Dienstag, 21. November 2017

Die Stille Zeit...


Mehr und mehr wird es stiller her. Nicht dass es je laut werden würde. Nicht hier, am Rande der Küste, am Ende des Landes. Hier wird höchstens der Wind laut, so laut, das ich immer noch überrascht aufhorche, wenn er anfängt zu singen und ich in meiner Zauberwerkstatt in der stille arbeite, oder draußen am Baum meditiere. In der Stadt ist es halt „nur“ Wind, hier draußen, ist es die Windsbraut, eine stürmische Seele, die ich mag. 
Mit ihr tragen sich dunkle Gedanken und Melancholie davon, mit ihr schicke ich Grüße und gute Wünsche, wie auch schlechte Gedanken durch Raum und Zeit….



Still ist es, nur die Möwen und die Raben kann man ab und anhören. Auch die Landwirtschaft wird langsam stiller. Die Kühe sind drinnen und die Felder und Wiesen werden nicht mehr geschnitten…wer raue See, Wind und Wetter mag, die Grobheit der Natur, den Nebel und eben die Einsamkeit, ist jetzt hier genau richtig. Die Natur geht schlafen, es wird schon um fünf stockfinster. Hier um mich her, ist niemand, keine Beleuchtung. 


Manch einer kann die ersten Tage gar nicht schlafen, zu ruhig ist es hier und die Helle Zeit ziemlich kurz. Man hat das Gefühl, das der Tag nur so dahinfliegt, die Stunden zu Minuten werden.

Still ist es, nur unsere kleinen Siebenschläfer und der Marder im Dach, die hört man knabbern, wenn es draußen dunkel ist. Umso kälter es wird, umso aktiver die kleinen Knabbertet auf dem Hof. Ab und an begegnet mir am frühen Abend ein dicker Igel. Und die Fledermäuse haben schon Quotier im Türsparren der großen Deelen bezogen. Jetzt fliegen sie nicht mehr. 



Ich liebe es , so still. Manchmal höre ich beim arbeiten Musik, eher leise. Manchmal höre ich beim Hausputz laut Musik, tanze und singe durch die Räume. Meist aber ist es still, denn es ist wunderbar, nur den Wind zu hören. Ab und an wird es laut, wenn der Regen und die Gischt, die durch den Wind weitergetragen wird, an die Fenster trommelt. Dann sind sie am nächsten Tag Weiß, voller Salz des Meeres. Aber was soll´s . Ganze Rinnsale laufen auf den großen Dachfenstern meines Ateliers herunter, vereinigen sich zu einem kleinen Wasserfall der vor dem Hof niedergeht. Im Kamin prasselt das Feuer. 
 Auch im Laden ist es still geworden, jetzt kommt mal ab und an jemand vorbei. Nächste Woche erwarte ich eine Kindergruppe, aber ansonsten machen sie die Urlauber jetzt rar hier auf der Halbinsel. Bis kurz vor Weihnachten ist das so.
 


Jetzt gehe ich in mich, lese ein bisschen, arbeite, spreche mit meinen Geistern oder bereite das Haus auf die Weihnachtszeit vor, mache es mir gemütlich. Kein Auto, kein Straßenlärm, kein Hupen, kein mähen, kein Flugzeug, kein ….irgendetwas...!!!


Es ist still hier, nur das Holz im Ofen knackt frech vor sich hin und meine Katze schnurrt auf dem Sessel daneben…….
die Welt kann mich mal, wenn ich das so will….ich liebe diese Zeit!

Donnerstag, 16. November 2017

Zwischentöne...

 Mein kleiner „Urlaub“ ist nun wieder um. Nun, so richtiger Urlaub war es eigentlich nicht. Es gab so viel zu tun, das wir gar nicht rausgekommen sind. Was aber auch heißt, das dementsprechend auch Bestellungen im Online Shop eingegangen sind. Außerdem war ich zwischenzeitlich ziemlich kreativ und habe wieder eine Menge Neues und Altes gefertigt…


Wenn ich eine echte Auszeit haben wollte, müsste ich wegfahren oder eben weder ans Telefon gehen, noch für den Online Shop arbeiten. Aber das kann ich mir momentan nicht leisten. 



