Dienstag, 12. April 2011

Das Schicksal ist Weiblich!



Eine Esche weiß ich,
heißt Yggdrasil,
Den hohen Baum
netzt weißer Nebel;
Davon kommt der Tau,
der in die Täler fällt.
Immergrün steht er
über Urds Brunnen.

Davon kommen Frauen,
vielwissende,
Drei aus dem See
dort unterm Wipfel.
Urd heißt die eine,
die andre Verdandi:
Sie schnitten Stäbe;
Skuld hieß die dritte.

Sie legten Lose,
das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen,
das Schicksal verkündend.


Die drei Nornen Urd, Werdandi und Skuld sind Schwestern, die ihren Wohnsitz unter einer der Wurzeln des Weltenbaumes Yggdrasill haben. Vermutlich sind sie die Töchter des Riesen Mögthrasir
 Die Völuspa berichtet von ihrem Auftauchen in Asgard, worauf sich die Lebensweise der Götter grundlegend veränderte. Die Nornen beanspruchen eine abgelegene Wohnstätte unter der Weltenesche, wo eine Quelle entspringt. Dort legen sie einen Brunnen an, in dessen Mitte fortan zwei Schwäne schwimmen, deren weißes Gefieder  Reinheit und Schuldlosigkeit verkörpert.

(Der Schwan ist , wie der Storch ein Vogel der Göttin – Weis sein Gefieder , Weiss wie die Jungfrau, Rot seine Beine- Rot wie das Mensis Blut und Schwarz sein Flügel-Schwarz wie die Ahnenfrauen)

 Hier  findet sich eine Verbindung in den Schwanenjungfrauen, den Walküren, denen ebenfalls schicksalswaltende Kräfte zugeschrieben werden. Jeden Morgen schöpfen die drei Nornen Wasser aus dem Lebensbrunnen und mischen es mit zauberkräftigen Schlamm, woraus sie eine heilende Paste gewinnen. Diese streichen sie auf die Wurzeln des Weltenbaumes, um diesen vor Fäulnis zu bewahren, welche durch des Gift der Nidhögg Schlange  entsteht.

Desweiteren  versammeln sich täglich die Götter am Nornen Brunnen zur gemeinschaftlichen Beratung.
Urd (Ursprung), der Name der ältesten Norne, wird abgeleitet von dem altgermanischen Wort „wurd“ oder „wyrd“, was so viel wie „persönliches Geschick“ bedeutet. Urd ordnet man die Vergangenheit zu.
Das Wyrd kann man sich als eine Art Netz vorstellen, das einen jeden Menschen umgibt und dessen Fäden im Verlauf des Lebens mit anderen Menschen verknüpft oder wieder gelöst werden. ( Gleichsam mit der Satzstellung „…das wird …“)Die zweiten Schwester Werdandi (Werden) wird der  Gegenwart  zugeordnet und der Dritten Skuld (Schuld) die Zukunft. 

Mit den Schicksalsgöttinnen  werden auch die drei Mondphasen, abnehmender-, zunehmender- und Vollmond in Verbindung gebracht. Einige Forscher vertreten die Ansicht, bei diesem zeiteinteilenden Konzept seien dem Verfasser der Völuspa hätte  antike Vorbilder wie die drei Parzen oder Moiren.

Die nordischen Überlieferungen  geben einige Einblicke in den Wirkungskreis der Nornen, der sich vom Spinnen, über das Orakeln und Weissagen, bis hin zur Hebamme erstreckt.
Sie bestimmen über Leben und Tod von Mutter und Kind,  sie tauchen auf, um einem Neugeborenen die Schicksalsfäden zu  spinnen und die Zukunft voraussagen.

 Es gibt zahlreiche Märchen von den Nornen (dort sind sie meist Feen), die, je nach Gesinnung, dem Menschenkind zürnen und es verwünschen oder ihm Glück mit auf den Weg geben. In diesen Geschichten handelt es sich oft  um sogenannte  Völvas oder Disen, die als Seherinnen, Kräuterfrauen, Schamaninnen und Hebammen hohes Ansehen genossen. 

Wenn Du die Nornen aufrichtig
um Glück bittest,
wird die liebste Göttin
Dir einen Kranz von Blumen bringen.
Wenn Du ihn nicht ergreifst,
bekommst Du vielleicht
nur einen Kranz
voller Diesteln…

(Z.Budapest)

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