Freitag, 23. Dezember 2011

Indianische Pfade....


Ich bin das Land.
Meine Augen sind der Himmel, meine Glieder die Bäume.
Ich bin der Fels, die Wassertiefe. Ich bin nicht hier, um die Natur zu beherrschen,
oder sie auszubeuten, Ich bin selbst Natur!

(Hopi ) 



Sonnenaufgang…
Mit leichtem Gepäck wandern wir los, irgendwo haben wir einfach angehalten und das Auto geparkt. Gutes Schuhwerk und mindestens zwei Flaschen Wasser, ein wenig Obst, so hatte mich mein Begleiter angewiesen. 

Diesmal bin ich Schülerin in neuer Position, für einen Tag. Es ist wirklich kalt am frühen Morgen, der Atem wirft kleine Wölkchen, während wir nebeneinander den breiten Wanderweg folgen.

Ich bin unsicher mit jemandem an meiner Seite, den ich nicht kenne. Wieso ich hier wandere  und warum?! Das würde zu weit führen, gerechnet hätte ich damit im Leben nicht, gehofft lange schon....

Sonst bin ich diejenige die führt und lehrt, nun werde ich geführt und gelehrt. Nach Minuten des Schweigens fragt mich mein Begleiter, ob ich hier schon mal gewesen sei und ob ich mich auskennen würde. 
Ich antworte, dass ich in dieser Gegend schon mal war, aber ich mich nicht gut auskenne. Ich mag diesen Ort, aber die Wälder sind zu groß, als das ich mich zu Recht finden würde. 
Meine Antwort scheint ihm zu genügen, denn schweigend geht er weiter. Mir wird nach meiner Antwort erst  bewusst, dass ich mich nicht auskenne, der Wald ist fremd, wir haben weder Navi noch Kompass dabei. Wie gut, das ich zumindest meinen inneren Kompass und meine innere Uhr lange geschult habe.      


Der Weg führt uns auf einen Tannenwald zu und ich denke so bei mir, das es vielleicht langsam Zeit wird, diesen Weg zu verlassen, um nicht auf früh morgendliche Hundebesitzer oder Jogger zu treffen ,denn man kann die Straße noch in der Entfernung hören.
Kurz vor der Wald Schonung ,biegt mein Begleiter plötzlich nach links ab, diesen kleinen Pfad hatte ich kurz vorher auch gesehen und freue mich, dass wir dort entlang wandern, trotz erheblicher  Schlamm Menge.
Ohne ein Wort, geht es weiter über den Weg, der immer schmaler zu werden scheint. Zwischenzeitlich muss ich aufpassen, nicht auszurutschen, trotz guter Schuhe. Dann stehen wir in einer kleinen Fichtenschonung auf Moos. Kein Laut der Straße dringt mehr  an unsere Ohren und selbst die Schritte werden vom dicken Moos abgefedert.  
....Ruhe- pause. .....

Mein Begleiter fasst mit seinen Händen ins Moos und erzählt mir  von den Heilwirkungen des „ Green Pillow“ ( grünen Kissens)  und von der Vielfältigkeit der Anwendungsgebiete bis zum Speiseplan der Ureinwohner.    
Einiges kenne ich, einiges ist mir neu und ich höre fasziniert dem Deutsch mit Amerikanischem Einschlag, zu. Danach erzähle ich ,über die einheimische Verwendung des Mooses, der Harze und Bäume und wir tauschen uns aus darüber aus, endecken ähnliches.
Eine warme Energie entsteht zwischen uns und mein Unwohlsein lässt langsam nach. Die Kommunikation stimmt.
Ich spüre, wie ich entspannter werde. Wieder gehen wir lange schweigend weiter und treffen auf einen breiteren Pfad. Ich weiß nicht mehr, wie lange wir so schweigsam gingen,  da hörte ich den Schrei des Bussards über mir und bleibe spontan stehen, um „meinen“ Vogel am Himmel zu suchen. 

Mein Begleiter zeigt mit der Hand nach oben, während er mir mit seinen dunklen  Augen in die meinen sieht. Ich habe das Gefühl diesen Blick nicht ausweichen zu können. „Das da, das ist Deine Seele, die sucht …. ..that is  your  courier….“

Als ich nicht antworte, sagt er ;“ der da oben, das bist Du“. Dann dreht er sich um und geht langsam wieder weiter. Ich folge ihm. 

Nachdenkliche Stille. Schweigen.

Die Sonne erwärmt langsam meine Haut, es muss  früher Mittag sein. Mein Begleiter geht, mit dem Gesicht  zu Sonne gerichtet, durch das tiefgrüne Moos , bleibt vor einem Baumstumpf stehen, der wie ein Tisch zwischen den Fichten und Tannen hervorragt und nimmt seinen Rucksack ab. 

Die Sonnenstrahlen erleuchten die Lichtung in deren Mitte der Baumstrumpf wie ein Tisch steht. Ich sehe Federn, Kräuter, Schale, Feuer. Der Indianer deutet mir mit einer Geste an, das ich mich auf den Boden setzten soll und ich folge unmittelbar.

