Samstag, 17. September 2011

Unsere Strasse....


(Foto: aus dem Hexenladen)

Ich lebe seit über zwanzig Jahren in der gleichen Strasse. Wie langweilig, würden manche von Euch sagen, wie bodenständig, andere. Wir sind zwar bunte Vögel, aber nicht flatterhaft und so lebten wir mit  unsere Kinder in ein und demselben Bereich. Zogen nur jeweils ein wenig um, von einer Wohnung in ein Einfamilien Haus. Nur die Hausnummer änderte sich, selbst die Telefonnummer blieb. Über Zwanzig lange Jahre lang….


Als ich mit meinen Mann zusammenzog, da war ich gerade achtzehn. Damals parkten auf dieser, fast Schnur geraden Straße, nur recht wenigen Autos  und zwischen den, meist nach dem Krieg erbauten Häusern, waren große Bäume und Gärten zu sehen. 


Auch gab es dort einen kleinen Spielplatz. Alle meine Kinder spielten dort, er war klein, sauber und lag idyllisch zwischen Bäumen, ganz einfach zwischen den Einfamilien Häuseren, in dieser kleinen Siedlung. Sehr oft habe ich dort auf der Bank gesessen, meinen Kindern beim Spielen zugesehen und ein Buch gelesen. Alles in allem war es eine sehr schöne Zeit.


In der Nähe gab es Wilde Wiesen und einen kleinen Pappelwald mit Bachlauf, genug Platz zum Spielen für die Kinder. Schotterwege führten durch dieses kleine Bachtal und man konnte bequem mit den Kindern ohne viel Autoverkehr von diesem Dörflichen Ambiente in den nächsten Vorstadtbereich wandern. 

Ich habe dort schon als Kind mit meinen Freundinnnen spielen können und bin auf die alten Bäume geklettert. Ich kam ja nur aus dem anderen Stadtteil, der fast genauso Dörflich anmutete. 



Die Nächte waren ruhig, kaum ein Auto auf der Straße und ich bewunderte über Jahre eine Nachtigall im Uralten Nachbarbaum, die ihre Lieder zur Dämmerung sang…


Einmal im Jahr machte der naheliegende Tennisplatz eine große Veranstaltung, das war das einzige, was dann über zwei Tage so wirklich laut wurde und viele Anwohner störte, es wurde dann nach zwei Malen kurzerhand abgeschafft, die Leute wollten keine Vollgeparkten Straßen und laute Musik bis tief in die Nacht am Wochenende und vor allem keine laut brüllenden Menschengruppen. 


Etwa bis zur Jahrtausendwende war es so bei uns. Die Einwohnerzahl wurde merklich  älter und ganz langsam beobachtet man, das die Häuser verkauft wurden. Einige sogar komplett abgerissen, es wurde Neugebaut oder die alten Häuser modernisiert und gleich der große Garten mit als Bauland verschachert….es kamen zum größten Teil neue Leute in die Strasse, die Anwohner verjüngten sich zusehends. 

Die Preise für die Häuser stiegen, war es doch ein gutes Wohngebiet, hier wollte man doch seine Kinder großziehen, in der Stadt, aber dennoch mit ländlichem Flair! 


So wuchs die Menschendichte ganz langsam und beständig heran und änderte sich. Jeder hatte plötzlich mindestens zwei Autos, man musste ja beweglich sein….

Als unsere dritte Tochter kurz nach der Jahrtausendwende in den Kindergarten kam, änderte sich schon das Bild der Strasse merklich, die Mütter brachten ihre Kinder kaum mehr zu Fuß in den Kindergarten oder in die nahegelegene Grundschule, sie wurden mit einem der Autos gekarrt , man war ja berufstätig und hatte keine Zeit mehr,( schließlich hatte man ja die teueren Häuser abzubezahlen)…die „Dreißigzone“, die auf unserer Straße und den angrenzenden Nachbarstrassen ausgeschildert war,( und bis heute noch ist) wurde dann , aufgrund von Zeitmangel, gerne ein bis zweimal übersehen, trotz der eigenen spielenden Kinder.

Es setzte ein Wandel ein, es gab nun Stoßzeiten, in der am Morgen und am Nachmittag unsere Straße stark beansprucht wurde, ein Auto nach dem anderen schepperte mit meist fünfzig Sachen vorbei und dazu kamen noch die Baufahrzeuge der Neubauten, die in die Lücken gesetzt wurden, die früher einmal grüne Gärten waren.