Und da es mir ja auch nach all den vielen Jahren immer noch viel Spaß macht, ist es nicht ganz so tragisch, halt mal nicht wohin gefahren zu sein. Dennoch, zu Hause zu arbeiten ist immer eine Gradwanderung, zwischen zu wenig Disziplin oder zu viel davon. Man muss lernen, bei der Sache zu bleiben aber dann auch am Abend alles hinlegen und ruhen zu lassen. Das heißt zusätzlich, Mails am anderen Tag beantworten, nicht bei Facebook zu schauen und schon gar nicht bis spät in die Nacht in der Zauberwerkstatt zu arbeiten. 



Das gäbe dann ganz schnell einen hohen Energie Verlust, nebst Burn Out. Ich versteh eh nicht, wie manche es schaffen, bei Facebook immer so präsent zu sein, wahrscheinlich haben die viel Zeit oder keinen Beruf…immer wieder sehe ich, wieviel scheiß dort auch weitergereicht wird. Meine Güte, die Bildzeitung ist harmlos gegen den blanken Unsinn an falscher Information dort! Eine Welt in unsere Welt, so ist Facebook. Und es frisst wahnsinnig viel Energie. 



Nein, ich bin froh, das bald wieder meine Zauberschwestern kommen, und wir zusammen wieder arbeiten können. Ich mag diese Frauengruppe nicht missen. Eine so starke, intensive und kraftvolle Verbindung mit viel Magie hat sich daraus entwickelt. Eine intensive Schwesternschaft. Soetwas kann man nur real erleben, im Leben und nicht Online! Ich finde es mittlerweile eh ziemlich gruselig, was so alles online angeboten wird. 


Letzte Woche kam eine Anfrage eines Journalisten, mit dem ich heute einen Termin hatte. Es war ein wirklich schönes und nettes Interview, auf das ich sehr gespannt bin. Mitte Dezember wird es veröffentlicht.



Und dann bekomme ich von der lieben Andrea, die mich im Sommer für ihren Blog interviewt hatte ,( LINK) noch eine nette Mail, das ihr Bericht über mich, auf der Seite von „Mein Niedersachsen“ erschienen ist. Ziemlich klasse! 



Na es läuft doch! Sehr schön!

Des Weiteren warten wir auf den Sendetermin von Mare TV, welches bei Arte, Phönix, 3 Sat und dem NDR laufen wird. 

Am Sonntag habe ich noch einen Kräutervortrag für den Tierschutz in der Jahnhalle, hier in Nordenham. Bin mal gespannt. Ich hoffe, es sind einige dort, damit es sich auch lohnt.
Auch Weser TV hat wieder angefragt, mit denen ich in der nächsten Woche wohl wieder drehen werde. ...Also ausreichend zu tun.  

Und nicht zu vergessen, das kommende Weihnachtsgeschäft! Also, sowas wie "Langeweile" ist aus meinem Wortschatz erst mal gestrichen...

Samstag, 11. November 2017

Wissenswertes über Hausgeister....


Über Hausgeister habe ich schon einmal 2011 geschrieben. Allerdings in einem anderen Zusammenhang. Deshalb gibt es hier nochmal ein paar Wissenswerte Überlieferungen dazu:

Schon viele der Uralten Nordstämme kannten einen Hausgeist. 
Ihm war regelmäßig zu Opfern. "Geisterdienst" wurde das  genannt. Die Geister des Hauses und auch der Umgebung wollte man nicht vergrämen. Das war sehr wichtig!
„So brachte man den Hausgeistern von jedem Sud Bier und jeder Backet Brot die erste Gabe dar, ehe man es selbst versuchte; auch gab ein neuer Hausbewohner ihnen ein Opfer von Salz, Bier und Brot. Bei jedem Schmauſse legte man ihnen etwas zurück, und Milchopfer für sie waren gewöhnlich.“