Die Erde ist kalt und feucht ,aber  das ist mir aber egal. Er begrüßt die Himmelsrichtungen in meiner Sprache  und dann in seiner. „Sing dein Lied für den Bussard“ meint er und er fängt an, im Sonnenlauf um mich herum zu gehen. Woher er das weiß,das ich ein Bussard Lied habe, kommt mir in den Sinn, aber ich frage nicht nach.


Ja, ich habe ein Bussard Lied. Ich schaue wohl doch etwas erstaunt, denn er fügt hinzu; „ summe es, singe es oder denke es, it does not matter. “ Gut, wenn  das Egal ist…. 
So singe ich leise vor mich hin, erst in Deutsch, dann in Englisch.” Und schaue  dabei in den Himmel nach oben.
Ich atme den Rauch von Wacholder, Salbei und Beifuss ein und noch etwas, was ich nicht zuordnen kann. Schon nach kurzer Zeit habe ich das Gefühl, der Bussard schreit wieder ganz nahe und mein Geist wird frei. Habe das Gefühl das mein Geist schwebt….         

Dann unterbricht mich eine leise Stimme:                                                                                                            
„ Du bist hier auf deinem Medicin Walk, gehe in Dich und konzentriere Dich auf die Fragen die Du im Leben  hast“ (Hier kann ich mich nicht genau erinnern, was im speziellen gesagt wurde, aber es kommt dem nahe) . 

...Pause- Rauch- Atmen-Summen....
Ein Arm hilft mir hoch und nun gehen wir hintereinander her, der Indianer vor mir und ich kann es kaum glauben, dass das hier so real ist. Er dreht sich um zu mir und sagt: „That's not important. Here or in your spirit..” ( Es ist nicht wichtig ob in der Realität oder im Geist) Mir läuft es wie eine Kältwelle den Rücken hinunter.  …


 
Während ich in einem gleichmäßigen Schritt verfalle , verschwimmen die Welten, ich habe das Gefühl alleine zu sein. 

…..gehen-atmen- gehen….. 
Ich stelle im Geiste meine erste Frage an meine Spirits und werde im Laufe der Wanderung auf mehrere Symbolische  Bilder in der Natur gestoßen. 

(*Meine Fragen sind sehr persönlich, es sei mir verziehen, wenn ich auf einiges nicht eingehen werde, wie ich auch nicht jedes Detail der Wanderung hier mitteile. *)

Immer wenn ein Pfad sich kreuzt oder gabelt, bleibt mein Begleiter kurz vor mir stehen und wartet auf mich. Dann geht es weiter. 
Gehen…atmen ….gehen….
Alles scheint mir unbekannt zu sein und fremd. Ich konzentrier mich auf meine Innere Frage und dann auf meine unmittelbare Umgebung und erhalte im Lauf des Weges meine Antworten darauf. 
Das Gefühl der Zeit löst sich auf und ich meine nicht mehr unterscheiden zu können, zwischen Traum und Wirklichkeit...

..gehen…atmen ….gehen. ...Stille…
Ich stelle meine Frage und finde die  Symbolische Antwort in der Natur. Einen in sich gedrehten Baum, als Einziger unter allen anderen. Mein Begleiter sagt nichts, nickt nur.
Eine Feder auf einer vertrockneten Engelwurz, wobei mein Begleiter sagt, dass die Pflanze in Kombination mit der Feder eine Rolle in der Antwort  spielt. 
Wir meinen beide, dass es sich bei der Feder um eine Eulenfeder handeln müsste. Ich fand mit seiner Hilfe die konkreten Botschaften beider Fragen….

Irgendwann kommen wir in einen Buchenwald und der Weg wird steiniger. Auf einmal habe ich das Gefühl das hinter mir etwas ist. Ein Gedanke von toten Menschen schießt wie ein Blitz in meine, bis dahin meditative entspannte Stimmung . Ich bin unmittelbar im Hier und Jetzt.

Wie erschrocken schaue ich aus meinem Inneren auf und mein Begleiter reagiert auf meinen Blick , bleibt stehen und sagt “ hier sind Menschen gestorben“ und ich bekomme  in diesem Moment eine  Gänsehaut, er hat das genauso gefühlt wie ich! 


Während ich neben ihm stehe, drehe ich mich nach links und sehe Mauerreste zwischen Bäumen. Er folgt meinem Blick und geht emotionslos darauf zu. Aus seiner Hosentasche krümelte  er ein wenig Tabak auf die Steine. Es benötigt keine Erklärung...
 
Seine Schritte verfallen dann aber wieder schnell  in den gleichmäßigen Rhythmus und ich folge ihm ohne Worte weiter. 

Nach einer Weile macht der Weg eine Biegung und wir stehen auf einer Ebene. Wie eine Steppen oder Graslandschaft. Wie an einem ganz  anderen Ort...das ist mein Gedanke.

Der Mann vor mir atmet mehrfach ein und aus und stemmt dann seine Hände in die Hüfte während er anfängt mit mir zu reden schaut er zum Horizont...

