Samstag, 22. Dezember 2012

Schamanische Reise zur Wintersonnenwende


Heilige Stille….weis strahlt die Steppe vor mir, Schnee fällt aus einem Wolkenverhangenen Himmel. Dunkelheit. Es scheint, als wäre die Welt untergegangen, nichts regt sich. Das kenne ich, hier war ich schon einmal. Lange ist es her….Rabenschwarz alles um mich her. Dennoch, ich spüre eine Wärme an meinen Beinen und weis, die Wölfin ist bei mir. 

Jetzt erst realisiere ich ,wo ich genau bin. Ich bin wieder einmal auf der Reise. Lange war ich nicht mehr hier. War es damals Winter? Ich weiß es nicht mehr…

Während ich so dastehe hört es auf, zu schneien und die Mondin schaut hinter den Wolken hervor. Ihr Licht fällt wie ein weißer Schleier, auf die Ebene vor meinen Füßen. Alles glitzert in ihrem Licht. Ich stehe da, in einem  Kleid aus  Tierfellen gehüllt. In der Ferne sehe ich eine Erhebung und erkenne diesen Berg wieder. 

Es bestätigt meine Annahme: Hier war ich schon einmal, diese Welt kommt mir bekannt vor.
Mir wird warm und gleichzeitig fühle ich eine Gänsehaut im Nacken. Meine Tätowierung pocht. Ein Zeichen?  Langsam bewege ich mich auf den Hügel zu, das Mondlicht führt mich und ich erkenne die bewaldeten Hänge vor mir.  

Ein ungutes Gefühl beschleicht mich, wie leise Stimmen im Wind, die mich warnen wollen, nicht weiter zu gehen, umzukehren in den tiefen Schlaf des realen Lebens. Aber ich wehre mich, zu lange ist es her und ich will wissen, was mich hier erwartet…oder wer?!

Kannst du mir Antwort gebeb, frage ich meine Wölfin, sie schaut kurz zu mir hoch, schüttelt ihren Pelz und trottet dann weiter vor mir her.  

Der Weg windet sich spiralförmig um den Berg, immer dichter werden die Bäume, immer älter und dunkler. Ich überlege, ob ich diesen Weg weiter folgen sollte, aber warum sonst, bin ich hierher geführt worden. …

Unter einem sternenklaren Himmel komme ich auf der Kuppe des Hügels an, dicht an dicht stehen die alten Baumriesen. Ich gehe weiter und folge der Wölfin. Dann sehe ich das Feuer, es brennt in der Mitte einer Lichtung.
Die riesigen Bäume stehen im Kreis, wie mit einem Zirkel gezogen, um ein Baumfreies Areal, in dessen Mitte ein Feuer brennt. Die Mondin erhellt den Platz und die Baumspitzen. Ja, auch diesen Ort erkenne ich wieder….Ich fühle mich beobachtet und das Gefühl nicht mehr alleine zu sein, beschleicht mich. 

Ich bleibe hinter einem der riesenhaften Bäume stehen. Meine Wölfin schabt ungeduldig mit den Pfoten . Ich drehe mich zu ihr um, damit sie mich nicht verrät und während ich ihr gebiete ruhig zu sein, fällt mein Blick auf einen Baum hinter uns.
Dieser ist über und über mit  Bändern behangen. Sie rascheln leise im Wind, der wie ein eisiger Schauer über den Hügel zieht.  Ein Blitz der Erinnerung taucht in meinem Geiste auf, stand dieser Baum nicht einmal in der Mitte der Lichtung? Weiter darüber nachzudenken, dazu komme ich nicht.

Ein Schatten taucht hinter dem Baum mit den Bändern auf, er wirkt groß und unheimlich. Eigentlich weiß ich, das mir in dieser Welt nichts passiert, aber meine Wölfin knurrt und das erschreckt mich dann schon.
Ich umfasse meinen Stab mit beiden Händen während der Schatten langsam auf mich zukommt. „ Du hast Angst..“ höre ich seine Stimme aus der Dunkelheit. Sie trifft mich wie ein Schlag. 