Für die Geister des Grund und Bodens gab es folgendes zu beachten:
"Vom Michelstag ( etwa der 29. September) an, drei bis fünf Wochen lang +musste man folgendes begehen:

Während dieser Zeit wurde von der Abenddämmerung an nicht mehr in den Häusern gearbeitet, und früh schlafen gegangen, um die herumgehenden Geister der Väter nicht zu stören. Der letzte Abend des Festes wurde mit einem Essen gefeiert, dabei aber den Geistern im Vorhaus auch ein Tisch mit Speise und angezündeten Lichtern hingestellt. Wobei auch ein Büschel dürrer Späne auf das Grab der Verstorbenen gelegt wird, das die Geister sich in der Nacht Licht machen können. .."
(Vielleicht kommt daher der Brauch der „Totenlichter“ auf den Friedhöfen?)

Einen Hausgeist, besitzt nach dem slawischen Volksglauben jede Wohnung oder jedes Haus. Sollte dieser Hausgeist in der Wohnung oder dem Haus fehlen, dann muss er mittels eines magischen Rituals diese Wohnstätte mit einem Hausgeist beseelt werden. Gewöhnlich ist der Hausgeist jedoch bereits in der Wohnung oder dem Haus vorhanden. Damals jedenfalls. 

Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es in der modernen Zeit nicht mehr so ist, da viele nicht mehr an den guten Geist im Hause glauben. Und dieser sich so unnütz fühlt und verschwindet. Auch machen Neubauten oder Feuer ihm zu schaffen.

Er wacht ja eigentlich über die Ruhe in der Wohnung oder dem Haus, beschützt die Bewohner und macht das Leben glücklich. In sehr vielen polnischen, norwegischen, finnischen, schwedischen sowie russischen Familien hat er bis heute, seinen festen Platz im täglichen Leben. Für alles, was das Zusammenleben mit einem Hausgeist betrifft, gibt es im dortigen Volksglauben eine Vorsorge oder ein Ritual.

Man darf zum Beispiel, den Hausgeist nicht vergessen, wenn man aus einer alten Wohnung oder einem alten Haus in eine neue Wohnung oder ein neues Haus umzieht. Er muss von den Bewohnern liebevoll eingepackt und mitgenommen werden. Wenn der Hausgeist zu diesem Umzug nicht eingeladen wird, dann bleibt er in der alten Wohnung oder dem alten Haus und wird sehr leiden, wenn dort jemand einzieht, der diesen nicht akzeptiert.
Um mit seinem Hausgeist gemeinsam umzuziehen, nimmt man einen alten Hausschuh oder eine kleine Holzschachtel, in die man ein kleines Kissen hineingibt, macht diesen weich und bequem und sagt:

„Der Großvater Hausgeist! Bitte gehe mit uns in das neue Haus, auf das neue Leben, auf den Reichtum“.

Danach nimmt man den Schuh oder den Kasten und bringt ihn in die neue Wohnung oder das neue Haus. Diesen stellt man in die Küche der neuen Heimstatt ab, denn die Hausgeister lieben sehr die Küche und vor allem den Herd und das Herdfeuer.
In der ersten Nacht, in der man in der neuen Wohnung /Haus übernachtet, stellt man auf den Küchentisch eine Tasse voll Milch und auf einen Teller legt man etwas Gebäck und Süßes.

Dabei erzählt man zum Hausgeist, dass auf dem Tisch die Bewirtung für ihn steht. Damit er sich ganz wieder zu Hause fühlen kann.
Am Morgen kann man die übrige Milch trinken und auch das Gebäck und das Konfekt essen oder es Kindern geben. Schöner ist es aber, wenn man alles dann nach draußen bringt. Der Hausgeist ernährt sich nur aus der Energie, von diesen Bewirtungen, denn er isst nicht physisch. Je mehr wir ihn aber akzeptieren, desto Materieller kann er werden.  Eine Woche nach der Überführung des Hausgeistes in die neue Wohnung, kann man den Schuh oder die Kiste aus der Küche entfernen.
Wenn in der neuen Wohnung oder dem neuen Haus aber der fremde Hausgeist geblieben ist, weil ihn die vorigen Bewohner nicht mitgenommen haben, so beginnen die Hausgeister zu streiten und zu schimpfen, sagt die Überlieferung. 