Die Kinder der neu dazu gezogenen wurden größer und es kamen Mofas und Motorräder , man gönnt seinen Kids ja was und zeigt ja auch was man hat. Dann bekam die erste Generation sofort nach dem 18 Geburtstag, das erste Auto, Auto Nummer drei für eine Familie…wieder weniger Platz auf der angrenzenden Straße!


Das Grün, was man noch hatte wurde gehegt und gepflegt von Gärtnern, die in regemäßigen Abständen unsere Straße befallen , um Rasen zu mähen oder die restlichen alten Bäume auch noch zu fällen. Wie den alten Baum mit der Nachtigall, nach Kyrill wurden Ängste wach, die Angst, das ein alter Baum umfällt und das schöne neue Auto vielleicht beschädigen könnte..


So starre ich heute immer wieder auf die Stelle, wo einst dieser wundervolle Riese gestanden hat und dem ich immer noch sprach, bevor ich in Bett ging, sein Rauschen fehlt mich schrecklich. Selbst die Wiesen mit dem Bachlauf wurden nicht verschont, ei n Altenheim wurde gebaut und damit die Alten nicht fallen, die Wege vom Schotter befreit und begradigt. Viele der alten Bäume gefällt und der kleine Pappelwald verschwand einfach mal ganz….

Heute muss man aufpassen, das man nicht in die vielen Hundehaufen tritt, die es dort auf den Wiesen gibt. Wo früher nur jeder Fünfte einen Hund hatte, hat nun jeder zweite Anwohner einen , ständig begenet man dort unangeleinten  und  unerzogenen Vierbeinern.

Mittlerweile sind viele der Anwohner selbst Tennisplatz Fanatiker und so gibt es in regelmäßigen Abständen kleinere Events mit vielen Autos und Grillaktionen bis spät in die Nacht. Es wird selbstverständlich das Auto ausgeführt und gleich etwa zwanzig Meter zum Parken bewegt…vom wilden herum Gebrülle beim Tennisspielen ganz zu schweigen, wenn man im Garten sitzt und ein „Scheiße“ durch die Luft gebrüllt wird, könnte einem schon mal die Teetasse aus der Hand fallen, von den Fußball schreienden Hälsen, die im Vereinsheim regelmäßig ihren Club begeistert zubrüllen, mal ganz abgesehen. 



Wenn meine Katzen nicht schon im Haus wären, würde ich sie heute hier nicht mehr auf die Straße lassen. Niemand fährt hier mehr die Dreißig Stundenkilometer und wenn die Menschen früher im Garten in lauen Sommernächten zusammen saßen, um sich leise miteinander zu unterhalten und das draußen sein zu genießen, so sitzen sie heute bis früh um fünf zusammen, saufen und hören laut Musik, so dass ihre Umgebung beschallt wird und auf nichts und niemand Rücksicht genommen wird. Jedes laue Wochenende ein anderer Nachbar und manchmal einige zusammen. 


Am Sonntag wird in die Kirche gegangen, sehen und gesehen werden, das hat sich hier kaum geändert. Danach wird noch schnell der Rasen gemäht, man hat ja sonst keine Zeit. Dann wird die Umgebung laut mit Fußball beschallt oder Musik. Ruhe hört sich anders an! Oder die Kinder spielen mit fünf anderen auf dem eigens für sie hergerichteten Fußball Platz im Garten Fußball, und nach zehn Uhr am Abend geht’s weiter, schließlich ist der mit Flutlicht ausgestattet! Tja…man bietet heute seinen Kindern was, koste es was es wolle! 

Der kleine Spielplatz musste übrigens  vor einigen Jahren einem weiterem Haus weichen, das steht nun dort an der Stelle, wo einst meine Kinder im Sand spielten....

Und wir, die bunten Vögel…??? 

Wir verlassen diese Umgebung, mein Mann nach vierzig Jahren, ich nach über Zwanzig. 

Es wird Zeit  einem Abschnitt „ Lebewohl“ zu sagen und einer Vergangenheit hinterher zu trauern, die es so wohl nie mehr hier geben wird….denn eigentlich wohnen wir in einem "...weg" ,den es aber in dieser Beschreibung  nicht mehr gibt, er musste  einer "echten"  Strasse platzmachen!

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