Samstag, 26. Mai 2012

Durch die Heide....

Über die Heide sind wir gegangen,

Und die Heide war blütenleer,
Goldene Käfer flogen schimmernd
Auf dem Sande vor uns her.
Alle Fuhrenzweige blühten,
Und die Heidelerche sang
Aus der wolkenlosen Höhe
Süß zu unserm Heidegang. [...]
Hermann Löns
Mit dem Motorrad haben wir einen Ausflug gemacht. Deshalb die
Hex in Kluft ,ausnahmsweise mal hier so zu sehen. Qausi; vom Winde verweht... ein Motorrad Helm macht zwar nicht unbedingt schöner, schützt aber! (Deswegen der etwas schmollige Ausdruck...)
Ich liebe es , den Wind zu fühlen, die Gerüche warhzunehmen und an jeder Ecke anhalten zu können...
Aber jetzt ein klein wenig über das Ziel unseres Ausfluges:
In unmittelbarer Nachbarschaft zum Halterner Stausee erstreckt sich auf sandigem Gelände die ca. 90 ha große Westruper Heide. Diese eindrucksvolle Heidelandschaft ist bereits 1937 unter Naturschutz gestellt worden und heute ein beliebtes Ausflugsziel. Mehrere 100.000 Besucher spazieren jährlich auf den sandigen Pfaden durch die Besenheiden, Sandmagerrasen und bizarren Wacholderhaine der größten Zwergstrauch Heide Westfalens. Wir hatten das Glück gänzlich alleine durch die Heide streifen zu können und ein wenig von ihrem zauber einzufangen....

Der Lebensraum der Heidelandschaft bietet zahlreichen, heute gefährdeten Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. So finden sich hier Schlingnatter, Heidelerche & Co. wichtige Rückzugsräume. Auch wenn der Heide große Bedeutung als Lebensraum für heute seltene Pflanzen und Tiere zukommt, ist sie doch keine Naturlandschaft. Entstanden ist sie als Folge Jahrhunderter langen  Raubbau des Menschen am Wald. Und für weitere  Jahrhunderte bildete sie die Lebensgrundlage der damaligen Heidebauern.

 
Die Heide erzählt ihre Geschichte... 
Die Westruper Heide ist ein kulturhistorisches Zeugnis für die in Nordwestdeutschland ehemals weit verbreitete Heidewirtschaft. So waren im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht nur die Hohe Mark, sondern auch weite Teile Nordrhein-Westfalens durch menschliche Tätigkeit Waldarm geworden. 

Die jahrhundertelange gemeinschaftliche Nutzung der Markenflächen hatte ihre Spuren hinterlassen. Regelmäßiger Holzeinschlag zur Brennholzgewinnung führte zu einer Auflichtung der Wälder. Die Nutzung des Waldes als Waldweide unterband die Naturverjüngung. Eicheln, Bucheckern und aufkommender Jungwuchs wurden vom Vieh gefressen und verbissen. Die Verwendung der Waldhumusschicht als Stalleinstreu beeinträchtigte das Waldbodengefüge und unterband die natürlichen Stoffkreisläufe. 
Um 1800 betrug der Anteil an Heide, Sand-Magerrasen und Mooren in Nordrhein-Westfalen etwa 70%. Die Wende kam Mitte des 19. Jhd Flächen, die dennoch nicht in die ackerbauliche Nutzung überführt werden konnten, wurden als Grünland genutzt oder aufgeforstet, letzteres insbesondere mit schnellwüchsigen Nadelhölzern wie der Waldkiefer für den Grubenbau im Ruhrgebiet. Damit nahm der Anteil an Heideflächen rapide ab. Nur einige Reste der ehemals weitläufigen Heidelandschaften konnten noch unter Schutz gestellt werden, bevor auch sie der intensiven Land- oder Forstwirtschaft hätten weichen müssen.

 Imposante wie bizarre Wacholderbüsche säumen die Wege durch die Heide.

Mit etwas Glück entdeckt man  einige Büsche der Glockenheide inmitten dem Meer der Besenheide. Um die Glockenheide ist es noch verhältnismäßig gut bestellt. Sie besiedelt bevorzugt feuchte Heide- und auch Moorböden. Durch ihre glockenähnlichen, rosa Blüten lässt sie sich leicht von der Besenheide unterscheiden. Und auch außerhalb der Blütezeit fällt dieser Zwergstrauch durch seine deutlich helleren Zweige auf.

Wo die Glockenheide in der Westruper Heide wächst, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, auch auf den Sonnentau zu stoßen. Der Sonnentau, eigentlich eher eine Moorpflanze, findet auf feuchtem Heideboden noch ein letztes Refugium. Als Fleisch fressende Pflanze ist diese Art optimal an die karge Heidelandschaft mit ihren sandigen, ausgelaugten Böden angepasst, deckt sie doch ihren Bedarf an Nährstoffen durch das „Vertilgen“ von Insekten, die sich aus ihren klebrigen Fängen nicht mehr befreien können.
Ebenfalls in der Westruper Heide zu Hause sind die Schlingnatter und die Zauneidechse. Als Wärme liebende Reptilien sonnen sie sich gerne an einem ungestörten Plätzchen..

Wer im Frühjahr aufmerksam durch die Heide spaziert, dem wird der Gesang der
Heidelerche nicht entgehen. Ihr melodisches „lülülü“ ertönt in unserer Zeit jedoch nur noch sehr selten. Die Heidelerche baut ihr Nest gut versteckt im hohen Gras. Doch als Heide bewohnender Vogel hat auch sie zusehends ihren Lebensraum verloren. Umso erfreulicher, dass sich die Heidelerche, trotz des enormen Besucherdrucks, noch immer in der Westruper Heide wohl fühlt, wenngleich ihr frei laufende Hunde das Leben sehr schwer machen.

Mit Wacholder wurde schon in der Steinzeit geräuchert. 
                           Er wurde für medizinische,wie auch für kultische Handlungen verwendet. 

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