Mittwoch, 17. Oktober 2012

Oh wie schaurig, schön.....!

Wer meinen Blog liest oder mich kennt, der weiß, dass mich Orte mit (Heidnischer) Vergangenheit anziehen. Auch mystische oder gar Gruselige Ecken, die mag ich sehr.


Vielleicht kommt diese Anziehung daher, dass ich meine frühe Kindheit sehr oft bei meiner Urgroßtante in der Nähe von Lemmer in den Niederlanden verbracht habe.

Sie hatte dort ein kleines Grundstück direkt an den Grachten. Ich konnte stundenlang in das trübe, fast schon moderinge Wasser starren, ohne das mir langweilig wurde.

Am schönsten war es im Herbst und Winter, wenn über den Wassern der Nebel hing und wie kleine Geister schwebten die Nebelwolken vor oder hinter den kleinen Barken, Schiffen oder Seglern her. 

Ich liebte das. Es  hatte etwas mystisches, das dunkle Wasser. ..

Als ich mit acht Jahren aus einem sehr bebauten und belebten Dortmunder Stadtteil,mit meinen Eltern aufs Land zog, meiner Meinung nach, war der Süden von Dortmund „Land“, mit Bauern und viel Grün, da endeckten wir schnell hinter dem Nachbar Bauernhof ein kleines Sumpfiges Gelände. 

So oft es ging, waren meine Freundinnen und ich mit Gummistiefeln dort. Wie nannten es „ das Moor“ und tatsächlich gab es dort ein paar alte Trauer und Silberweiden. 


Auch kleine Nebelschwaden zogen dort immer wieder auf. Wir fanden es als Kinder dort echt gruselig – faszinierend. Bis zu dem Zeitpunkt, als meine Freundin mit ihren Gummistiefeln so stecken blieb, dass sie nicht mehr herauskam. 


Heulend nach unendlich langer Zeit, ließen wir ihre Stiefel an Ort und Stelle und sie musste auf Socken nach Hause gehen. Bis wir darauf kamen, die Gummistiefel einfach im Sumpf stecken zu lassen, vergingen gefühlte Stunden! Danach sah ich diesen Ort nur noch von dem Weg aus, wir trauten uns nicht mehr hin.
Heute stehen dort Häuser, ist ein Wohngebiet entstanden. Die alte Silberweide steht noch da, am Straßenrand.  Aber wer weiß wie lange noch..
Die Mystik, die Stille, das Urtümliche und ein wenig Kindheit, so scheint es, ziehen mich immer wieder an Orte, die wir Menschen nur scheinbar bändigen können. Wie das Venner Moor bei Senden, nähe Lüdinghausen.


Wenn man nicht an einem strahlend schönen Sonntag durch das Moor wandert, denn da begegnen einem doch schon recht viele Menschen, kann man noch die magische Faszination erahnen, die ein Moor auf unsere Ahnen aufstrahlte.

Ich denke dabei immer an Annette von Droste Hülshoffs , „ der Knabe im Moor“.

Unsere Wahrnehmung einer Landschaft ist immer individuell und unterliegt sehr dem Entwicklungsstandart der Menschheit. Zu den verschiedensten Zeitaltern empfanden wir das Moor ganz unterschiedlich und gingen mit ihm auch so um.


Funde von Schmuck und Waffen zeigen uns, dass das Moor früher als Opferstätte genutzt wurde und ein Platz der Verehrung war. Bei vielen Funden ist die Frage, ob heilig oder profan, nicht zu beantworten. 

Unsere Ahnen nahmen das Moor als eine Landschaft der besonderen Art war. Es war beseelt von Geistern, Ahnen und Moorwesen.  Das Moor wurde gezielt für die Praktizierung verschiedenster Kulte genutzt. 


Moore hatten eine schaurig, bedrohliche und geheimnisvolle Wirkung und man betrat sie nur, wenn es sich nicht vermeiden lies.
Sollte man sich gar im Moor verirren, konnte das den Tod bedeuten. Der schwierige und gefährlicher Zugang und das damit verbundene recht geringe Wissen über das Moor ließ in früherer Zeit viel Raum für Märchen, Mythen.
In den verschiedenen Zeitalten berichtet 
man über das heimtückische Moor, dem Moor als Ort der verlorenen Seelen, als Geisterplatz und Spuk Ort.

Irrlichter und der Moordonner, konnte man sich in früherer Zeit nicht erklären.
Diese Phänomene trugen dazu bei, dass das Moor in den Köpfen der Menschen ein Ort wurde, der nichts Gutes verhieß. Der Knabe im Moor ist ein gutes Beispiel dafür, was die Leute im 19. Jh. Über dieses Gebiet gedacht haben
Moore waren damals fast unüberwindbare Sumpfgebiete, die einzelne Landstrichte 
trennten und die Menschen in ihren Dörfern isolierten. In der Neuzeit endeckten die Archäologen Bohlenwege, die durch die Moore führten. 

Besondern in Niedersachsen und in den Niederlanden fand man solche Holzkonstruktionen, die bis zu 4 Meter breit sein konnten und sich über mehrere Kilometer erstreckten. Die ältesten stammten aus der Jungsteinzeit!


Die Untersuchungen der letzten Jahrzehnte zeigen, dass es verschiedene Arten von Moorwegen gab. Manche waren nur 1 m breit, manche überbrückten ein Moor und verbanden Wohnplätze, andere reichten nur an den Rand eines Moor Sees. 


Im Zuge der Industrialisierung begannen die Menschen den Torf zu nutzen und das Moor zug um zug abzutragen. Nach dem zweiten Weltkrieg fing man an, große Maschinen einzusetzen. 


Was früher mühsam von Hand gestochen wurde, konnte nun großflächig und kommerziell genutzt werden.  Ab da konnten Moorleichen und Artefakte nicht mehr so leicht entdeckt werden. 



Natürlich gehe ich nicht unvorbereitet an Orte, die immer noch voller Magie und Ahnengraft sind. Denn wenn man sich einlässt auf die Magie und Mystik, dann kann man die Moorwächter noch erkennen. 

Werden Totholzäste zu Geistern des Wassers, Gräser zu Moorköpfen einer alten Moorgeisterfrau …mitgenommen habe ich Opfergaben, wie einen Turmalin, einen Bergkristall und eine selbstgemachte Schieferkette mit Runen. 

Je nach Eingebung durch meine Spirits opferte ich diese Dinge den Wächtern. Damit zeigte ich ihnen, dass ich weiß, dass sie da sind.  

Und stellt Euch vor, wir kamen ungehindert durchs Moor…( was eigentlich heute keine Kunst mehr ist…wollte ich aber dennoch betonen…)


Kommentare:

  1. Wundervolle Fotos mal wieder und die Erzählung auch!

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  2. Hallo, toll be- und geschrieben, bin während ich las und die Fotos anschaute hinter dir her durch´s Moor gegangen... Hat was!

    Viele liebe Grüsse
    Petra

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  3. Danke! Schön das es Euch gefallen hat. Ich bin immer wieder beeidruckt, das meine kleine Cam so für Bilder macht.
    Liebe Grüße
    Minerva Schwarz Elster

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  4. Liebe Elster,
    vielen Dank für´s mitnehmen ins Moor!

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