Um dieses Problem zu lösen, nimmt man ein Stückchen  Brot und eine Kupfer Münze. Darauf streut man eine Prise Salz. Das wickelt man in ein kleines Blatt weißes Papier und klebt es mit Klebeband über die Eingangstür zur Wohnung oder dem Haus.

In der Zeit, wo man alles vorbereitet muss man sagen:
„Hausgeist, Hausgeist! Meinem Hausgeist bleib ich treu, fremder Hausgeist, von mir nimm das Geld, damit kein größerer Schaden wird. Eß das Brot und das Salz, und gib in dem Haus die Ruhe. Zieh in Frieden von dannen! So sei es!“
Danach wird man in der Wohnung oder im Haus sofort die Wärme und die Gemütlichkeit spüren, beschreibt die Überlieferung.  

Einmal in der Woche sollte der Hausgeist – in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag – gefüttert werden. Am Abend muss man auf den Tisch in der Küche eine Tasse mit ein wenig Milch stellen. Daneben legt man auf einen Teller etwas Gebäck oder etwas Honig.
Am Morgen kann man mit der Milch die Zimmerblumen begießen. 
 ( Naja, vieleicht hat es die Katz schon weg geschleckert)

Das Backwerk und den Honig kann man nach draußen bringen oder auch selbst essen. Wenn man seinen Hausgeist sehen und sprechen will, dann ist die beste Zeit dafür am Donnerstag, morgens 03.00 Uhr, sagt die Überlieferung. (Tatsache, so gelesen)

Nach dem Volksglauben kann ein Hausgeist männlich oder weiblich, klein oder groß, jung oder alt sein. Wer seinen Hausgeist kennt, weiß auch seinen Namen und seine Gewohnheiten. Ihn mit Namen anzusprechen, bringt Glück.
Jeder Hausgeist ist verschieden in seinen Interessen und Fähigkeiten. Gemeinsam lieben alle Hausgeister kleine Geschenke von den Bewohnern der Wohnung oder des Hauses, so beispielsweise etwas glänzendes Kleingeld, Schuck, Schlüssel oder Edelsteine. Bekommt er keine, nimmt er sich einfach welche. 
Das sind dann die Dinge, die wir irgendwo ganz sicher haben liegenlassen und die dann nicht mehr auftauchen. Oder sehr viel später an einer anderen Stelle wieder da sind. Wirklich so erlebt!

Die für den Hausgeist gedachten Geschenke müssen ihm angekündigt werden, damit er diese auch in Besitz nimmt. Dafür sagt man zum Hausgeist, dass auf einem gut zugänglichen Ort ein Geschenk für ihn steht. Da sich Hausgeister sehr gern in der Küche aufhalten, sollte man diese Geschenke in der Küche der Wohnung oder des Hauses hinterlegen. ( Siehe auch meinen Artikel über den Herdgeist und Feuergeist)

Dienstag, 7. November 2017

November Geister....

Gestern Morgen stand ich am Fenster und blickte zu unserer alten Marille am Rand unseres Grundstücks. Neben ihr tauchte ein Schatten auf, wie eine Gestalt mit Kapuzenmantel. Wie mit weit geöffneten Armen stand sie da. ...


Es sah so aus, als ob sie viele kleine Seelen unter ihren Armen verborgen hielt…ich schaute intensiver und sah sie immer noch. Nun gut, dachte ich, dann ist das halt so. Ich nickte ihr zu und grüßte sie still. Dann wandte ich mich zum Frühstück. Als ich nochmals nachsah, was die Schattenfrau verschwunden. 


Ab selben Abend saß mein Mann in einem Sessel, mit Blick nach draußen. Er hat den selbe Blick durch das Fenster, wie ich am Morgen. Es war dunkel und die Mondin schien hell auf die Wiesen hinter dem Hof. Hier geht der Blick auch im Dunkel noch recht weit, diesmal aber lag ein wenig Nebel über den Wiesen.

