Dienstag, 15. November 2011

Die Geister des Novembers…


Momentan sind wir hier in NRW gesegnet mit einem Traumhaften Wetter. Es ist kalt ,aber die Sonne scheint, ab und zu glitzert der Frost auf dem Waldboden oder kleine Nebelfelder durchziehen die Täler...
Zeit sich auf den Weg der Rückschau zu begeben... 

Der November macht, dass ich an Menschen zurück denke, in Liebe und dem  Bewusstsein, das sie ihren ganz eigenen Weg gefunden haben....

Ich bin kein Mensch der melancholisch ist, wer mich kennt, der weiß das. Ich schaue eigentlich immer  nach vorne und liebe das Leben. Ich lache gerne und versuche aus allen Situationen das positivste zu machen. Aber umso wichtiger ist es, sich Zeit zu nehmen, doch  mal kurz und intensiv nach hinten auf den eigenen  Weg zu blicken....

Es ist November, Zeit zum Gedenken, zum Nach-denken…
Und was wäre da näher, als  einen Ort zu besuchen, der von Geistern nur so wimmelt und dessen Seelen mich nach wie vor, zum einen sehr anziehen und faszinieren, zum anderen aber auch unheimlich sind. Dieser Ort hat mich schon sehr lange in seinen Bann gezogen und ist glücklicherweise nicht sehr weit von mir. 

Nur ganz wenige Menschen habe ich dort hin mitgenommen, unter anderen auch eine Person, von der ich mich in diesem Jahr verabschieden musste. Er wird sich aber wohl weniger erinnern, als ich es tue.

Manche Menschen scheinen einen selbst mehr Wert zu sein, als der Andere es für Wert schätzt....so ist das im Leben.


Was hat mich hierher getragen?
Wo stehe ich heute?
Wer hat mich verlassen?
Wen hab ich verlassen?
Um was will ich trauern?
Um was muss ich trauern?
Was habe ich losgelassen?
Was gab ich?

Hier kann ich den eigenen "kleinen Dämönchen" von diesem Jahr begegnen, vieleicht so intensiv, weil dieser Ort eine Grabstätte ist, dessen Tote nie umgebettet wurden. Seit Jahren habe ich mich gefragt, warum ich mich so angezogen aber gleichzeitig so abgestossen von diesem Ort, mitten im Wald, fühle. Erst vor kurzem erfuhr ich, das nie eine Umbettung stattfand....(Spooky...oder?!)

Und so wanderte ich zu diesem Platz im Wald, in der Dämmerung, um nach-denklich zu werden, um Revue passieren zu lassen und mich zu erinnern an:

… meinen Opa, der im Oktober vor zehn Jahren starb..
….meinen Kater, der vor einem Jahr einfach ins Nichts verschwand …
…einen Freund, den ich loslassen musste, den ich manchmal sehr vermisse…
…eine Lebensphase, die zu Ende geht und unvermeidlich ist…
… ich bin nun  auf der Hälfte meines Lebens…was will ich für die andere Hälfte???!

Es ist meine Art über Menschen nachzudenken, denen ich intensiv begegnet bin. Im Positiven wie im Negativen. Es gehört zu mir, als meine Charaktereigenschaft, dass ich tiefe Begegnungen nicht einfach so abtuen kann. Das macht mich aus, sagen einige. Das ist meine Stärke, meinen andere. 

Es ist aber keinesfalls mein beständiger Begleiter…nur in solchen Momenten, wie diesem November Abend....
Wenn die Sonne den Abendhimmel küsst, die Farben leuchten, die Nebel die Welt um mich herum verweben und die Seins-Ebenen sich zu treffen scheinen, dann kann ich doch sehr wehmütig werden:

Nichts ist beständig, hat aber dennoch Bestand, denn nichts ist endlich! Ich werde ihnen wieder entgegentreten...wieder und wieder. Kreise in Kreisen. Wir sehen uns!

Alles hat seine Berechtigung, Liebe und Trauer, Wehmut, Verletzung, Täuschung und Verzeihen...

Und wenn mich Menschen und Situationen sehr beeindruckt haben, kommt das alles an diesen einem Punkt zusammen. Wenn sie mich verletzt haben ,oder es wollten, wenn sie mich getäuscht und enttäuscht haben, dann sehe ich in solchen Momenten, dort oben, wo die Sonne unter geht, nach meinen eigenen Wunden im Herzen. Denn sonst schaue ich nur auf die Wunden der anderen.....

jetzt, für diesen EINEN Moment, da schaue ich nur auf mich! Denn nur wenn ich um mein Herz weis, kann ich in die Herzen der anderen sehen. Nur in meiner Mitte kann ich auch Andere in ihre Mitte bringen....

Die ein oder andere Wunde ist lange geheilt, eine hat mich überhaupt nicht getroffen und eine andere blutet immer noch…
 Meine Fehler?! Ihre Fehler?! Unsere Fehler?! Gleich-Gültig....

Hier und jetzt kann ich selbst für meine Heilung sorgen...einmal zurückschauen, zu trauern, zu weinen, zu lachen und dann: das alles für mich zu akzeptieren.

Aus dieser Kraft der Trauer, der Wehmut, der Liebe, der Täuschung , wieder nach Vorne zu gehen....
Der November hat aber auch jemanden wieder zurück gebracht, ganz sachte zwar, aber immerhin ist er wieder da. Der November hat in diesem Jahr zusätzlich, für mich das Wörtchen  „ Verzeihen“ verdient,  nicht nur „Abschied“, weil wieder jemand da ist , der mir einmal viel Wert war... 
eine Wunde ist verheilt, nach langer Zeit...
Und dann, wenn das Licht verschwimmt, dann muss ich mich wieder auf den Weg konzentrieren, damit ich mich nicht verlaufe und bin froh, jemanden an meiner Seite zu haben, der eine Taschenlampe trägt, denn auch ich muss ab und an mal  nach meinemWeg schauen...….


Kommentare:

  1. Beim Anblick deiner Bilder hab ich gleich Gänsehaut gekriegt und die kriege ich immer wenn es ein ganz besonderer Ort ist.

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  2. Danke Dir..ja ein besonderer ORt, sehr versteckt. Leider dennoch der zerstörung preisgegeben. Ich denke, in etwa 10 Jahren wird nichts von ihm geblieben sein....außer seine Geschichten und die Geister.

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