Dienstag, 18. Oktober 2011

Die Mär der Elster

 

Eine  Elster reiste durch Zeit und Raum und ihr Flügelschlag glich der Kraft eines Adlers, während sie über grüne Ebenen und sandige Steppen dahin flog. Sie erblickte Rentierherden, Rehe und Bisons, roch das Gras und das Wasser unter ihr. Immer tiefer tauchte sie in die Unendlichkeit des Lebendigen Seins ein.

Erinnerungsfetzen drangen in ihr Bewusstsein  an andere, frühere  Leben.  Sie sah Bilder und Menschen vorüberziehen.  Sie kreiste über den Ruinen einer weit fernen Tempelstadt, über den Zelten der Ureinwohner Nordamerikas und über den Rundhütten der Nordisch slawischen  Stämme.

Die Elster dachte  voller Entzückung  “ Was ist denn Zeit?“
 Da flüsterte jemand ihr zu    Zeit haben die Menschen gemacht, es gibt sie nicht“!
„Wer Du einmal warst, fragst du dich?„ hauchte er ihr zu. „ Wer Du jetzt bist, willst du wissen?“ fragte die Stimme neben ihr.

„ Das ist  nicht wichtig“ krächzte ein Rabe , der plötzlich neben der  Elster vorbeiflog  „ alles vereint sich in einem ganz speziellen  Augenblick zu einem Gesamtbild…“
„ Wann wird das sein?“ fragte die Elster und der Rabe antwortete: „Im Augenblick deines Todes“ und er verschwand in den Wolken.

Die Elster war wieder allein am Himmel, da sah sie, dass sie etwas Geschenkt bekommen hatte, die Erinnerung in Form ihrer Kreativität, der Leben, die sie hinter sich gelassen hatte.
Formen, Farben und Muster der Völker, dessen Gast sie einmal gewesen war.

Das war ihre greifbare Erinnerung an das "Da-sein " vor dem "Sein"….
Und ihre Freude darüber war unermesslich groß….

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen