im Geschäft stehe in den leeren Raumen  und auf ein Gefühl von Bedauern oder Trauer warte, aber es stellt sich nicht ein. Als ob das Häuschen sich mit mir freuen würde, scheint es.  Noch mal erlebe ich, wie es damals war, als wir es gekauft hatten, die Felsenwand, der kleine Keller, die Räume und Holzbalken. Alles andere als schön war es.  

Alles hat seine Zeit und ganz oft musste ich in den letzten Wochen daran denken, wie schön es war und wie viele tolle Menschen ich kennenlernen durfte. Ein wenig bin ich ihren Lebenswegen gefolgt, durfte teilhaben und helfen.  Ein paar Junge Erwachsene habe ich groß werden sehen, sie waren acht oder neun Jahre, als ich hier das Geschäft eröffnete. Jetzt sind sie erwachsen, wie auch meine Kinder.
Um anderen zu helfen, habe ich viel auf mein Familien leben verzichtet, auf Urlaube und Ausflüge. 

Dazu reichte das Geld nie.  Aber das macht nichts , ich habe es selbst gewählt und nie aufgegeben.
Ich habe viele Dinge ausgegraben, neu wiederendeckt oder verändern können.  Das wird auch so bleiben.
Ab heute ist das Kapitel Hexenladen abgeschlossen, das Haus mit samt Schlüssel ist dem neune Käufern übergeben worden , nur der Briefkasten hängt noch bis zum 1. April, denn ab da beginnt die Nachsendung der Post.
Jetzt sitze hier, bin eigentlich todmüde aber es ist wieder ein Tag geschafft. 

Ich hätte tagsüber schreiben können, aber dazu bleibt momentan kaum Zeit und wenn ich dann mal ein wenig Pause mache, falle ich auf das Sofa und schlafe ein. Es sind viele ungewohnte Tätigkeiten, die mich einfach schaffen. 

Der wiederkehrende Schnee ist zwar wunderschön, aber ziemlich nervig. Mein Mann freut es, er ist der Meinung, es gäbe einen langen heißen Sommer und das wäre natürlich optimal für uns an der Küste. Ich aber denke nur daran, dass ich doch gerne noch mal ein paar Stunden auf meinem Ritualplatz, Abschied nehmen möchte, mir aber dort momentan der Hintern abfrieren würde, so vertage ich immer wieder, denn noch habe ich ein wenig Zeit. 

Schön ist, dass ich jetzt schon vermisst werde und einige meiner Frauen mit mir in Kontakt bleiben , erst gestern gab es seit dem Ladenschluss , die ersten langen Telefonate mit den Hexenschwestern. Sie haben ihre eigenen Pläne und behalten unseren gemeinsamen Erden Mutter Platz zum Feiern bei.
Momentan kümmere ich mich  zu Hause aber eher ganz Weltlich darum, was dem Sperrmüll zum Opfer fallen soll, schreibe alles Wichtige auf und wasche Wäsche vor, für die Woche, an der meine Tochter und ich ganz alleine  auf den Hof einziehen werden.  Ohne Waschmaschine und vielen weiteren Dingen, werden die paar Tage zu einer kleinen Herausforderung und unserem  persönlichen Abendteuer! 

Einige Verwandte fragten schon, ob ich nicht Angst hätte, in einem großen unbekannten Haus so ganz alleine. Nun, wir werden sehen aber vor lauter Arbeit, werde ich für Angst eher keine Zeit haben.  Ich bin aber kein ängstlicher Mensch und sehe dem eher entspannt entgegen. Wir haben Handy und vielleicht auch Internet, das war es aber schon. Elektrisches Licht und Betten.  
Auf was ich keineswegs verzichten werde, ist mein Räucherwerk, meine Ritualgegenstände und meine Trommel, schließlich möchte ich mich den Geistern dort oben vorstellen. Räuchern wird mit der Erste sein, was ich tue.

Momentan passiert es mir  beim Einkaufen, das mich wildfremde Menschen ansprechen  und auch meinen  Mann. Sie erkundigen sich wann es los geht und fragen neugierig.  „ Sie sind noch da?“ – oder : „Wann geht es denn los?“

Die meisten kenne ich nicht einmal, geschweige denn, das die einmal im Laden waren.  Ich denke aber, darum geht es auch nicht. Wir haben uns zu etwas entschlossen, was viele andere auch gerne tun würden, sich aber entweder nicht trauen oder die sie umgebenden Verhältnisse lassen es nicht zu. Nicht nur der Hexenladen, sondern auch der Entschluss zur Küste zu ziehen, das beides, zieht die Aufmerksamkeiten auf uns. 

Die 13 ist meine Glückszahl, seit der Geburt meiner ersten Tochter, heute vor 22 Jahren.
Heute sind es  noch 13 Tage bis zu meinem Umzug an die Küste! Passt doch wieder!

Die letzten Tage  sind noch mal so richtig spannend  und so langsam lichtet sich auch das private Haus zunehmend. Wände sind leer, die Küche fast ausgeräumt und Schränke abgebaut oder verkauft. Auch außen am Haus kann man die Veränderung sehen;  meine Blumentöpfe, Fensterdeko und der Vorgarten sind nackt und unscheinbar. 

Alles steht nun auf „ Auszug!“

1 Kommentar:

  1. Liebe Minerva,

    Ich denke nicht, dass du Angst haben musst alleine im neuen und noch eher unbekannten Haus. Du machst es ja schliesslich nicht umsonst zu deinem Neuen Zuhause und ich denke wir wilden Weiber haben schon ein recht gutes Gespür dafür, wo wir uns wohl fühlen, wo es uns gut geht. :)

    Wie heisst das berühmte Zitat von Hermann Hesse?

    „Allem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

    So ist es auch. Ja, alles hat seine Zeit!

    Liebe Grüsse
    Nicky

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