Donnerstag, 15. November 2012

Ein Waldritual...


Ich stehe im Kreis im Wald. Nebel zieht auf und mit ihm die Geistwesen und  Ahnen.


Ich drehe mich nach Osten, fast schon automatisch. Nicht, das ich das für nötig erachte, aber die meisten meiner  Rituale fangen im Osten an. Osten ist Tagesanfang, Neugeburt der Sonnenkraft. Der Energien Anfang. 

Ich komme diesmal sehr nackt, nein nicht unbekleidet, nackt im Sinne, von spontan und ohne großes Tamtam und Gegenstände. Ich komme nackt, weil ich ein wenig kraftlos bin und einfach nur die Kommunikation und Halt suche. Ich habe nichts dabei, keine Trommel, wegen des Wetters, keine Kerze und auch sonst nichts.Lediglich mein Strauß getrockneten Beifußes ist dabei. Ich verlange nichts, will nur wieder diese "wilde" Verbundenheit fühlen. 

Jetzt stehe ich da, Kälte und Nebel kriechen an mir hoch und ich rufe die Kräfte der Himmelrichtungen, ehre sie mit Beifuß Rauch. Jede dieser Richtungen hat ihre Geister, Gottheiten und Qualitäten. Ich fühle hinein, wärend mein Gesicht und mein Körper sich der jeweiligen Himmelrichtung zuwenden.

Diese Eigenschaften begründen sich aus meiner Verbundenheit mit der Landschaft, deshalb ist es mir wichtig, mich immer  an den natürlichen Begebenheiten zu orientieren, statt an Systemen oder Zuordnungen.

In Amerika oder Afrika, besitzen die Himmelrichtungen ganz andere Eigenschaften und Bedeutungen, als hier.  Deshalb arbeite ich auch nicht mit den Zuordnungen des Nordamerikanischen Medizinrades, denn nach meiner Meinung ist es hier in Europa nicht unmittelbar anwendbar, da unsere Natur hier ganz andere Eigenschaften hat.

Da mir kalt wird, bewege ich mich ein paar Schritte auf  diejeweiligen Himmelsrichtungen zu. Gehe aber plötzlich wieder zum Osten , obwohl ich im Norden eigentlich geendet habe.
Eine seltsame Dynamik entsteht, eine Eigen-Kraft. Wie automatisch bewege ich mich im Kreis, fühle hinein- gehe weiter- schneller und schneller. Bis meine Energiespur alles miteinander verbindet und ich mich dann auf meine Eingebung verlassend, auf einmal in der Mitte des Kreises wiederfinde. 

Alles pulsiert im Rhythmus meines bis zum Hals schlagenden Herzens…Der Wald, der Boden unter mir, ja sogar der Farn und jedes einzelnen Blatt, scheint im Rhtymus meines Herzschlages zu beben.

Die Dämmerung zieht herein, eine magische Zwischenzeit beginnt, die den Kelten heilig war. Heilige Zeiten sind ebenfalls der Mittag und Mitternacht. Mittag teilt den Tag, wir machen Pause, halten kurz inne. Während Mitternacht die Stunde der Geister, Wiedergänger und Unholde darstellt. Jetzt, in der Abenddämmerung fliegen die Schwalben nach Hause und die Fledermäuse kommen. Dieser Zeitpunkt ist für mich am leichtesten um Kontakt aufzunehmen. In der Dämmerung, ändert sich unsere Wahrnehmung. 

Nun setze ich mich in die Kreismitte, sehe den Nebel , der  sich mit dem Rauch meines Räucherwerkes vermischt. Wie ein Phantom scheint dieser auf mich zu zu schweben. Der Hüter der Schwelle! Es ist wie ein flüstern im Wind…

Bei den Übergängen von der alltäglichen zur nichtalltäglichen Wirklichkeit begegnen wir ihm. Immer prüft er, ob unsere Absichten rein sind, ob ich den Andersweltlichen Bereich betreten darf. Bin ich nicht würdig, nicht mit Herz und Seele dabei, bleibt meine Handlung leer und ohne Gehör.

Sehr oft erscheint der Wächter Unbefugten, die den Eintritt erzwingen wollen, etwa mit Drogen arbeiten, in finsterer Gestalt. Er erscheint beispielsweise, dem aufgeblasenen Ego,  in Form von furchtbaren Bildern, Weltuntergangsvisionen oder als Dämon.
Am Eingang zur Unterwelt als Hund der Hel kann er auftauchen und dir den Weg verstellen. Wenn er dich nicht lässt, so sei nicht enttäuscht und versuche es ein anderes Mal. 

Ich wende den Blick nicht von der Nebelwolke ab, die auf mich zukommt. Fühle mich plötzlich kalt berührt, wie eine Hand, die mir unheimlich, aber friedvoll über meine Wange streichelt. Und ich bin erfüllt mit tiefster Zufriedenheit  und Freude.  

Nach einem atemlosen Moment kommt Wind auf, der mich durch und durch frösteln lässt. Als ich aufstehe  weiß ich, dass ich  wieder in meiner Kraft bin, die Mitte selbst.
Ich bedanke mich bei den Geistern und Hütern dieses Ortes ….

1 Kommentar:

  1. Whow, ein wundervoller Bericht, der wirklich mitnimmt, nach-fühlen läßt...
    Danke für´s Teilen dieser Erfahrung...

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