Sonntag, 24. Juni 2012

Ein Handfasting


Es ist weit nach Mitternacht. Eigentlich bin ich hundemüde, eigentlich müsste ich schlafen, nach diesem Tag. Ich kann aber mal wieder nicht, nach so einem Tag!

Hochzeiten...tja, Hochzeiten sind das liebste was ich tue, es ist ein Segen, das ich so etwas leiten darf und das Menschen mir einen Tag ihres Lebens anvertrauen. Gleichzeitig macht es das aber auch sehr schwer. Die Verantwortung für eine gute Zeremonie ist groß und ich möchte gerne wirklich dann allem entsprechen können und ihrer Vorstellung von einer Heidnischen Hochzeit wirklich genüge tun.

Manch einer meint, nach knapp Zehn Jahren würde wohl eine gewisse Routine vorliegen, nein die habe ich dabei nicht. Ich denke, das würde auch eher schädlich sein. Gerade bei  Handfasting Zeremonien, die ich versuche, so gut wie möglich auf die Menschen abzustimmen, kann es und darf es nichts "fertiges" geben. Ein Konstrukt ja, aber nicht mehr.

Verdammt, und immer noch bin ich schon Tage vorher total nervös. Und am Tag des Handfastig habe ich starkes Lampenfieber. Umso mehr Menschen daran beteiligt sind, umso schlimmer wird es. Gleichzeitig muss ich selbst einen kühlen Kopf bewahren, dem Paar Halt geben, schließlich sind die nervöse genug. 

Mich lässt das alles nicht kalt, mir liegt jedes Paar am Herzen , somit schwellen die Zeichen Stunde um Stunde an, die Stimmen in meinem Kopf fragen;
Ist es so gut, wie du es machen willst? 
Hast du auch alles? 
Was ist , wenn du ein Black Out hast bei all den Menschen?
Und mein Bauch rebeliert und je näher die Zeit rückt, um so mehr Schmetterlinge versammeln sich in meinem Bauch zum Freiflug....
Blos nichts anmerken lassen!

Und dann sehe ich die Brautleute, spühre wie nervös sie sind, die Tränen der Braut und das lachen des Bräutigams und dann weis ich, ich werde mein Bestes heute geben...

Kaum ist  dann mein Ritual  angefangen, mein Name gesagt und das was ich tue, da werde ich ruhige und ruhiger und rede frei aus mir selbst heraus. Und dann, wenn das Paar den Besensprung hinter sich hat, der Kreis aufgehoben und die Ahnen verabschiedet, dann räume ich die Ritualgegenstände wieder ein , beglückwünsche und werde beglückwünscht, dann im Auto, im geschützten Raum, dann fange ich an zu zittern.



Ein freudiges zittern, ein erleichterndes. 
Ein zufriedenes. Und auch, ein stolzes!

Aber die Anspannung bleibt lange, der Eindruck auch. Wie ihr sehen könnt. Es dauert lange, nach so einer Zeremonie, bis ich wieder runter komme, wahrscheinlich genauso lange, wie das Paar nun mit seinen Lieben irgendwo feiert und tanzt....
 
Nun folgt das Resümee...folgen Erinnerungen, das die Braut Wein und Brot vergas, ich schnell während des Rituals improvisierte mit Wasser und Salz. Die Kerzen können nicht brennen, wegen den Windenergien, Schwups musste das Messer für die Feuersegnung herhalten....

Und genau das, genau diese Dinge, die nicht so laufen, wie wir es gerne hätten, genau die machen so eine Zeremonie zu etwas ganz Besondern!

*DANKE das ich ein Teil davon sein darf*