Mit einem Mal taucht ein rotes Licht auf, kommt wie aus heiterem Himmel und steht kurz über dem Feld. Dann verschwindet es. Ich sehe es nicht, nur mein Mann. Bis ich am Fenster bin, ist es weg.
Ich gehe raus, zu mindestens kurz nachsehen, weil hier weit und breit niemand ist und auch der nächste Hof so weit entfernt, außerdem ist es ziemlich kalt. Ich stehe an der großen zweiflügligen Scheunentüre. 


Schaue quer zum Zaubergarten und hinauf, in den wunderschönen Sternenklaren Himmel über mir. Hier gibt es keine Lichtverschmutzung, wie in einer Stadt. Das ist auch das, was ich sehr zu schätzen weiß. Still ist es . Sehr still.
Und kalt ist es an diesem Abend, so kalt, dass ich meinen Atem sehen kann.

Das weiße Licht von Frau Mond wird vom Nebel zwischen Boden und Luft, reflektiert. Kein Laut, kein Wind. Ich gehe nur ein paar Schritte. Die Energie ist Zwischenzeitlich und dicht. So könnte es in der Geisterwelt aussehen. Leises Lachen und Stimmen kommen drüben vom Feld, ich bekomme eine Gänsehaut. Genau diese Stimmen hatte ich im letzten Jahr auf dem Samhain Ritual gehört…Die vergesse ich nie. Ich gehe nicht weiter, weil ich weiß, dass das hier etwas ist, bei dem ich nichts zu suchen habe. Mein Instinkt sagt mir, ich solle wieder hineingehen. Etwas ist da draussen, was keine Störungen will. 
Immer wider kommen mir in solchen Situationen Geschichten in den Sinn, vom Erlkönig oder den Heinzelmännchen. Es ist gut, Respekt zu haben und nicht zu neugierig zu sein. Es kann gehörig schief gehen, hinterfragen zu wollen. Ich lasse es und schließe die Hoftüre.


Heute Morgen ist Frau Percht über das Land an der Nordsee gezogen und hat gleich ihre Nebelschwestern dagelassen. Einen Spaziergang rund um den Hof, lasse ich mir nicht nehmen. 



Kurz den Schal um und die Jacke über der Jogginghose, hier ist eh nie einer und raus geht es. Wunderbar klare Luft, kein Wind. Ein paar Sonnenstrahlen versuchen es durch den Nebel, der aber ganz langsam dichter wird. Jedes Mal aufs Neue bin ich fasziniert. Und dann fliegen noch die Kraniche über mich hinweg. Ja, nun wird es Winter werden. 


Als ich reinkomme, wartet der Kaffee in der Küche und der Kamin prasselt in der Zauberwerkstatt, in einigen Stunden hat er zumindest die Küche und den Flur geheizt.

Es wird nun Zeit alles auf den Winter einzustellen. Draußen im Garten fallen die Pflanzen in den Winterschlaf und die Bäume werfen ihr letzten Blattwerk ab. Es liegt auf dem Weg und raschelt und knistert.  Alles was nun an Beeren und Kräutern noch wächst gehört der dunklen Göttin. Ihre Nähe kann ich nun ganz deutlich fühlen…


Donnerstag, 2. November 2017

Samhain im Bauch der Mutter




 Samhain….



Über die Schwelle,
in die Dunkelheit gehen.
Hinein in den Schoss
von  Mutter Erde.
Da hockten wir, 
räucherten wir,
 opferten wir,
 sangen wir,
 beteten wir.
 Miteinander verbunden,
 Hand in Hand und
  Herz an Herz,
 den Herzschlag fühlen,
 ihrer Weisheit lauschen.
 Die Ahninnen ehren...
 Den alten Göttern nahe!



Am Sonntag reisten die ersten meiner Gäste an und so stimmten wir uns ganz langsam auf Samhain und dass Ahnenfest ein. Am Dienstagmorgen, ganz früh, als dann alle da waren, fuhren wir gemeinsam zu den alten Kultorten unsere Ahnen, dort, wo schon seit Jahrtausenden solche Art von Ritualen abgehalten wurden….