Dann erzählt er und stellt  Fragen. Aus der Stille heraus kommen mir meine Antworten erst einmal schwer über die Lippen…aber dieser Ort hat etwas erhabenes an sich, wie eine Zwischenwelt. ..

„Du hast  mich gut geführt. Nicht jeder kann das…“
Ich ihn?!  Das erstaunt mich.
Spontan frage ich nach. 


"Du gehst die Seelenwege... Deine und die der anderen. Du bist eine „Guardian of the spirit ways”. Dieses Land ist deine Seelen Heimat und du bist eine Guadian dieser Medicin Wege.....  der Heilwege. Die wirst du überall auf der Welt finden, aber in diesem Land bist du ganz besonders damit in Verbindung....”
Mir wird  ein wenig schwindelig und ich greife zu meinem  Getränk im  Rucksack, gebe der Erde was und trinke selbst ein Schluck, während ich ihm weiter zu höre oder eher lausche. 
(Gut das ein Baum da ist, um mich kurz anzulehnen, den ich habe weiche Knie. Vieleicht auch nur vom ganzen gehen....)

..."Auf zwei Botschaften für Dich werden wir gleich noch stoßen.." teilt mir der Indianer mit ,wärend er mir mit einer Geste bedeutet, nun weiter zu gehen. Die Sonne steht  schon merklich tief und ich hab keine Ahnung wo wir sind. Seine Worte hallen in meinem Geist auch heute noch nach, wo ich das hier schreibe und hinterlassen ein warmes und tiefes Gefühl zurück. 


Nun treffen wir auf einen breiten  Wanderweg und vor uns liegt eine Koppel. Pferdegeruch macht sich breit. “ Das da ist Deine Botschaft” sagt mein Begleiter, ohne auch nur zu wissen, was da auf der Wiese zu finden ist. Sie hätte auch leer sein können....und ich sehe es, ein Pferd. Ein indianisches Pferd!? 
Mein Begleiter streckt seine Hand aus und der Vierbeiner kommt auf ihn zu. Einen klitzekleinen Moment denke ich an “Versteckte  Kamera” aber verwerfe den Gedanken sofort wieder. “ Ein Indiansches Pferd ..?!..

"Die Botschaft aus diesem Symbol  muss Du für Dich und Dein Leben finden” . Ich bewege meine Hand ganz leicht über den Kopf des Tieres und weis was damit gemeint ist…
Das hier, das ist echt abgefahren...

Wir führen unseren Weg langsam fort. Kurz darauf sehe ich etwas mir bekanntes, ja jetzt gehen wir auf gegangenen Wegen! Ich weis, wo unserer  Ausgangspunkt ist. Ich drehe mich zum Hügel, auf dem Vier alte Eichen stehen in deren Mitte ein großer Findling zu sehen ist.Hier war ich ein vor Jahren schon einmal. Die Sicht ins Tal ist von dort aus super schön.
“ Die zweite Botschaft für Dich” sagt mein Nebenmann und erläutert: “ Das Bild der Eichen, alleine auf dem Hügel dort”.

Ich nicke und wir gehen weiter. Nicht mehr lange und wir sind  am Parkplatz, teile ich meinem Begleiter mit. 
Er bleibt stehen und dreht sich zur untergehenden Sonne. 

" Du folgst den Medicin Pfaden , deinen Roots, deinem tiefen Instinkt, der tief mit diesem Land verbunden ist. Das ist gut."  
...ein Augenblick für mich zum heulen....
Wir unterhalten uns noch eine Weile und ich genieße einfach noch die Aussicht und diese magische  Situation. 

Die Sicht ist zauberhaft , den das Abendlicht taucht alles in ein magisches Ambiente. Wärend wir unseren Weg dann fortsetzten ,überlege ich, wie ich ihn nun frage, was ich ihm zu bezahlen habe.

Nichts ist umsonst und ich weis, das er für seine spirituelle arbeit eine Bezahlung nimmt, genau wie ich für die meine. Ein wenig unsicher stelle ich ihm diese Frage dann und er schüttelt den Kopf. 

“Nein, ich will nichts, das hier, das war es wert, du hast mich geführt, nicht ich dich, wir haben heute beide was gelernt daraus. 
Ich nehme nichts von einer Spirit Woman.” 

Verlegen umarme ich ihn und weis nicht, was ich antworten soll.  Es ist der erste und einzigste Moment, an dem ich mich an diesem Tag richtig unwohl fühle. …

 Am Ende bin ich total erledigt...

Am Parkplatz angekommen,packe ich meinen Rucksack aus und schenke ihm mein gesammeltes Harz von diesem Tag und vier Poorlinge , außerdem findet sich noch ein Lochstein ( Hühnergott) in den Weiten meiner Tasche....

Wochen später halte ich einen Büffel aus Holz in meinen Händen.
  ( Blog Beitrag Büffel Medicin)....


Kommentare:

  1. Wie schön :-)
    Freue mich für dich, dass du eine so tolle Erfahrung machen durftest.

    LG
    Rihagan

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  2. Wunderschön

    Danke fürs Teilen

    LG
    Die Sammlerin

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  3. Hi yen-nene,Minerva,

    great;)

    from my heart,

    kayn

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