Lange habe ich sie nicht mehr gehört, aber ich erkenne ihn sofort wieder.
Oh ja, schwarz steht ihm gut und die Dunkelheit ist sein Reich, denn er erkennt nur die Dunkle Seite der Menschen, die ihm begegnen. Sucht nach den Fehlern und Schwächen, damit er sich damit besser fühlen kann.  Ich halte mich an meinem Stock fest und weiß, dass meine Wölfin bei mir ist, sie gibt mir die Sicherheit. 

Er wiederholt seine Feststellung: „ Du hast Angst vor mir…“ ich höre diesen unterschwelligen Vorwurf heraus. „ Viele haben Angst vor mir, weil ich sie durchschauen kann, sie können mich nicht ansehen…aber du?! Ha!“  

Wie versteinert stehe ich da. Dann sehe ich, wie meine Wölfin einfach von dannen trottet. Was soll das?? Frage ich mich und gehe automatisch zwei Schritte zurück. „ich will nicht mit dir reden“ schreie ich fast gegen den aufkommenden Eisigen Wind.


Er scheint mit der Dunkelheit, der Kälte und dem Wind im Bunde zu stehen. Ich fühle fast  körperlich, dass er näher kommt. Nun erkenne ich seine Silhouette, den Fellbehangenen Mantel die Kapuze tief in sein Gesicht gezogen. 

Schon kann ich seinen Atem hören, während sich sein Umriss deutlich vor mir abzeichnet. Seine Atmung verrät mir, das er selbst über diese Begegnung überrascht scheint.
„Geh und lass mich in Ruhe,“ höre ich mich sagen und schon werde ich von seinen Augen in den Bann gezogen, fühle diese dunkle Trauer und diese fatale Verbundenheit und Verwundbarkeit.  Und seine Männlichen Anziehungskraft..ich atme tief.

In dem Moment dieser unglaublichen Begierde, seine Dunkelheit zu meiner werden zu lassen , steht mein rationales Ich neben mir, schüttelt den Kopf , tippt sich mit den Fingern an die Stirn und sagt emotionslos; „ Sag mal, du hättest vielleicht heute nicht True Blood (für Nichtkenner:  Fantasy Serie) schauen sollen…!! Geht’s noch?! Komm zurück …das ist doch nicht real!
 
Nein! Ich dränge mein Ich zurück,hier will ich nicht feige weichen, ich bin nicht wie er!

Ich fühle seine Hände auf meinen Schultern, seine Augen verbinden sich mit meiner Seele und sein Mund auf dem meinen…Eisiges Verlagen , dunkle ist die Begierde ...NEIN!

Ich reiße mich los, hebe meinen Stock auf. Ich schreie ihm entgegen: "Du hast mich verraten, mich belogen, du bist die Dunkelheit…!!!"

Er streift seine Kaputze ab, seine schwarzen Haare scheinen noch schwärzer als seine eindringlichen Augen, als er erwidert: „ Wir zwei können viel erreichen, haben eine Aufgabe, wir sind verbunden…immer…

Eine unermessliche  Trauer umgibt mich , wie eine schwärze meiner Seele und ich kann nur  mit dem Kopf schütteln: ..“Es ist  zu spät.  Nicht hier, nicht jetzt.“ Ich weine. 

Als er meine Tränen bemerkt, meine Verwundbarkeit, greift er an. Rote feuerige Augen, wilder Atem.  Ich falle in den Schnee und fange an, um mich zu schlagen. Warum  tut er das? Geht es mir durch den Kopf. 

Ich reiße mich los und renne in Richtung der Lichtung mit der Feuerstelle. Als ich aus den Bäumen herausstolpere schaue ich mich um. Neben mit tauchen Menschen auf, sie haben einen Kreis gebildet.  Wo kommen sie her Egal, sie sind da! Hier ist alles möglich! 

