Donnerstag, 8. Dezember 2011

Die Magie der Tanne...


»Die Tanne ist mehr warm als kalt und hat viele Kräfte in sich. Und sie bezeichnet die Tapferkeit. Denn an welchem Ort auch immer Tannenholz ist, hassen und meiden es die Luftgeister mehr als andere Orte, und Zauber und Magie haben dort weniger Kraft und herrschen weniger vor als an anderen Orten.«
HILDEGARD VON BINGEN, Physica III, 23

Die meisten Tannen produzieren Harze, die in Geruch, Konsistenz und Charakter sehr ähnlich sind. Deshalb wurden sie früher auch "Harzbäume" genannt. In Europa gehören die Tannenharze wahrscheinlich zu den ältesten Räucherstoffen überhaupt. Der Gebrauch wurde allerdings mit dem aufkommenden Handel exotischer Harze stark zurückgedrängt.

In der frühen Neuzeit war dasTannenharz als Räucherstoff noch gut bekannt und wurde oft als Ersatz oder zur Verfälschung des Olibanum verwendet.

Wer einmal selbst das Harz der Nadelbäume gesammelt , getrocknet und geräuchert hat, wird meiner Meinung nach, immer wieder zu diesen zurück kehren. Zugegeben, das sammeln ist nicht gerade leicht, eine dreckige und glebrige Angelegenheit, bei der die Ehrfurcht an den Baumgeist auch geachtet werden sollte. Aber es ist ein magischer Akt, der das Harz sehr kraftvoll werden lässt.
 In Deutschland und in der Schweiz waren die bis 65 Meter hoch wachsenden Weisstannen oft heilige Bäume; man hielt sie für»den Wohnsitz der Götter«. Noch heute trifft man in den Wäldern gelegentlich auf Tannen, die als heilig verehrt werden. Meist sind sie an einem Marienbild, seltener an einem angeschlagenen Kruzifix erkenntlich. Die Tanne wurde auch »Kynholz« genannt,weil das frische oder getrocknete Holz aufgrund seines Harzgehalts leicht entzündlich ist und als Kienspan benutzt wurde.

Tannenharz und Tannennadeln werden hauptsächlich zur Herstellung von deutschen Räucherkerzen verwendet. Solche Räucherkerzen werden hauptsächlich in der Vor- und Weihnachtszeit in Räuchermännern abgebrannt. Gerade der Tannenduft ist eine beliebte Weihnachtsräucherung. Der Name Tanne leitet sich vermutlich von tarc = »Feuer« ab.

Die in Nordamerika verbreiteten Balsamtannen ein köstlich duftendes, medizinisch
wertvolles Harz, das ebenfalls als Räuchermittel verwertbar ist. In der pharmazeutischen Industrie wird aus diesen Tannenarten Terpentin gewonnen, das ein ausgezeichnetes Heimittel bei Wunden (Schnittwunden, Schürfungen) ist. Die Indianer rieben das aus dem angeritzten Stamm gewonnene Harz auf Verbrennungen, Schnittwunden und Schürfungen. Bei Lungenproblemen wurde
das Harz auf dem Brustkorb verteilt. Der inhalierte Rauch gilt als gutes Heilmittel bei Erkältungen und Husten. 

Die Chippewa schmelzen das Gummiharz auf heissen Steinen und inhalieren den aufsteigenden Dampf bei Kopfschmerzen. Ausserdem werden die Nadeln auf die glühenden Steine in der Schwitzhütte gestreut, um rheumatische Beschwerden zu beseitigen.

Die Ojibwa inhalieren das geräucherte Harz bei Erkältungen und verbrennen die Nadeln bei ihrer Schwitzhüttenzeremonie. Die Nadeln entfalten beim Räuchern einen ähnlichen Duft wie die der Weisstanne, allerdings mit einer etwas süsseren und balsamigeren Note. Die aromatische Innenrinde ist essbar (vgl. Kiefer).
 
Die Blackfeet benutzen die Nadeln der Bergtanne (Abies lasiocarpa), die sie katoya, kutoyiskis oder kutoyis, „ süsse Pinie« nennen, als rituelles Räuchermittel. Die Nadeln werden auch zu einem Brei zerstossen als Erkältungsmedizin auf den Brustkorb aufgetragen und mit Fett vermischt als kosmetisches Mittel und zur Parfümierung in die Haare geschmiert. 

Das Harz, das sich in Höhlungen der Rinde sammelt, wird als Wundheilmedizin aufgetragen. Die getrockneten Nadeln, die noch aromatischer duften als die frischen, wurden auch in die Medizinbündel gelegt .


Von allen Tannen eignen sich zum Räuchern am besten die getrockneten Nadeln. Sie verbrennen laut knisternd und schnell. Es entsteht ein weisser Rauch, der harzig, eben typisch nach Tanne riecht, sich aber schnell verflüchtigt. Deshalb sind Tannennadelnals Räucherstoff -bei Schwitzhüttenzeremonien gut geeignet.

Die Weiss- oder Edeltanne enthält in Nadeln und Zapfen 0,5 % ätherisches Öl, bestehend aus Bornylacetat, Pinen, Limonen,Santen u.a. Aus allen Tannen kann Terpenthin gewonnen werden (sog. Strassburger Terpentin oder Terebinthina argentoratensis).


Tannennadeln kann man einfach selber sammeln. Sie sollten unbedingt im Schatten getrocknet werden, damit nicht zuviel ätherisches Öl entweicht. Die Nadeln der Balsamtanne sind gelegentlich in Indianerschmuckgeschäften und in meinem Laden erhältlich. 

Das sehr gut duftende Öl der Sibirischen Tanne ist meist unter der Bezeichnung „ Fichte« über den Fachhandel  zu beziehen. Dieses Duftöl verbreitet ein sehr frisches Tannenaroma und ist bei allen Erkältungskrankheiten heilsam. 

Wer Interesse an Tannen und Fichtenharzen aber keine Zeit hat, diese selbst zu sammeln, kann sich jederzeit mit mir in Verbindung setzten. Ich habe seit Jahren immer einen privaten Vorrat an diesen Harzen, da man unter anderem auch eine gute Wund und Heil Salbe daraus herstellen kann. Dazu aber ein anderesmal mehr...

Weiterführende Literatur: Der Atem des Drachen /Christian Rätsch
Susanne Fischer Rizzi Mit der WIldnis verbunden

Kommentare:

  1. Liebe Minerva,

    Bin rasch durch deinen Blog geflogen und habe viel Interessantes entdeckt. Ich war sicherlich nicht zum letzten Mal auf deiner Seite. Den Beitrag zur Magie der Tanne mag ich besonders gerne. :)

    Liebe Grüsse

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  2. Wow, hier lernt man ja noch was! :) Ich schlage zwar unheimlich gerne mit meiner Familie im Werderaner Tannenhof unseren eigenen Weihnachtsbaum aber wusste nicht, dass man mit den Nadeln sowas machen kann. Wird nächstes Weihnachten gleich einmal ausprobiert ;)

    Liebe Grüße
    Beate

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