Mittwoch, 6. Juni 2012

Ein Stadtteil pflegt seine Vorurteile…

Laut Wikipedia sind Vorurteile negative oder ablehnende Einstellungen gegenüber einem Menschen, einer Menschengruppe, einer Stadt oder Gemeinde, einer Nation oder generell einem Sachverhalt. Vorurteilsbildung wird als „Übergeneralisierung“ interpretiert, bei der unzulässigen Weise von einzelnen Eigenschaften eines Individuums auf Eigenschaften aller Individuen einer Gruppe geschlossen wird. Vorurteile besitzen einen emotionalen Gehalt und treten als deutliche, stereotype Überzeugungen auf. Sie implizieren oft negative Gefühle und Handlungstendenzen und können zu Intoleranz und Diskriminierung führen. 

Vorurteile sind schlicht weg, das was sie sind: Vor -verurteilungen.  Wenn man sich offiziell „Hexe“ nennt und danach auch lebt, versucht man solcherlei vor- Verurteilungen mit Freundlichkeit, Offenheit und ehrlichem Auftreten entgegenzutreten. Authentisch zu sein. Ich hätte es Beruflich sicher das ein oder andere Mal einfacher gehabt, mich nur „Kräuterfrau“ oder „Naturtherapeutin“ oder sonst wie zu nennen, aber bloß nicht Hexe! 

So Geschehen heute: 

Anruf einer Lehrerin aus der Grundschule in meinem Stadtteil. Sie war peinlich berührt, als sie mir mitteilen musste, dass die Kräuter und Räuber -Wanderung mit der 4.Klasse nicht stattfinden kann, aufgrund einiger Eltern, die dagegen wären. Das Lehrerkollegium , wie auch die Rektorin waren, laut ihrer Aussage,
einverstanden. Als aber einige Eltern ihrer Klasse, davon erfuhren, fanden die das nicht so gut.  

Ich konnte ihr  anhören, wie unangenehm ihr die Sache war, aufgrund dieses Argumentes absagen zu müssen. Nun, ich muss gestehen, dass ich nicht wirklich überrascht war. Ich kenne einfach die Leute hier. Und  leider fördert dies nur ,wieder einmal,  meine eigenen (VOR-)URTEILE  über diesen Stadtteil, in dem mein Mann geboren ist und ich seit fünfundzwanzig Jahren lebe. Aber dennoch ;

Meine Kinder sind alle dort in die Grundschule gegangen und auch noch nach zehn Jahren aktiver öffentliche Hexenarbeit, hat sich allen Anschein nach nicht viel geändert.
Der Wald ist dreckiger als vorher und die Menschen noch genauso konservativ und oberflächlich.
Ich habe durch die Absage des Termins nichts verloren, einen freien Tag mehr  in meinem Terminkalender und meiner Geldbörse hat es nicht geschadet, da ich ja keine Bezahlung nehmen wollte. 

Für die Kinder ist es nur traurig. Es bezeichnet einfach diese Umgebung und die Art und Weise, wie die Menschen hier miteinander umgehen. 

Ich kann nur das Denken (wenn man es“ denken“ nennen kann), der Eltern nicht nachvollziehen. Gehen die ernsthaft davon aus, dass ich bei einer Kräuter und Räuberwanderung irgendwelchen Okkulten Kram den Kids erzähle, vor was haben diese Eltern bitte Angst??!!! Vielleicht will ich die Kinder zu wilden Ritualen anstacheln, zum Teufelsanbeten oder Tieropfern! Aber natürlich, ich will sie in MEINE Sekte ziehen um sie später zu essen….( sag mal, ist Euch eigentlich bewusst, WIE ALBERN ihr seid???!)

Nun, wenn wir hier unser Leben im nächsten Jahr aufgeben, wird die Hexe von Berghofen längst ein fester Bestandteil der Aplerbecker Geschichte sein, wie schon mein Ahn der Räuber Mohr. 
Trotz ständig abmontierter Hinweis Schilder, der weigerungen Plakate aufzuhängen, der Sperrung etlicher Zufahrtstrassen für ein Dorffest und so weiter und so weiter, haben wir es doch zehn Jahre ausgehalten oder doch eher durch-gehalten!

Ja, liebe Berghofer,  ihr macht es wirklich mit jedem Tag leichter, uns zu hier verabschieden! Und dann wird niemand mehr aus nah und fern nach Berghofen kommen, um den Hexenladen zu besuchen, kein TV Team mehr von Berghofen aus berichten!  Ihr werdet wieder in der Nichtigkeit des Seins verschwinden….

(Nein, nicht alles hier ist schlecht, keine Frage! Die Guten Menschen, die ich kennen, lieben und achten gelernt habe, fühlen sich sicherlich NICHT angesprochen. )

Wie sagt man doch so schön „ Der Prophet im eigenem Haus gilt nichts“