Hand in Hand stehen sie zwischen Waldrand und der  Feuerstelle. Und da steht noch jemand.  Der mich jetzt auch entdeckt hat. 
Atemlos bleibe ich stehen, während ich sehe, dass er mir nicht durch den Kreis folgen kann. Wie ein wildes Tier steht er schnaubend vor dem Kreis. 
 
Der Mann, eben noch  am Feuer ,steht plötzlich an meiner Seite. Mit einer Geste der Abwehr zum Wald gewendet, ertönt seine Stimme :

„Die Dunkelheit geht, das Licht kommt. Liebe gegen Verrat , Treue  gegen Verlangen ,Heilung gegen Egoismus und Freundschaft gegen den Neid. Verbundenheit gegen Unstetigkeit. Tat gegen Untat. Recht gegen Unrecht. Wärme gegen Kälte. So sei es!
Du bist hier nicht willkommen!“

Seine Hand umfasst mein Handgelenk und Wärme durchzieht meinen Körper. Dann geht alles so furchtbar schnell.
Wie ein Tier bricht der Schwarze Mann in den Kreis. Aber der andere, auch ganz in Fell gekleidet, mit blonden Haaren und freiem Oberkörper, ist vorbereitet. 

Ein Gerangel zwischen ihnen  entsteht, das nur kurz wärt. Und der schwarze flüchtet mit gesenktem Haupt in die Dunkelheit. Ich bekämpfe das Verlangen  ich sollte im Folgen um zu trösten.
Da steht der Blonde Mann vor mir, hebt meinen Kopf, schaut mir in die Augen und sagt: „Das ist seine Macht, lass es nicht zu. Bleibe hier. Bei mir. „

Seine Augen, blau und klar, tief und so voller Liebe.  „ich kenne dich..“ sage ich ihm und er nickt. „ Wie du ihn kennst, aus unendlich vielen Leben, so erkennst du auch mich. Verbunden und doch getrennt,  zusammen und doch nicht miteinander. „ 

Dann beugt er sich zu mir, küsst mich mit einem Kuss der innigsten Liebe. Meine Knie werden weich und Wärme erfüllt meinen Körper. Er zieht mich an sich und ich erwidere seinen Kuss, das Versprechen des ewigen Kreislaufes von Tod und Wiedergeburt. Trommeln ertönen jetzt, ihr Rhythmus folgt dem meines Herzens.

Die Menschen um mich, sind verschwunden und ich finde mich wieder am Feuer, in der Umarmung der Verbundenheit. Während wir uns lieben, vergeht der Winter, die Kälte weicht und kein Schnee fällt mehr vom Himmel. Drei Mal lieben wir uns in inniger Verbundenheit, Seele zu Seele und Herz an Herz. Verschmolzene Körper.

Dann taucht der Umriss der Sonne über dem Hügel auf, mit ihr die Wölfin. Die Sonnenstrahlen werfen  auf uns  ein magisches weiches Licht. Und als ich aufstehe um mich zu verabschieden, ist er schon außerhalb meiner Reichweiter,  winkt  mir von weitem zu, seine Augen glänzen in ewiger Liebe zu mir und sein Geweih erstrahlte im Lichte der aufgehenden Sonne…

Der Baum mit den Bändern rauscht derweil im leichten Wind  des Sonnenaufganges, darunter wartet er, der Dunkle auf mich….

Kommentare:

  1. Wunderbar erzählt! <3

    Herzliche Grüsse
    Nicky

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  2. Einfach wundervoll. Welch ein Segen, dies erleben zu dürfen...
    Danke dass Du uns hast daran teilhaben lassen.

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  3. Angenehm daran lernen zu dürfen. Danke dir

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  4. Oh, mir ist es kalt und warm den Rücken heruntergelaufen. Du Glückliche mit Deiner Fähigkeit zu sehen..
    lg Melissa

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  5. Wer dein Leben kennt, findet viele Symbolische Bilder wieder...
    Du hast eine Gabe! Gesegnete sei dein Weg...

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