Warum nach Stonehenge fahren, wenn wir selbst ein Land voller alter Plätze und Schätze haben??!! Und ich habe das Glück, das in meiner Umgebung mehr als genug solcher Schätze zu finden sind!





Das Wetter ließ zu wünschen übrig, es regnete leicht und erst war es ziemlich kalt und ungemütlich. Novemberwetter. Nicht immer können wir so ein Glück haben, wie im letzten Jahr und so waren wir dementsprechend vorbereitet.



Zuerst führten uns die Ahnen zu einem der größten Grabkammern in Deutschland. Das Hünengrab, auf das man vor dem eigentlichen großen Grab trifft, ist schon beeindruckend, aber man staunt noch mehr, wenn man, der Biegung folgt und auf das große Ganggrab stößt, dessen Deckplatten noch komplett vorhanden sind. Es wurde natürlich restauriert und somit ist es erhalten geblieben.



Ich kannte diesen Ort schon, ich war vor etwa 15 Jahren schon einmal dort. Damals hatte in der Grabkammer, der Fotoapparat meines Mannes komplett versagt. Die daraus resultierenden vernebelten Fotos, waren auf ihre ganz eigene Art, ziemlich beeindruckend.

Wir wanderten alle erst einmal in Ruhe um diese große Grabkammer, um sie von außen zu betrachten und um uns mit den Geistern des Ortes anzufreunden.



Ich selbst hatte das Gefühl, das es gar nicht nötig war, irgendwie schienen die Geister auf uns gewartet zu haben. Dennoch, als wir wieder auf dem großen Platz vor dem Eingang standen, wanderten gerade zwei Männer südländischer Herkunft in das Grab hinein.



Wir alle schauten ein wenig überrascht, ja, ich gebe es ungerne zu. Und irgendwie hatte ich dieses „Vorurteil“:  Was machen denn die hier?! Was wollen die denn hier?! 
Komisch und ja, irgendwie so richtig dumm von mir.  
Aber es war  ein spontaner Gedanke, für den ich mich gerne entschuldige. Eigentlich schauten sich alle ein wenig fragend an.
Wir warteten also einige Minuten, bis die zwei wieder hinaustraten.
 
Unsere Männer blieben draußen, sie waren so nett, zu warten. Wir hatten sie gebeten, als eine Art Wächter zu fungieren.

Wir Frauen quetschten uns, durch den „Geburtskanal“ in das Innere der Grabkammer. 


Einen Augenblick Überwindung kostete der enge Gang schon und auch im Inneren war es sehr düster und stehen nicht möglich. Aber es war weder kalt noch unheimlich. Ich hatte sofort das Gefühl, willkommen zu sein. Es roch nicht und es war nicht dreckig. Leider werden manche Grabkammern als Toiletten missbraucht und als Müllhalde. Alles schon gesehen.




Als alle Frauen anwesend waren, hatten sich meine Augen auch an das Dämmerlicht gewöhnt und so packten wir unsere mitgebrachten Opfergaben aus, stellten ein Licht in die Mitte und hockten uns im Kreis um unseren kleinen Altar.




Das Räucherwerk wurde entzündet und schon fing jemand an zu summen, eine weitere und noch eine und dann entstand spontan ein Chant der eine eigene Dynamik entwickelte.

Die Energie floss im Kreis, ohne dass wir groß etwas tun mussten, außer singen.



Alle hockten da, sangen:

mit den Füßen fest auf Mutter Erde,

ehren wir sie, mit jedem Schritt,

unsere Liebe fühlt ihren Herzschlag,

unser eigenes Herz schlägt mit.

Heya, heya heyaaaaa



Wir mussten nicht laut singen, es war eigentlich leise, bedächtig, ehrfürchtig.

Die Wände sangen mit, der Boden pulsierte, wie der Pulsschlag der Mutter Erde und alles rund herum verschwamm für einen Augenblick. Selbst meine schmerzenden Knie, von der unbequemen Hockposition, die waren verschwunden….

(Notiz :Das nächste Mal wird eine Unterlage mitgenommen)




Dann aber hörten wir unsere Männer, es näherten sich Leute.

Ganz ruhig und fast ehrfürchtig schauten die Besucher zu uns rein, fragten, ob sie stören würden und betraten den Raum. Schauten sich kurz um, grüßten nett und verschwanden wieder…

Wir ließen uns nicht ablenken und dann opferten wir gemeinsam in einem Gebet den Ahnen und Geistern des Ortes:



Für die Ahnen, die vor uns hier waren

Für die Alten, die diesen Ort verwalten



Ein Gebet, eine Anrufung und wir summten gemeinsam wieder. Als plötzlich, wie eine Herde Trampeltiere, mehrere Menschen inklusiver ihrer Hunde sich in das Grab drängten. Nicht achtsam, nicht bedächtig. Nein, schnell, hektisch, laut! Obwohl sie uns gehört hatten!




Dann schauten sie uns kurz, wie Tiere im Zoo, an und trampelten so laut, wie sie gekommen waren, auch wieder nach draußen. Wir sahen uns an, schüttelten den Kopf, vor so viel Unachtsamkeit.

Wir packten dann in Ruhe ein. Langsam gingen dann auch wir wieder dem Licht entgegen, Es war wie eine Geburt und ich atmete ein und erst wieder aus, als ich draußen stand.




Beeindruckt standen wir dann alle im Kreis, wieder draußen. Die Männer erzählten, das sie sich mit den beiden südländischen Männern unterhalten hätten. Einer wohnte hier und hatte Besuch von einem Freund, den er unbedingt unsere Steinzeitliche Kultur zeigen wollte. Beide sprachen sehr beeindruckt und ziemlich ehrfürchtig von diesen Orten. Schön wenn jemand so viel Respekt vor einer, für ihn fremden Kultur hat. Immer wieder erfreulich.




Und als wir so zusammenstanden, da kletterten hinter uns, diese Familie, die schon vorher unangenehm aufgefallen war, mit ihren zwei Hunden und mehreren Kindern, auf dem Ganggrab herum, machten so einen Lärm, so, dass wir beschlossen, uns zum ersten Steingrab zurückzuziehen, um dort unser Ritual zu beenden.



Dabei meinten alle, wie respektlos doch diese Leute, mit diesem Ort umgehen, obwohl auf einem Schild zusätzlich stand, man solle nicht auf den Gräbern herum klettern. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und war froh schnell weiterzugehen, denn ich wollte keine unnötige Konfrontation. Leider aber sollte es anders kommen….




Ein paar Meter entfernt lag das andere große Hünengrab vor uns. Hier wollten wir uns von dem Ort verabschieden.

Wir suchten uns eine schöne Stelle, um dort noch einmal zu räuchern und ein paar Gaben auf den Steinen zu hinterlassen. Als wir alles dekoriert hatten, der Rauch in den Himmel stieg und wir im Kreis standen, da kam der Vater dieser Familie um die Ecke, sah uns, brüllte zu dem Rest seiner Bagage: „Kinder, kommt, hier könnt ihr klettern!!!“ Wir konnten es nicht fassen!



Es war so offensichtlich, dass er uns stören wollte und dazu noch ärgern!

Die Kinder waren verhaltender, als sie uns sahen. Ihr Instinkt sagte ihnen wohl, dass man uns nicht stören sollte, das man so oder so Menschen bei Gebeten oder Meditationen, was auch immer, nicht stört! Aber dem Vater schienen wir ein Dorn in seiner Krone zu sein.




Sie Liefen an uns vorbei, aber wieder sagte der Typ laut: Nun los, klettert doch! Da geht klettern! Zeigte auf uns!




Nun, da riss mir dann die Hutschnur. Aber auch meine Schwestern wurden ärgerlich. Ich drehte mich um und sagte in dem nettesten Ton überhaupt (was gefährlich sein kann) “…Sagen sie mal, klettern ihre Kinder auch auf den Gräbern von Oma und Opa herum? Oder auf dem Altar in der Kirche? Außerdem steht es auch auf den Schildern.“




Kurz irritiert, wohl aufgrund dieser Überlegung, schaute er mich an, keifte aber dann: „…dann rufen sie doch die Polizei“ (diesem Geistig Armen Menschen, fiel wohl nichts Anderes ein, als diese Phrase)

Ich lächelte nur, sagte wieder ganz und gar freundlich:

„Nein, warum sollte ich das?

Es war nur eine Frage zum Nachdenken“




Das kleinste der Mädchen war zwischen her neugierig geworden und näherte sich langsam. Eine meiner Hexenschwestern sprach sie an, ob sie mal schauen möchte, was wir da machen. Ihre Augen wurden groß und nein, sie wollte nicht…

da beschloss diese Familie dann, es wäre doch besser zu gehen. Sie hörten aber noch, wie ich laut sagte, „…dass man so Kinder zu Respektlosigkeit gegenüber der eigenen Geschichte erzieht...!“ Ich befürchte aber, das solche Art Menschen, nicht im mindesten verstehen, dass so eine Stätte kein Spielplatz und auch kein Hundeklo ist!

Nur kurz danach verließen auch wir den Ort.




Wie symbolhaft!!!

Da kommt ein Männerpaar, aus einer ganz anderen Kultur, ist respektvoll und voller Ehrfurcht über diesen Ort, ja fast schon stolz, wie mein Mann uns erzählte, und da ist eine deutsche einheimische Familie, die ihren Kindern pure Respektlosigkeit gegenüber ihren Ahnen vermittelt! Diesen als Spiel und Kletterplatz missbraucht!

Und uns bewusst störte, wogegen diese zwei Männer freundlich grüßten. Denn schließlich hatte diese Familie schon draußen gehört, das im Inneren gesungen wurde, wie alle anderen vorher auch, was das alles noch offensichtlicher werden ließ. Also auch Ignoranz einer anderen Religion gegenüber!




Es regnete leicht und wurde kälter, als wir zu den Autos gingen. Wir steuerten noch ein weiteres Ziel an. Dort konnten wir in Ruhe Essen und uns nochmals über alles austauschen. 


Tief beeindruckt waren alle von dem Grab und davon, wie schnell wir alle wieder einmal zusammen in die Energie kamen. Natürlich wurde nochmals über das Zusammentreffen mit diesen respektlosen Menschen geredet, aber auch wir nett wir von den anderen Besuchern behandelt wurden. Es war ein Tag voller Gegensätze.




Gestärkt wartete noch ein weitere Kraft Ort und Ahnenplatz auf uns. An diesem sagen wir nochmals, automatisch, wie selbstverständlich. Wir fühlten uns in die Steine und gaben ihnen unsere letzten Gaben, die wir noch hatten. Hier waren auch Besucher, keiner aber störte uns, keiner näherte sich uns in dem Moment als wir sangen und an den Steinen räucherten.
Erst als wir fertig waren, kamen die ein oder anderen näher. 




Am Nachmittag machten wir uns wieder auf dem Weg zum Hexenhof.



Natürlich mussten sich dann erst einmal alle sammeln, sich eine Pause gönnen und Ruhe kehrte ein. Am frühen Abend wurde dann zusammen warm gegessen, geredet und gelacht.

Erst spät machten wir uns auf den Weg nach draußen zum Feuer, welches die Männer schon entzündet hatten, nahe dem Ahnenbaum.

 Und so begann unsere eigentliches Samhain Ritual….
 Diesmal störten weder Menschen noch Geister. 


Ein bisschen feucht, denn es regnete, als wir unsere Anrufung aufhoben und ein wenig kalt, war es. 


Später, wieder im Ahnenhaus, gratulierten mir alle zum Geburtstag und  beschenkten mich.…Umarmungen, Glückwünsche, Lachen….
Alle waren todmüde und vielen danach nur noch ins Bett.
Ein langer Tag.

 In dieser Nacht träumte ich, ich säße auf dem Boden dieses Hünengrabes. Ich trommelte und sang mit den anderen. …ja, es wird nicht das letzte Mal sein, das wir dort waren.